Fahrbericht Kreidler F-Kart 100

Kreidler F-Kart 100 Kreidler F-Kart 100

Fahrbericht Kreidler F-Kart 100

— 13.04.2005

"Hey, ich bin ein Auto"

Kein Witz, dieser Kart ist für den Straßenverkehr zugelassen – und darf mit seinen acht PS sogar auf die Autobahn.

Aus der Quad-Klasse wurde die Kart-Klasse

Andre Fuchs ist 42 Jahre alt, fast zwei Meter groß und doch ein kleiner Junge. Im Herzen zumindest. Denn "alles, was fährt, fliegt und Krach macht, fesselt mich". So betrachtet, macht der gelernte Zweiradmechaniker genau den richtigen Job: bei einer Firma mit dem vor allem bei Älteren bedeutungsschweren Namen Kreidler. Hier, beim ehemaligen Motorradhersteller, ist er für die Entwickung und Zulassung aller "denk- und undenkbaren" Kleinfahrzeuge zuständig.

Völlig undenkbar war nach deutschem Recht bis vor kurzem auch sein jüngster Streich, der "F-Kart 100", ein waschechter Kart mit Straßenzulassung: 112 Kilogramm schwer, Rohrrahmen, Schalensitz, angetrieben von knapp acht PS aus einem kernig vibrierenden Zweitakter. Keine Karosse, kein Gurt, keine Federung. Mit Glück und Flachmachen Tempo 80, undenkbar eben. Aber dann kam Europa.

"Um 2001 trat eine EU-Richtlinie in Kraft, die auch bei uns vierrädrige Kleinstfahrzeuge zuließ: die Quad-Klasse", schmunzelt der Hobby-Rennfahrer lausbübisch, "war für mich sofort die Kart-Klasse." Und so versah der schlaue Fuchs, dem neuen Gesetz treu folgend, einen handelsüblichen Kart mit Beleuchtung, Rückspiegeln und größeren Reifen, installierte eine Handbremse und polsterte die Sitzschale.

Immer Auge in Auge mit anderen Kotflügeln

Dann fuhr er zum TÜV: "Guten Tag, das ist ein Auto!" "Die haben sich erst mal auf die Schenkel geschlagen." Stellten aber nach genauer Gesetzeslektüre verwundert fest: müßte klappen. Es folgten Dutzende von Tests, etliche Nachrüstungen und stundenlange Diskussionen. Ganze zwei Jahre dauerte der Ritt durch die Amtsstuben. Nun ist er der erste echte Kart mit Nummernschild – weniger Auto geht nicht.

Erlaubt übrigens auch für Autobahnen, und (noch) ohne Helmpflicht. Aber das vergessen wir mal lieber gleich wieder. Denn auch mit Helm wird schon Nahverkehr zum wahnwitzigen Unterfangen. Dagegen wirkt selbst eine Ausfahrt im Ferrari so aufregend wie Bingo im Altenheim. Mit der Nasenspitze auf Kotflügelhöhe des übrigen Verkehrs, flößen auf den ersten Metern selbst Smarts gehörig Respekt ein. Und die Begegnung mit einem 40-Tonner erschließt unentdeckte Adrenalin-Vorkommen.

Doch die Angst wird schnell zu wohligem Kribbeln, der rauhe Zweitakter im Rücken zur anregenden Vollgasmassage – Wellness für Waghalsige. Fahrkomfort? Fehlanzeige. Selbst Querfugen verprügeln den Fahrer, sauber abgesenkte Kantsteine rauben die Sinne.

Hingucker mit gigantischer Straßenlage

Dafür ist die Straßenlage gigantisch: Wie auf der Kartbahn verbeißt sich der F-Kart in den Asphalt, erlaubt atemberaubendes Kurventempo. Das macht süchtig, und so ertappt man sich ständig dabei, Fahrbahnmarkierungen zu ignorieren und Abbiegungen auf der Ideallinie zu durcheilen. Mit einer Lenkung, die so direkt ist, daß der bloße Gedanke an einen Richtungswechsel den Kreidler-Kart Haken schlagen läßt.

Als Hingucker jedenfalls ist der Winzling ein Riese. Passanten reagieren ungefragt und vor allem heftig. Von "Selbstmordmaschine" bis "geniales Spaßgerät" reichen die Meinungen. 150 F-Kart hat Fuchs bereits verkauft – "weit mehr als gedacht", sagt er. Und freut sich wie ein kleiner Junge.

Technische Daten Einzylinder-Zweitakter, luftgekühlt • Hubraum 100 cm³ • Leistung 5,8 kW (7,9 PS) • max. Drehmoment 8,5 Nm bei 4500/min • Heckantrieb, je einen Vorwärts- und Rückwärtsgang • Fliehkraftkupplung • Variomatik-Getriebe • Trommelbremsen rundum • Tankinhalt 4,4 Liter • L/B/H: 2080/1120/710 mm • Reifen 15x6-6 • Leergewicht 112 kg • Spitze 75 km/h • 0–50 km/h in 7 s • Verbrauch zirka 5,4 Liter Normal • Preis 3499 Euro

Autor: Henrik Fels

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