Dacia Duster Fahrbericht

Dacia Duster Fahrbericht

— 05.05.2010

Der Dacia Duster greift an

Das hässliche Entlein putzt sich heraus. Renault Billigmarke bringt jetzt sogar ein SUV – zu unschlagbaren Preisen. AUTO BILD fuhr den neuen Dacia Duster in Marokko. Und kam ins Grübeln.

Manchmal liegt der Ort der Erkenntnis im größten Trubel: in der Altstadt von Marrakesch, wo unser Duster im Stau feststeckt. Mitten zwischen Fahrrädern, Fußgängern, Mopeds, spielenden Kinder, alten Peugeots, hupenden Taxis, zerbeulten Pick-ups und den letzten Eselskarren kocht sie plötzlich hoch: die Ur-Angst ums Auto. Kriegt er Beulen, drohen jetzt Kratzer? Mensch, ich fürchte um einen Dacia! Um ein Auto, das anscheinend schon mit Schrammen auf die Welt kommt – zumindest beim Image. Denn Dacia ist die Billigmarke von Renault. Die Autos vom Grabbeltisch, die Sandero und Logan, haben ein Mindestmaß an Anerkennung erreicht. Zumindest bei mir. Sie sind angekommen, nicht nur im Straßenbild, sondern auf der emotionalen Werteskala.

Überblick: Alle News und Tests zum Dacia Duster

Unterwegs in Afrika: Dacia hat den neuen Duster in Marrakesch präsentiert.

Den letzten Schritt macht dieser hochbeinige Neuling, um den ich nun Schiss habe: Der Duster ist das erste SUV von Dacia, das erste Modell mit ESP (zumindest als Option), das erste Lifestyle-Auto – was für Kunden, die bislang bei diesem Namen die Nase gerümpft haben. Dac-wer? Nirgends kann ich das Phänomen der Nobody-Marke besser betrachten als auf den Straßen von Marrakesch. Hier wuseln scharenweise die Logan, die Renault einmal als 5000-Euro-Auto für Schwellenmärkte wie Marokko, Brasilien oder Russland entwickelt hatte. Verbeult, verdreckt und mit sechsstelliger Laufleistung ackert das hässliche Entlein als Taxi oder Familienkutsche. Draußen, in den Plattenbau-Vororten, wachsen junge Kunden auf, die den Aufstieg auf ihren neuen Dacia so freudig erleben wie die Deutschen den ersten Käfer in den Sechzigern. Was kümmert sie das langweilige Stufenheck, die alte Clio-Technik oder das fehlende ESP? Null. Dacia ist heute Marktführer in Marokko. So bekommt unser Duster in den Altstadt-Gassen immer wieder hochgereckte Daumen.

Erster Vergleich: So schneidet der Duster gegen den Skoda Yeti ab

Klares Kompakt-SUV-Format: Der Duster streckt sich auf 4,31 Meter.

Mit seinen 4,31 Meter Länge gehört er zur Modeklasse der Tiguan, Nissan Qashqai oder Skoda Yeti – zu schmerzfreien Kursen: Mit Preisen ab 11.900 Euro spielt er in Afrika den günstigen Lastesel – und bei uns das SUV vom Outlet. Sein Schnäppchen-Charakter ist dem Duster nicht anzusehen, das Design arbeitet geschickt mit den Schlüsselreizen trendiger SUVs: stattliche Höhe, markante Kotflügel und die Dachreling so robust, als könnte man ein Nashorn draufsetzen. Alles nur Show. Die Optik trifft den richtigen Mix für Aufsteiger vom Golf, bindungsresistente Jungkäufer und rückenkranke Senioren. Die kaufen auch Champagner bei Aldi, würden aber nie verzeihen, wenn sie vom Produkt enttäuscht werden. Und da überzeugt der Duster mit stillen Alltagsqualitäten. Irgendwie packt Dacia in seine Autos immer mehr Raum hinein, als man von außen meint; der Kofferraum hat das Format einer Kegelbahn. Mit seiner luftigen Sitzhöhe ist der Duster konsequent SUV: Von hier oben verliert der Verkehr in Marrakesch viel von seinem Schrecken.

Und die komfortable Federung unterscheidet sich vorteilhaft von den prügelharten Fahrwerken der Konkurrenz – wer afrikanische Rüttelpisten wegsteckt, bügelt auch deutsche Frostaufbrüche glatt. Liegt es am langsamen Verkehr? Oder weht die frühlingshafte Luft arabische Gelassenheit ins Auto? Ich hatte wenig zu kritisieren am Testwagen für gut 15.000 Euro, der Duster schleicht sich durch die Hintertür ins Herz. Fährt, federt, verwöhnt sogar ein bisschen. Plötzlich tun die sichtbaren Spar-Aktionen gar nicht mehr so weh. Das Cockpit, eine nüchterne Wüste aus Hartplastik, bauen sie so bei Dacia seit Jahren in jedes Modell ein. Der Allradantrieb stammt vom Nissan Qashqai, allerdings ohne künstliche elektronische Differenzialsperren oder Bergabfahrhilfen. Kismet, sagt der Araber. Schicksal. Was fehlt, kann nicht kaputtgehen. "Wir würden nie etwas einbauen, was wir nicht schon ausprobiert haben", sagt Vincent Carré, bei Renault Marketing-Direktor für kleine Autos.

Plötzlich drehen sich deutsche Jungakademiker nach einem Dacia um

Attraktives Angebot: Mit dem Duster kann sich Dacia neue Käuferschichten erschließen.

Man kann den Duster auch als Renaults rollende Reste-Rampe betrachten. Immerhin verspricht die ausgereifte Technik größte Zuverlässigkeit: Im AUTO BILD-Dauertest bekam der Logan MCV die Note 2–. Carré: "Unsere dreijährige Garantie ist ein Kernwert von Dacia." Dass mit dem einfachen Outlet-SUV kein endloser Werkstatt-Ärger droht, schätzen sicher auch Umsteiger, die nun erstmals die Billigmarke in Betracht ziehen. Geplant war der Duster ursprünglich als günstiger Ersatz für ausgelutschte Fernost-Geländewagen, die sich über Afrikas Holperpisten schleppen. Und plötzlich drehen sich auch deutsche Jungakademiker nach dem Dacia um – warum auch nicht? In Marrakesch haben eingereiste Europäer einige Stadthäuser aufgekauft und zu schicken Designerhotels umgebaut. Zu Orten der Stille. Erkenntnisse können überall reifen.

Technische Daten Dacia Duster dCi 85 4x2 Vierzylinder, Turbo, vorn quer • Hubraum 1461 cm³ • Leistung 63 kW (86 PS) bei 3750/min • max. Drehmoment 200 Nm bei 1900/min • Vorderradantrieb • Fünfganggetriebe • 0–100 km/h in 13,9 s • Spitze 156 km/h • Verbrauch EU-Mix 5,1 l Diesel • CO2 135 g/km • Preis ab 13.900 Euro.

So langsam kommt Dacia auch Skoda ins Gehege. AUTO BILD hat die aktuelle und die ehemalige "Billigmarke" Auto für Auto verglichen. Wer am Ende die Nase vorn hat, erfahren Sie am Freitag hier bei autobild.de.
Joachim Staat

Joachim Staat

Fazit

Dacia macht den Traum vom SUV erschwinglicher – ohne dass der Duster nach Sparauto aussieht. Jeder Luxus kostet extra, modernste Technik fehlt teilweise. Dennoch wird das erste Schnäppchen-SUV erfolgreich sein.

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