Suzuki SX4 gegen Dacia Duster

Dacia Duster/Suzuki SX4: Test

— 03.02.2014

Einer versagt im Gelände

Allradantrieb soll Suzuki SX4 und Dacia Duster zu Alleskönnern machen. Doch wenn es darauf ankommt, zeigen sie sehr unterschiedliche Offroad-Talente.

Oh ja, eine Sandkiste. Eine für große Kinder. Verführerisch liegt die Kiesgrube vor den Rädern der beiden Testkandidaten, sie wirkt wie eine Mini-Sahara. Rein da, ruft die rechte Hirnhälfte; wenn das mal gut geht, warnt die linke. Doch bei Suzuki SX4 und Dacia Duster siegt die Risikobereitschaft im Kopf. Schließlich handelt es sich bei diesen SUV um Allradler. Beide tragen ihre Offroad-Ambitionen offensiv zur Schau. Besonders Suzuki ist stolz auf seine 4x4-Kompetenz und möchte mit dem neuen SX4 S-Cross punkten (der alte SX4 wird weiter als Classic ab 18.190 Euro angeboten). Mit blumigen Werberworten schicken die Japaner ihren SUV in die Alltags-Wüste: "Prägnante Frontpartie, integrierte Dachreling und kernige Beplankung, die bei einem Ausflug auf unbefestigten Straßen vor Steinschlag schützt, sind Ausdruck purer Lebensfreude."

Mit dem Suzuki sollte man Gelände besser meiden

Hier fährt er noch: Trotz Allradantrieb kann sich der SX4 später nicht mehr aus dem Sand befreien.

Aber können SX4 und Duster das wirklich? Sind die zwei 4x4-Modelle nicht eigentlich nur Großstadt-Flaneure, getarnt in modischer Funktionskleidung? Die kneifen, wenn es ernst wird? Kommt auf den Versuch an. Der Suzuki spritzt los. Nur die ersten Meter arbeitet sich der 120 PS starke Diesel durch den losen Untergrund. Dann wird der Sand tiefer, und die Vorderräder drehen durch. Schnell die "Lock"-Taste in der Mittelkonsole gedrückt. Damit wird eine Differenzialsperre simuliert und die Antriebskraft gleichmäßig auf Vorder- und Hinterachse verteilt – theoretisch. Denn in der Kiesgrube ist Schluss mit lustig. Im tiefen Geläuf bleibt der aufgecrosste SX4 trotz Allradantriebs stecken. Schlimmer noch: Schon beim ersten Befreiungsversuch aus eigener Kraft fängt die Kupplung an zu rauchen und zu stinken. Der Suzuki baut keinerlei Traktion auf und kommt nicht vom Fleck. Enttäuschend, mit echten Geländeeigenschaften hat das nicht viel zu tun. Kurioserweise hat der SX4 S-Cross gegenüber dem kürzeren SX4 Classic zwei Zentimeter an Bodenfreiheit verloren. Bleiben 17 Zentimeter – das ist nicht sonderlich üppig, wenn das Terrain ruppiger wird.

Das Lifestyle-Produkt Duster kommt offroad durchaus voran

Beworben als "Anti-Statusauto" kann der Dacia Duster auch mit losem Untergrund locker umgehen.

Dieselbe Fahrspur, anderes Auto: Mit gleichem Tempo rollt der Duster dCi 110 4x4 in den losen Sand. Unbeeindruckt passiert er die Stelle, an der der SX4 steckenblieb. Selbst dort, wo der Sand noch lockerer wird, wühlt sich der Duster tapfer vorwärts. Seine Bodenfreiheit liegt bei 21 Zentimetern. Ausgefahrene Feldwege und tiefe Fahrspuren meistert er problemlos. Auch der Dacia besitzt einen Schalter, mit dem der 4x4-Antrieb zwischen Vorder- und Hinterachse fixiert werden kann. Im Duster funktioniert das Allradsystem deutlich effektiver. Klar, Ausfahrten ins Gelände sind für diese Sorte SUV exotische Einzelfälle. Darum versucht auch die einstige Ostblock-Marke Dacia, ihr SUV als originelles und vor allem billiges Lifestyle-Produkt zu ver­markten. In einem TV-Spot veräppelt Ex-Nationalkicker Mehmet Scholl Golfspieler in einem Edel-Club und bewirbt den Duster als "Anti-Statusauto". Dass er auch Gelände kann, ist schön und gut, doch die Onroad-Eigenschaften sind wichtiger. Und hier drehen sich die Kräfteverhältnisse um.

Der Suzuki ist das dyna­mischere und schnellere Auto. Bei der Beschleunigungsmessung von null auf 100 km/h ist er sogar 2,1 Sekunden schneller als die Werksangabe. Trotz zackiger Lenkung und straffer Federung bietet er guten Fahrkomfort. Vor allem der 1,6 Liter große Diesel macht seine Sache beeindruckend. Mit sattem Drehmoment hängt der Vierzylinder schon bei niedriger Tourenzahl gut am Gas. Für einen Selbstzünder dreht er kultiviert nach oben und beschleunigt den SX4 bis auf Tempo 175. Flott ist es also, das kleine Japan-SUV. Und sparsam: 5,7 Liter Testverbrauch auf 100 Kilometer können sich sehen lassen.

Der SX4 zeigt nur durchschnittliches Transporttalent

Hinten klein: Das Kofferraumvolumen des SX4 erreicht mit 430 bis 1269 Litern nur einen Durchschnittswert.

Nur das Getriebe will nicht zum runden Fahreindruck passen. Die Abstufung der sechs Gänge ist okay. Jedoch hakelt der Schaltknauf, besonders dann, wenn die Gänge zügig gewechselt werden. In der Schaltführung hat Suzuki noch Nachholbedarf. Auch beim größeren Vitara war ein hakeliges Getriebe oft ein Problem. Die SX4-Bedienung nervt dagegen nicht mit Schwächen. Anordnung der Knöpfe, Schalter und die Sitzposition sind so ausgelegt, dass der Fahrer sich hinterm Lenkrad schnell wohlfühlt und alles Wichtige ohne langes Suchen findet. Auch Qualitätsanmutung und Sitzposition gehen in Ordnung. Das Kofferraumvolumen erreicht mit 430 bis 1269 Litern allerdings nur einen Durchschnittswert. Immerhin schluckt der SX4 S-Cross mehr Ladegut als der SX4 Classic. Trotzdem: Wer auf erhöhte Transportkapazität Wert legt, kommt am Dacia nicht vorbei. Bei umgelegten Sitzen fasst sein Gepäckabteil immerhin 1604 Liter und macht den Duster zu einem guten Lastenträger. Allerdings dürfte er für diesen Zweck gern mehr Zuladungsreserve als die ermittelten 471 Kilo haben. Und obwohl der Duster inzwischen serienmäßig mit ESP ausgerüstet wird, muss er bei der aktiven Sicherheit noch zulegen, vor allem bei der Bremsleistung: Anhaltewege um 38 Meter aus Tempo 100 sind nicht mehr Stand der Technik.

Auf der Straße hat der Dacia gegen den Suzuki wenig zu melden

Der Dacia fährt sich deutlich träger, wird lauter und genehmigt sich über einen Liter Diesel mehr.

Gut gelungen ist die Fahrwerkabstimmung, die mit recht langen Federwegen und sanftem Ansprechen klar auf der komfortablen Seite liegt. Ansonsten hat der Duster im normalen Straßenbetrieb gegen den SX4 S-Cross nicht viel zu melden. Er fährt sich deutlich träger, wird lauter und genehmigt sich über einen Liter Diesel mehr als der Suzuki. Daran ändert auch der Druck auf die Eco-Taste wenig. Sie optimiert den Motor für spritsparende Fahrweise, macht den Dacia aber noch müder. An der Fahrstabilität des Rumänen gibt es nichts auszusetzen, allerdings geizt das Billigmodell bei Sicherheits- und Komfortausstattung. Sein Lenkrad ist beispielsweise nur in der Höhe verstellbar, sodass der Dacia hier viele Punkte auf der Strecke lässt. ESP ist inzwischen Serie, aber das war es auch schon. Kopf- und Knieairbags, serienmäßig im Suzuki, gehören ebenso wenig zum Lieferumfang wie ein Start-Stopp-System. Beide Autos liegen mit ihren Multimedia-Optionen gleichauf. Radio mit USB-Anschluss und Bluetooth-Freisprecheinrichtung sind serienmäßig an Bord. Kein Wunder, dass der Dacia als Preis-Leistungs-Sieger aus diesem Duell hervorgeht.

Mit einem Testwagenpreis von 18.490 Euro ist der Allradler nämlich fast 7000 Euro billiger als der Japaner. Beim Vergleich der Grundpreise (Dacia 17.690 Euro, Suzuki 25.190 Euro) liegt die Preisdifferenz sogar noch weiter auseinander. Unterm Strich geht der Testsieg klar an den SX4. Er ist teurer, aber das modernere Auto. Nur im Gelände kann er nichts.
Fahrzeugdaten Dacia Suzuki
Motor Vierzylinder, Turbo, vorn quer Vierzylinder, Turbo, vorn quer
Ventile/Nockenwellen 2 pro Zylinder/1 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Zahnriemen Zahnriemen
Hubraum 1461 cm³ 1598 cm³
kW (PS) bei 1/min 81 (110)/4000 88 (120)/3750
Nm bei 1/min 240/1750 320/1750
Vmax 168 km/h 175 km/h
Getriebe Sechsgang manuell Sechsgang manuell
Antrieb Allradantrieb Allradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Trommel Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 215/65 R 16 H 205/50 R 17 V
Reifentyp Continental CrossContact LX Continental EcoContact 5
Radgröße 6,5 x 16'' 6,5 x 17''
Abgas CO2 135 g/km 114 g/km
Verbrauch* 5,7/5,0/5,2 l 5,2/3,9/4,4 l
Tankinhalt 50 l/Diesel 47 l/Diesel
Kältemittel R134a R1234yf
Vorbeifahrgeräusch 74 dB (A) 72 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 1500/695 kg 1500/600 kg
Kofferraumvolumen 443–1604 l 430–1269 l
Länge/Breite/Höhe 4315/1822–2000**/1625 mm 4300/1765–2045**/1580 mm
Testwagenpreis 18.490 Euro 25.190 Euro
*innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; **Breite mit Außenspiegeln
Messwerte Dacia Suzuki
Beschleunigung
0–50 km/h 4,3 s 3,4 s
0–100 km/h 12,7 s 10,9 s
0–130 km/h 23,3 s 19,1 s
Elastizität
60–100 km/h 7,2 s (4. Gang) 6,7 s (4. Gang)
80–120 km/h 14,7 s (6. Gang) 11,7 s (6. Gang)
Leergewicht/Zuladung 1404/471 kg 1370/500 kg
Gewichtsverteilung v./h. 59/41 % 63/37 %
Wendekreis links/rechts 11,2/11,0 m 11,1/11,3 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 38,3 m 35,7 m
aus 100 km/h warm 38,0 m 35,9 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 68 dB (A) 60 dB (A)
bei 100 km/h 73 dB (A) 68 dB (A)
bei 130 km/h 76 dB (A) 72 dB (A)
Testverbrauch – CO2 6,9 l D – 183 g/km 5,7 l D – 152 g/km
Reichweite 720 km 810 km

Kannix gegen Kostnix

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Heftarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden.
Dacia Duster dCi 10 4x4, Suzuki SX 4 S-Cross 1.6 DDiS 4x4

Veröffentlicht:

21.01.2014

Preis:

1,00 €

Jörg Maltzan

Jörg Maltzan

Fazit

Der Suzuki macht das Rennen, weil er gut rennen kann und wenig verbraucht. Sein Revier ist die Straße, nicht das Gelände. Denn der Allradantrieb des SX4 S-Cross fungiert eher als Traktionshilfe und ist für echte Geländefahrten ungeeignet – viel Show, wenig dahinter. Der viel billigere Dacia überzeugt durch echte Offroad-Talente. Dafür fühlt er sich auf der Autobahn deutlich unwohler und verbraucht mehr Diesel.

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