Der groe Verbrauchs-Test

Der AUTO BILD Verbrauchs-Test

— 17.05.2006

Was kostet Vollgas?

AUTO BILD jagte 16 Serienautos ber eine Hochgeschwindigkeitsstrecke. Was dabei an Sprit verbrannte, berrascht sogar die Profis.

Papenburg im Emsland. Weltbekannt durch die Meyer-Werft, die von dort riesige Luxusliner in die Ems gleiten lt. Das Land ist flach, und zerzauste Moorbirken haben Mhe, den Wind zu bremsen, der meist von Holland herberweht. Papenburg hat noch eine Sehenswrdigkeit: das ATP-Testgelnde (Automotive Testing Papenburg). Es gehrt zu 60 Prozent Karmann in Osnabrck, 40 Prozent hlt eine Tochter des Erbauers DaimlerChrysler. Auf dem 12,3 Kilometer langen Rundkurs, der sonst Erlknigfahrern gehrt oder Auto- und Reifentestern der Industrie, konnten wir ungestrt unsere Bahnen ziehen, um endlich mal die Frage zu beantworten: Was verbrauchen unsere Autos wirklich?

Wer jetzt wissenschaftlich przise Ergebnisse erwartet, den mssen wir enttuschen. Wir fuhren Tempo 80, 100, 130, 150, 180, 200, 220, 250 und Hchstgeschwindigkeit, notierten dabei die Verbrauchsangaben der mittlerweile recht przisen Bordcomputer der jeweiligen Fahrzeuge. Auch mischten Wind und Wetter mit. Der April zeigte sich von seiner sprichwrtlichen Seite, der Wind schob uns auf der einen Geraden, bremste auf der anderen. Also nahmen wir auch hier den Mittelwert von Hin- und Herfahrt.

Sehr hbscher Nebeneffekt: Auf der Schnellfahrbahn steht eine Meanlage, die den Fahrern ihr genaues Tempo anzeigt. Prima fr eine Tachokontrolle, die zeigte, da alle erstaunlich ehrlich sind. Die beiden Golf mogeln am meisten: Bei echten 130 km/h zeigen sie 137 an, bei echten 200 melden beide 210. Petitessen. Es geht hier ja um den Durst.

Der Cayenne-Durst ist echt gepfeffert

Da wartete das Testteam natrlich neugierig auf den bulligsten Porsche aller Zeiten, den Cayenne Turbo S. Er enttuschte nicht. Bei Dauervollgas soff das 270-km/h-SUV sagenhafte 66,7 Liter Super plus. Der Bordcomputer verriet das nicht, er stoppt schamhaft bei "29,9". Den wahren Verbrauch haben wir per Nachtanken ermittelt: fast 67 Liter auf 100 Kilometer! Ein 40-Tonner kommt mit 35 aus. Auch wenn nur Scheichs den 521-PS-Boliden kaufen sollten, er pat nicht mehr so richtig in unsere Zeit.

Steigen wir ins andere Extrem, den derzeit als so fortschrittlich gepriesenen Prius von Toyota mit Hybridantrieb im Stadt- und Kurzstreckenbetrieb ein echter Knauserer. Nein, den Verbrauchsrekord bei Tempo 80 hlt er nicht, da sind die Diesel in Zafira, 407 und Golf noch etwas geiziger. Wenn der Prius dann aber mal auf der Autobahn mitschwimmen mu, fhrt oberhalb von 130 km/h der strkere Mercedes C 180 deutlich wirtschaftlicher, die kompakten Diesel schlagen ihn ohnehin um Lngen. Ausnahme VW Multivan. Der stemmt dem Wind eine so groe Stirnflche entgegen, die den Verbrauch bei schneller Fahrt wie auch bei Cayenne und Touareg natrlich in die Hhe treibt.

