Defender-Umbau "Abenteuer Auto"

Land Rover Defender von "Abenteuer Auto" Land Rover Defender von "Abenteuer Auto"

Defender-Umbau "Abenteuer Auto"

— 16.08.2004

Glänzende Leistung

Das Fernsehen macht es möglich: In nur drei Monaten entstand dieser einzigartige, nach Zuschauerwünschen aufgebaute Land Rover.

PS-Zuwachs per Riesenladeluftkühler

Dieses Auto ist keineswegs das Resultat der Träume eines völlig übergeschnappten Land-Rover-Fans. Dieser Defender sieht so aus, weil ein paar Fernsehredakteure einige Ideen hatten und weil viele TV-Zuschauer über die Details abgestimmt haben. Und nicht zuletzt, weil flinke Mechanikerhände unzählige Arbeitsstunden und Nachtschichten geleistet haben. Das Ergebnis lässt jeden, der etwas für Autos übrig hat, zunächst still zurücktreten – still vor Bewunderung für so viel Mühe und Material.

Am Beginn der Geschichte steht ein schlichter dunkelgrüner Defender 110 Td5 mit 92.000 Kilometern auf dem Tacho. Der gebraucht gekaufte Land Rover soll zum Star der Fernsehreihe Abenteuer Auto auf Kabel 1 avancieren. Ziel: ein zum Einzelstück aufgebautes Auto, bei dem die Zuschauer per Telefonwahl darüber entscheiden können, wie der Defender nun umgebaut wird.

Schon die erste Telefon-Abstimmung überrascht Projektleiter Christoph Reifenrath und seine Fernseh-Crew: Nicht etwa den zur Wahl gestellten Umbau auf einen Range-Rover-V8-Motor wollen die Zuschauer sehen, sondern einen vergleichsweise simplen Tuningkit für den serienmäßigen Fünfzylinder-Turbodiesel.

Also wird der originale Motor erst einmal zerlegt und begutachtet. Das soll sicherstellen, dass der ursprünglich 122 PS leistende Turbodiesel noch so gut in Schuss ist, dass er das angepeilte Tuning auf atemberaubende 196 PS halbwegs verkraftet. Land-Rover-Spezialist Amadeus Matzer aus Köln übernimmt die Verantwortung für den PS-Zuwachs per Riesenladeluftkühler und elektronischem Zusatzsteuergerät.

Spiegel-Lackierung für 25.000 Euro

Doch damit allein schafft man noch kein Einzelstück. Eine verrückte Idee wird in Angriff genommen: Wie wäre es mit einer Spiegel-Lackierung? Klar, von kleineren Objekten wie Motorradhelmen kennt man solche Beschichtungstechniken. Aber ein ganzes Auto? Das hat noch niemand gewagt.

Nun gibt es kein Zurück mehr. Der inzwischen völlig zerlegte Defender wird ins fränkische Ansbach zur Lackiererei Blach transportiert. Die Alukarosserie wird penibel geschliffen und anschließend mit einem für Aluminium geeigneten Zweikomponenten-Epoxydharz gefüllert. Beim Lack-Spezialisten Uedelhoven in Gaimersheim bringen die Spiegelprofis anschließend einen Aktivator auf. Das ist eine selbst gemixte Chemikalie, die die Oberflächenspannung beseitigt. Danach verspritzen die Lackierer die Mischung aus zwei durchsichtigen Lacken. Zu dieser Mixtur gehört auch echtes Silber.

Zunächst erscheint ein schlichtes Schwarz auf der Karosserie, doch Sekunden später bildet sich von selbst die spiegelartige Oberfläche. Danach wird der Lackauftrag mit viel destilliertem Wasser abgeduscht. Vier Lackierer verbringen zwei komplette Arbeitswochen mit dem Land Rover. Das Ergebnis verblüfft den Betrachter. Selbst wenn man bedenkt, dass dieser silberne Anzug rund 25.000 Euro kostet.

Feine Details komplettieren das einzigartige Erscheinungsbild des Briten. Die Räder treten bei so viel Glanz der Karosserie optisch zurück. Keine wilden Breitschlappen, sondern schmale Geländereifen auf mattschwarz lackierten Original-Defender-Stahlfelgen sorgen für den stilvollen Auftritt.

Innen gibt's Neopren in Royalblau

Serdar Tuncer, Mechaniker in der Fernseh-Werkstatt, hat aber noch viele andere Anbauteile zu montieren. Stoßstange und Seitenschweller von Metalstation und die Ramsey-Elektroseilwinde – wie die Räder ebenfalls das Resultat eines Zuschauervotings. Unverwechselbar wie die Außenhaut sollte auch der Innenraum werden. Feine Schalensitze vom Motorsportlieferanten Sandtler machen den Defender nicht nur anders, sondern auch bequemer.

