Lotus-Puristen, ihr müsst jetzt sehr stark sein. Nach elektrischen Fensterhebern und Klimaanlage ist im neuen Evora der Teufel persönlich an Bord. Er heißt: Servolenkung. Kein Grund, die Briten gleich zur Hölle zu wünschen. Denn als reisetauglicher 2+2-Sitzer gehört der Evora in die Ahnenreihe der Elan+2, Elite, Eclat bis zum glücklosen Excel. Immerhin sind 20 Prozent aller je gebauten Lotus 2+2-Sitzer. Optisch ist der Evora ein hinreißender Sportwagen. Lotus-typisch fehlt ihm jeder Anflug von Aggression, sehr schnell und sportlich wirkt er trotzdem. Aufbauend auf einem neuen, nur 206+ Kilo leichten und extrem verwindungssteifen Chassis, bietet der Engländer den vorn Sitzenden viel Platz – ohne Tuchfühlung zum Beifahrer. Ein- und Ausstieg fallen dank der breiteren Türen leichter als in der Elise, die Vordersitze sind 65 Millimeter höher. Selbst der Kofferraum verdient mit 160 Liter Volumen seinen Namen. Doch ist das noch ein Lotus? Aber sicher! Die hervorragenden Recaro-Schalensitze sind leicht gepolstert, statt extremen Purismus zeigt das Cockpit sehr schöne Metalltasten und ansprechend vernähtes Leder. Das ist der erwachsene Lotus unter den begehrten Spielzeugen. Zwar ist auch der Evora ein sehr straffes Teil und weckt sofort den Sportgeist im Fahrer, bietet aber akzeptablen Restkomfort und neigt auch bei üblen Pisten nicht zum Poltern oder Klappern.

Ist das noch ein Lotus ? Sicher, nur erwachsener

Lotus Evora 2+2
Bild: Werk
Das gut abgestimmte Fahrwerk mit Eibach-Federn und Bilstein-Dämpfern ist rennstreckentauglich, aber nicht so knochentrocken, wie man es von anderen Lotus kennt. Das Beste: Er fühlt sich an, wie sich ein Lotus anfühlen muss – extrem leicht auf der Vorderachse (Gewichtsverteilung vorn/hinten: 39/61 Prozent), sehr gute Traktion und neutrales Fahrverhalten. Selbst der Teufel zeigt seine guten Seiten: Die Servolenkung arbeitet feinfühlig und gleichmäßiger als die servolose Lenkung der Elise. Der 3,5-Liter-V6 (280 PS) hat keine Mühe mit den 1382 Kilogramm, sein Sound macht bei hohen Drehzahlen richtig an. Die Fahrleistungen sind entsprechend vergnüglich: 0–100 km/h in 5,1 Sekunden, 261 km/h Spitze. Wie bei Lotus üblich, liegt der Schalthebel nah am Lenkrad, die Distanz lässt sich mit ausgestrecktem Daumen und Zeigefinger überbrücken. Schnelles Schalten ist deshalb auch viel leichter als langsames Fahren. Dafür braucht’s schon einen sehr gefestigten Charakter. Die zweite Zwei steht beim Evora übrigens höchstens für Notsitze. Erwachsene werden auf denen nicht froh. Doch bald kommt er auch als 2+0-Version mit großer Gepäckablage, eventuell sogar mit Automatikgetriebe. Da müssen die Fans dann wieder ganz stark sein.

Fazit

Der Evora ist schlicht das alltagstauglichste Modell, das Lotus je gebaut hat. Womit es noch lange kein softer Cruiser ist. Die Sportlichkeit wird bei Lotus zum Glück nicht verwässert. So rückt der Engländer dem Porsche Cayman näher – mit dem Bonus zusätzlicher Exotik und Exklusivität.