Beliebtester Testwagen war der 911 Carrera S. Mal ungestrt den Tacho an die 300 treiben, in Papenburg kein Problem. Der Steilkurven-Rekord liegt bei 352 km/h, die Mannen von AMG halten ihn, wird erzhlt. Allerdings mssen die dann auch einen stabilen Magen haben, wird er doch bei dem Tempo mit zweieinhalbfacher Erdanziehung Richtung Hosenboden gedrckt. Auch der 911er rckt seinen echten Verbrauch nur verschmt heraus: Die Anzeige im Blickfeld verabschiedet sich bei 26,9 Litern, und der Bordcomputer auf der Konsole will nach dem Nullen erst mal einige Kilometer gefahren haben, bevor er langsam hochrechnet und brauchbare Angaben herausrckt.

C 180 punktet bei Vollgas gegen Golf TSI

Die anderen Teilnehmer machten nicht so viele Sperenzchen, lieferten schnell verwertbare Zahlen. Nur dem 23 Jahre alten Mercedes 190 mute das Testteam mangels Bordcomputer ein Megert einbauen. Das Ergebnis im Vergleich zum modernen C 180 zeigt den enormen Fortschritt der Automobiltechnik.

Der Seitenblick auf den technisch hochinteressanten Golf GT 1.4 TSI wird dagegen schnell zum Seitenhieb: Der zwar etwas schwchere, aber deutlich grere Mercedes verbrennt bei Tempo 180 fast vier Liter weniger Super auf 100 Kilometer!

In der Bildergalerie gibt's die Verbrauchswerte aller Testkandidaten. Lesen Sie, vergleichen Sie, ziehen Sie Rckschlsse. Da schnelles Fahren mehr kostet, wuten Sie schon immer. Jetzt wissen Sie auch, wieviel.

Kommentar von AUTO BILD-Redakteur Diether Rodatz: Die Satiriker der Zeitschrift "Pardon" dichteten einst: "Denk an die Scheiche, schleiche!" Nun bekommen wir mittlerweile zwar das meiste Rohl aus der Nordsee und Ruland, aber bei den derzeitigen Spritpreisen hat die Mahnung an Aktualitt nichts verloren. Auch beim Blick nach vorn ist keine rettende Niedrigpreis-Oase in Sicht. Im Gegenteil, die Steuern sollen noch steigen. Bleibt den Konsumenten einzig die Konsequenz: sparen und nochmals sparen. Heit: weniger Gas, bewuter fahren.

Ich wei, wer sein Auto beruflich nutzen mu, der hat kaum Alternativen. Aber wie unsere Testreihe zeigt, im oberen Drittel der erreichbaren Leistung geht der Verbrauch Rapide in die Hhe. Mit sanftem Gasfu lt sich noch mancher Liter einsparen. Und mit neuester Motorentechnik. Die drften die Scheiche frchten.

Die zwlf besten Spartips

1. Runter mit dem Gewicht Das tut nicht nur Menschen gut. Eine Entschlackungskur fr das Auto ist eine Wohltat fr das Bankkonto. Also: raus mit allem, was nicht gebraucht wird. Als da wren: Getrnkekiste, alte Zeitungen, Gummistiefel, Restmll. Echte Sparfchse ersetzen das Reserverad, das bringt im Schnitt 15 bis 20 Kilo, und legen eine Dose Reifenpilot ins Handschuhfach. Faustformel: 100 Kilogramm weniger Gewicht sparen einen halben Liter Sprit.

2. Alles runter vom Dach Kein Geld zu verschenken? Na, dann schnell runter mit dem Dachtrger. Egal ob Fahrrad oder Dachbox, der Luftwiderstand des Autos wird dramatisch schlechter. Faustregel: Eine Dachbox treibt den Durst des Autos einen halben Liter nach oben, der Fahrradtrger kostete im aktuellen Test bis zu 4,6 Liter zustzlich. Auch auf halbstarke Spoiler und andere Anbauten sollten Sie verzichten, die bringen gar nichts.

3. Mehr Luft in die Reifen Vertrauen ist gut, Kontrolle besser. Das gilt vor allem fr einen korrekten Luftdruck im Reifen. Ein zu niedriger Luftdruck ist nicht nur fr die Fahrsicherheit gefhrlich. Der erhhte Rollwiderstand kostet Benzin. Ein um 0,2 Bar zu geringer Luftdruck bedeutet ein Plus von ein bis zwei Prozent Treibstoffverbrauch. Deshalb die Devise: Etwas mehr Luft im Reifen kostet nichts, spart aber bares Geld. Tip: Fahren Sie auch unbeladen den maximal erlaubten Reifendruck (siehe Tankdeckel oder Betriebsanleitung).