Trotz der Sitzwangen stellt der Einstieg keine Probleme dar. Allein die Anfertigung der Gestelle für die vier Einzelsitze verschlingt 30 Arbeitsstunden. Extrem aufwändig gestaltet sich auch der Einbau eines innen liegenden Überrollkäfigs vom englischen Zulieferer Safety Devices. Das ganze Wagendach wurde dafür entfernt.

Um die Optik des Innenraums aufzupeppen, boten Reifenrath und sein Team den Zuschauern besondere Farben und Materialien an. Die Wahl fiel auf Neopren in leuchtendem Royalblau. Nur ein einziger Hersteller fertigt diesen aufgeschäumten Kunststoff in Europa an: Sedo Chemicals in Fürstenwalde.

Die Verarbeitung übernimmt Sattlermeister Köstlmeier von MK Klassik im oberbayerischen Haar. Türverkleidungen, Mittelkonsole und Dachinnenseite besprüht er gleichmäßig mit Zweikomponenten-Kleber, dann klebt er das zwei Millimeter starke Neopren auf. Fehler verzeiht das Material nicht. Es ist zwar gut per Heißluftpistole dehn- und formbar, hat man es aber einmal aufgeklebt, lässt es sich nur noch mit zerstörender Gewalt lösen.

Bord-PC mit Flachbildschirm

Auch die ab Werk traurige Armaturentafel des Defender sollte in neuem Glanz erstrahlen. Da bietet sich ein Armatureneinsatz von Nakatanenga aus Neumarkt an. In das lasergefräste Edelstahlblech werden die Zusatzinstrumente und die Pioneer-Musikanlage versenkt. Magellan (Neufahrn) steuert das Navigationssystem bei, Trophy-Tec (Kaufbeuren) den kompletten Bord-PC mit Flachbildschirm am Gelenk-Arm. Die Rechner-Tastatur sitzt über den Hauptinstrumenten. Will man sie benutzen – einfach Klettverschlüsse lösen.

Die Unterseite des Defender kommt nicht ungeschoren davon. Ein Fahrwerkskit vom Land-Rover-Spezialisten Matzker beseitigt die Wankneigung des Engländers nachhaltig. Die Rallye-erprobten Stoßdämpfer lassen sich 50-fach von außen einstellen. Die Hinterachse wird von Taubenreuther in Kulmbach mit einer 100-Prozent-Differenzialsperre bestückt. Und ein 45-Liter-Zusatztank von Rinkert wartet auf den Einbau in den hinteren Radkasten.

Im Innenraum geht es für TV-Mechaniker Duncar weiter. Eigens angefertigte Hosenträgergurte müssen installiert werden, außerdem Schall reduzierende Noisekiller-Dämmmatten aus Holland.

Die Zeit drängt, denn das Auto soll für unsere Fotoaufnahmen und die Filmproduktion fertig werden. Eine Mittelkonsole mit darunter liegender Zusatzheizung aus dem Fundus von Kocher aus Heidelberg muss zwischen die Vordersitze. Oberhalb der Heizung sitzt der Rechner für den Bord-PC. Alles muss zusammenpassen. Und funktionieren.

Frischwasseranlage im Heck

Als Tüpfelchen auf dem i darf noch eine kleine Frischwasseranlage im Heck ein Plätzchen suchen. Der 34-Liter-Tank mit winzigem Waschbecken aus V4A-Edelstahl spendet nicht nur Wasser zum Händewaschen oder zum Duschen. Die Spezialisten von Carmaeleon aus Ainring installierten noch einen dreistufigen Entkeimungsfilter, sodass man das Wasser auch trinken kann.

Bleibt die Hoffnung, dass der künftige Besitzer sich als würdig erweist und diese automobile Kostbarkeit in Ehren hält. Falls ein verlockendes Kaufangebot zum Hitzestau unter dem Neopren-Himmel führen sollte, hilft eine kühlende Sofort-Dusche am Heck, um cool zu bleiben.

Technische Daten 5-Zylinder-Reihen-Turbodiesel • elektrische Pumpe-Düse-Direkteinspritzung mit Zusatzrechner • vergrößerter Ladeluftkühler • Hubraum 2495 cm3 • Leistung 144 kW (196 PS) bei 4000/min • maximales Drehmoment 400 Nm bei 1900/min • Allradantrieb permanent über Zentraldifferenzial (v:h 50:50) • 5-Gang-Schaltgetriebe mit Geländereduktion • Starrachse mit Spezial-Schraubenfedern und -Dämpfern v+h • Reifen 235/85 R 16 • Räder 7x16 Stahl • Länge/Breite/Höhe 4680/1790/2085 mm • Radstand 2794 mm • Tank 75+40l • Höchstgeschwindigkeit 170 km/h • Preis des Umbaus 65.000 Euro

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