Thomas Raffeiner, Chef von "The Mobility House", Hauke Schrieber, Renault Zoe

E-Mobilität: Thomas Raffeiner im Interview

— 09.12.2013

"City-Maut wird kommen"

Thomas Raffeiner, Chef des Elektromobilitäts-Dienstleisters "The Mobility House", sprach mit autobild.de über die Zukunft des E-Autos, kostenlosen Strom und die City-Maut.

autobild.de: Herr Raffeiner, Sie sind Chef eines Elektromobilitäts-Dienstleisters. Womit verdient Ihre Firma The Mobility House Geld? Raffeiner: Wir bringen Autohersteller und die dafür notwendige Energieversorgung zusammen. Fahrzeuge und Energie – bisher getrennte Welten, die jetzt aufeinander treffen. Wenn Sie einen Renault Zoe, einen BMW i3 oder ein Tesla Model S kaufen, können Sie beim Händler oder direkt bei ElectroDrive Europe ein Energiepaket dazu bestellen. The Mobility House arbeitet dabei in 15 Ländern mit elf Autoherstellern zusammen.

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Für Thomas Raffeiner, Chef von "The Mobility House", ist kostenloser Strom für E-Autos in Zukunft denkbar.

Und worum geht es bei dem Energiepaket? Wir bieten Produkte und Dienstleistungen direkt oder über den Automobilhersteller an, um E-Mobilität für Endkunden einfacher zugänglich zu machen. Neben dem Auto etwa die passende Ladeinfrastruktur für daheim oder zukünftig damit verbundene Energy Services. Können das die Autohersteller nicht selbst? Was Entwicklung, Produktion und Verkauf von Fahrzeugen angeht schon. Aber man hat hier auch sehr schnell verstanden und gelernt, dass es aus Kundensicht mehr braucht als nur das Auto – etwa Zugang zur Ladeinfrastruktur und das Bewirtschaften der Batterie, um die Technologie wettbewerbsfähig und für die Kunden attraktiv zu machen. Als 2010 und 2011 die ersten Leaf kamen, fragte uns Nissan, ob wir für ihre Kunden solche Dienstleistungen anbieten können. Mit Strom aus Wind oder Wasser. Dafür haben wir anfangs Kooperationen mit verschiedenen Stadtwerken in Österreich, Deutschland und der Schweiz aufgebaut. Auch erste Automobilhersteller wie BMW haben in der Zeit Partner gesucht. Seit dem 16. November 2013 sind erste Erfolge im Markt sichtbar. Mit BMW läuft der Rollout von 360° ELECTRIC für verschiedene europäische Länder jetzt gerade an. Wir sind überzeugt, dass dieser Ansatz Erfolg haben wird.

BMW i3 vs Nissan Leaf und Renault Zoe

Was können Sie den Herstellern noch bieten? Stichwort Bewirtschaftung der Batterie: Wir können für die Autobauer die Kosten für die Batterien senken. Man muss die Akkus besser nutzen. Fahrer von Elektroautos werden einen Vorteil haben, wenn Sie "Vehicle2Grid" machen – also ihr E-Auto vernünftig ans Netz bringen. Wie das? Kostenvorteile und die Nachfrage nach dezentraler Energie seitens des Verbrauchers werden hier Treiber sein. Es geht vor allem um das Speichern von Energie. Die Zeit, in denen das Auto steht, nutzen wir, um damit etwas anderes zu machen. Wenn an einem Tag mit viel Wind und Sonne zu viel Energie im Netz ist, bekommt der Kunden den Strom nicht nur umsonst, sondern kriegt sogar noch etwas gut geschrieben. Es könnte sogar so sein, dass er das Auto mit lebenslang kostenlosem Strom kauft. Da wird es Pakete geben wie "Home only" oder "überall laden". 2014 wird es zu solchen Produkten die ersten Vorstellungen geben.

Nissan Leaf (2013): Zweite Generation

Nissan Leaf 2013 Nissan Leaf 2013 Nissan Leaf 2013

Raffeiner rechnet mit der City-Maut und einer Ausnahme für E-Autos. Auch privilegierte Parkzonen sollten als Anreize gesetzt werden.

Überall laden ist leichter gesagt als getan… Weil überwiegend zu Hause oder am Arbeitsplatz geladen wird. Die Ladeinfrastruktur wird an öffentlichen Plätzen wie Bahnhöfen und Flughäfen weiter ausgebaut. Deswegen kooperieren wir auch mit Parkraumbetreibern. Nehmen sie München oder Köln hier werden Parkplätze für E-Fahrzeuge rege genutzt. Oder Monaco: Die ersten Stockwerke eines Parkhauses sind "electric only". Da müssen wir hin. Was macht Sie so zuversichtlich, dass sich die E-Mobilität durchsetzen wird? Als Elektroingenieur weiß ich: Die Technologie ist vergleichsweise simpel und viel effizienter. Schauen Sie sich dagegen die Komplexität eines modernen Verbrennungsmotors an. Die Technologie des elektrischen Antriebes wird am Ende nicht zu schlagen sein. Bereits in naher Zukunft werden die Gesamtbetriebskosten zugunsten von Elektroautos und Hybridfahrzeuge kippen.

Fahrbericht: Renault Twizy Sport F1

Renault Twizy Sport F1 Renault Twizy Sport F1 Renault Twizy Sport F1
Sie sagen, 2020 haben wir eine ganz neue Welt. Wie wird die aussehen? Nicht autofrei. Das Mobilitätsbedürfnis wird steigen und anspruchsvoller werden. Das geht in dem herkömmlichen System nicht. Die Innenstädte werden nicht mehr vollgeparkt sein. Die City-Maut wird Stück für Stück kommen. Parkraum wird teurer. Die Barriere, mit dem Auto in die Innenstadt zu fahren, wird nach und nach höher. Sogar Ex-Opel-Chef Carl-Peter Forster unterstützt Sie. Wie kam das? Wir haben uns getroffen und ihm von unserer Idee erzählt. Am nächsten Tag haben wir uns noch einmal getroffen und er meinte: "Ihr habt Recht. Wenn es kommt, dann so." Inzwischen ist Forster bei uns Investor und sitzt im Aufsichtsrat. Er ist der beste Partner, um mir die richtigen, kritischen Fragen zu stellen. Durch seine Person ist unsere Akzeptanz in der Automobilwelt eine ganz andere geworden.

Autor: Hauke Schrieber

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