4. Ein teurer Tropfen spart Wer gut schmiert, der gut fhrt. Deshalb bei der nchsten Wartung nicht mehr auf zhes Billigl zurckgreifen, sondern ein modernes Leichtlauf-l der 0-W- oder 5-W-Klasse einfllen. Kostet pro Liter zehn bis 15 Euro und spart im Kurzstreckenverkehr sowie bei kalter Witterung bis zu fnf Prozent Kraftstoff.

5. Regelmige Inspektion Luftfilter verstopft, Zndkerzen verrut, Motoreinstellung total verkorkst? Kein Wunder, da der Wagen suft wie ein Loch. Ein regelmiger Motorcheck in der Werkstatt lt den Motor wieder rund laufen und spart manchen Liter des teuren Supersafts.

6. Nach dem Start losfahren Es ist eine weitverbreitete Unsitte: Nach dem Start den Wagen erst mal im Leerlauf warmlaufen lassen. Ganz klar: Das bringt rein gar nichts, auer einem erhhten Benzinverbrauch und stinkender Luft. Deshalb nach dem Start gleich losfahren. Das schont Umwelt und Bankkonto.

7. Mit Vollgas beschleunigen Klingt zwar widersinning, funktioniert aber bei modernen Einspritzern (gilt nicht fr Automatik und Diesel): Mit Vollgas bis etwa 2000 Umdrehungen beschleunigen spart im Extremfall fnf bis zehn Prozent. Grund: Bei leichtem Gasgeben steht die Drosselklappe ungnstig im Ansaugtrakt, verbrauchssteigernde Wirbel entstehen, bei Vollgas hingegen steht die Drosselklappe schn schlank im Ansaugtrakt. Tips fr Automatik und Diesel: wenig Gas geben, bei Turbos vollen Ladedruck meiden.

8. Frher schalten Denn hohe Drehzahlen bedeuten immer auch hohen Verbrauch. Wer dagegen brav im Drehzahlkeller fhrt, spart Kraftstoff fr viele Kilometer. Beispiel: Ein Ford Focus 1.8 braucht bei 50 km/h im fnften Gang nur vier statt 8,7 l/100 km im zweiten.

9. Ruhig mal rollenlassen Sparen beginnt im Kopf. Also nicht wie ein Rowdy hektisch an die Ampel rasen, dann voll bremsen. Statt dessen rechtzeitig den Fu vom Gas nehmen und entspannt rollen lassen. Wichtig: nicht auskuppeln. Grund: Alle modernen Autos haben eine Schubabschaltung, beim Rollen ohne Gas bei eingelegtem Gang betrgt der Verbrauch 0,0 Liter.

10. Strom sparen Komfort kostet. Denn fr den Strom sorgt die Lichtmaschine, und die wird vom Motor angetrieben. Sind viele Verbraucher eingeschaltet, verbraucht sie bis zu zwei Liter mehr Kraftstoff. Einzelbeispiele: Klimaanlage bis 0,7 l/100 km Nebelscheinwerfer bis 0,3 l/100 km Radio bis 0,2 l/100 km.

11. Bei Stillstand Motor aus Ein Motor, der im Stand luft, bewegt nichts und verpestet nur die Luft. Deshalb nach etwa 15 Sekunden ausstellen. Wer sich konsequent daran hlt, spart im Stadtverkehr bis zu einem Liter.

12. Normal statt Super Viele moderne Motoren besitzen einen Klopfsensor. Der erkennt die Spritqualitt, stellt den Motor darauf ein. In der Praxis bedeutet das: Manchmal reicht auch Normal statt Super, vor allem, wenn man berwiegend in der Stadt unterwegs ist. Wichtig vor dem Umstieg: Schauen Sie zuerst in die Bedienungsanleitung.

Autoren: Dierk Mller, Henning Klipp, Diether Rodatz

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen gnstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung