Dauertest Audi A2 1.4

Dauertest Audi A2 1.4

— 21.01.2003

Ein Typ, der nicht ankam

Mit dem A2 wollte Audi alles anders machen und landete auf dem Bauch. Als Frauentyp blitzte der Alu-Mini ab, als zuverlssiger Dauerrenner leider ebenfalls. Schuld daran war allerdings der schlampige Service.

Missverstndnisse und Versumnisse

Irren ist zwar menschlich, fr Automobilhersteller aber meist enorm kostspielig. Siehe Audi. Wer in Ingolstadt das ehrgeizige Projekt A2 durch den Kalkulator schiebt, glaubt im defizitren Haushaltstopf von Finanzminister Eichel gelandet zu sein. Fakt ist: Audis Kleinster hat nach zweieinhalb Jahren nicht annhernd die Erwartungen erfllt. Im watteweichen Marketingdeutsch hrt sich das dann so an: "Der A2 zhlt bei Audi nicht gerade zu den Modellen mit dem hchsten Deckungsbeitrag."

Nein, wahrlich nicht. 60.000 Stck pro Jahr wollte Ex-Chef Paefgen einst absetzen, eine zu hohe Prognose. 2002 fand der Mini-Van bei uns knapp 20.000 Kunden, Mercedes verkaufte im gleichen Zeitraum von seiner mittlerweile fnf Jahre alten A-Klasse etwa 80.000. Folge: Schon jetzt steht fest, dass der A2 keinen Nachfolger bekommt jedenfalls nicht bei Audi. Schwester Seat gilt als "bernahmekandidat".

Der Genickschuss fr ein Prestigeobjekt, dessen Weg Missverstndnisse und Versumnisse pflastern. Der A2 sei "ein Technologietrger, der nie htte in Serie gehen drfen", so ein hochrangiger Audi-Ingenieur. Und Neu-Audi-Chef Dr. Martin Winterkorn gibt ehrlich zu: "Am A2 ist vieles wunderschn aber auch vieles viel zu teuer. Aus heutiger Sicht wrden wir ihn nicht wieder in Aluminium bauen."

Der A2 wurde geliebt oder gehasst

Der A2 sollte ein Schaustck fr den Aluminium-Groserienbau werden. Dumm nur, dass Alu niemand sieht, die Werbung dieses Schmankerl nie richtig rberbrachte und zu wenig Kufer bereit waren, dafr so viel zu bezahlen. Der hohe Preis war sicherlich ein entscheidender Faktor, warum der A2 nie in die Gnge kam. Eine A-Klasse ist nicht billiger. Nur trgt die eben einen Stern. Unser Dauertestwagen beispielsweise, ein 1.4 mit 75 PS, kostete zu Testbeginn schlanke 40.000 Mark. Ohne Luxusextras wie Navigation oder Leder.

Dafr gibts auch einen Zafira. Mit Platz fr sieben statt fr vier. Viel Geld also fr gerade mal 3,80 Meter Auto. Was man dafr geboten bekommt, hat zumindest in unserer Redaktion zu heien Diskussionen gefhrt. Audis Alles-anders-Auto wurde geliebt oder gehasst. Dazwischen gab es kaum Meinungen. Um den provokant gestylten Raum-Mini machten vor allem viele weibliche Kollegen einen Bogen.

Auch an der Verkaufsfront gilt der A2 nicht als Herzensbrecher Der Damenanteil am A2 liegt unter 40 Prozent. Dabei wollte Audi doch gerade seine Frauenquote aufpolieren. Auch der Traum von der jungen, dynamischen Klientel erfllte sich bislang nicht. Der durchschnittliche A2-Kufer geht wie brigens auch bei der A-Klasse stark auf die 50 zu. Nun soll der pausbckige Alu-Zwerg jugendlicher, lifestyliger beworben werden. Dr. Winterkorn: "Das Auto wird noch mal angeschoben. Wir lassen jetzt junge Wilde an die Werbefront." Ihnen muss gelingen, was bislang versumt wurde: das clevere Konzept zu transportieren.

Hamburg-Wien = neunmal tanken

Tatsache ist: Der Bonsai-Audi verkauft sich weit unter Wert. Viele seiner Talente lernt man erst im Alltag schtzen. So wie wir whrend des Dauertests. Wer wei schon, dass die beiden hinteren Sitze nur 16 Kilo wiegen, ganz easy demontierbar sind und sich an Henkeln wie Taschen tragen lassen? Oder dass man hinten viel menschenwrdiger sitzt als in der A-Klasse, weil die Beine bequem in den abgesenkten Furaum tauchen? Auch vorn bringt Audis A seine Gste aufrechter und auf grozgigeren Sitzen unter. Selbst nach Mammutstrecken hatte man nie das Gefhl, in einer Sardinenbchse gereist zu sein.

Und wer ahnt schon, dass die kernige 75-PS-Dampfmaschine den kleinen Zeppelin auf Tacho 195 treibt (gefhlte 220) und sich nach 100.000 Kilometern prsentiert, als htte man sie gerade aus dem Neuteile-Regal genommen? Auch das bis zum Schluss super schaltbare Fnfganggetriebe mit den klackklack-kurzen Wegen und die elektrohydraulische Servolenkung mit vorzglichem Lenkgefhl sind im wahrsten Sinne des Wortes Erfahrungswerte.

Also, alles bene? Keineswegs. Leider leistet sich der Premium-Mini Ungereimtheiten, die fr normale Kufer nicht nachvollziehbar sind. Fr Insider schon. Sie wissen: Der A2 ist das Produkt eines interen Konzern-Wettbewerbs mit VW um das bessere Drei-Liter-Auto. Hoch, schmal, vor allem aber leicht sollte er sein. Dafr mussten Opfer gebracht werden. Zum Beispiel ein Mini-Tank von gerade 34 Litern. In der Praxis bedeutete das: Alle paar hundert Kilometer an die Trnke. HamburgWien = neunmal tanken = 280 km Reichweite. Eine Zumutung. Audi hats eingesehen und baut seit Mai 2002 einen 42-Liter-Tank ein.

Eine richtige und viele falsche Diagnosen

Nervig auch die extrem gekrmmte Heckscheibe, die stark verzerrt und aus aerodynamischen Grnden keinen Wischer tragen darf. Dafr klebt oberhalb der Scheibe ein hsslicher Spoiler, der erfolgreich verhindert, dass Brsten der Waschanlage das Fenster sauber schrubben. Vllig indiskutabel auch, dass in den Kofferraum nicht einmal ein Buggy quer hineinpasst. Dr. Winterkorn versprach uns beim Abschlussgesprch, das zur Chefsache zu machen und schnellstmglich die Verkleidungen zu ndern. So was rgert den ehrgeizigen Techniker.

Richtig sauer aber reagierte er auf die schlampige Arbeit des betreuenden Hamburger Hndlers. Denn der verhagelte dem A2 eine Spitzenplatzierung in unserer Zuverlssigkeitsstatistik. Hintergrund: Whrend einer frhen Dienstreise ins Badische traten das erste Mal Motoraussetzer auf. Es war Juni 2001, km-Stand 19.488. Ein Freiburger Hndler las den Speicher aus und empfahl: Tausch des Drehzahlgebers. Da er das Teil nicht auf Lager hatte, schickte er uns wieder Richtung Hamburg. Weiterfahrt unbedenklich. Zurck in der Hansestadt, bekamen wir eine andere Diagnose wie sich herausstellte, eine falsche. Fortan fhrte uns dieses Problem noch drei weitere Male auerplanmig in dieselbe Werkstatt, bis auf unser Drngen bei km-Stand 87.650 endlich der Drehzahlgeber getauscht wurde.

Ohne diese Eskapaden wre der A2 auf Rang sieben geklettert. So bleibt nur der letzte Platz. Noch hinter dem englischen Patienten Jaguar S-Type. Bitter fr ein ansonsten sehr zuverlssiges Auto, das zudem whrend der 100.000 Kilometer nur drei Mal zur Inspektion musste. Was bleibt unterm Strich? Fr den Techniker ein kleines Meisterstck, das mit viel Hingabe konstruiert wurde und ganz im Gegensatz zum A-Klasse-Dauertester (Heft 31/01) gerade im Detail voll berzeugte.

Technische Daten und Wertung

Da trgt den Auspuff statt eines schnden Gummirings ein solider Alu-Halter, da ist jeder Kubikzentimeter Bodenraum sauber verkleidet, da stimmen Spaltmae nach dem Dauerlauf noch auf den Hundertstelmillimeter, was fr eine hohe Struktursteifigkeit der Karosserie spricht (null Klappergerusche). Insgesamt: ein ebenso skurriler wie teurer Mini-Van, der viel besser ist, als es sein geringer Verkaufserfolg vermuten lsst. Audis A2 htte eine zweite Chance verdient und bessere Hndler.

Preise und Kosten

Mit 13 Cent pro Kilometer ist der kleine A2 nicht gerade ein Schnppchen und liegt auf dem Niveau unseres Dauertest-Nissan Almera 1.8. Nur beim Wertverlust liegt der kleine Audi vorn und setzt mit neun Cent pro Kilometer eine echte Bestmarke.

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