Fahrbericht Roadster Rudolph Spyder
Rudolph, das Renntier

Der Rudolph Spyder ist ein wahrer Exot. Gebaut wird der schmucke Roadster von einem kleinen Zwei-Mann-Betrieb in der Eifel. Unter der Haube steckt Technik von VW. Jahresproduktion: fünf Stück.
- Alex Cohrs
Wahrscheinlich haben die uns einfach vergessen. Seit fünf Minuten stehen wir jetzt schon vor einem Flachdachbau im Gewerbegebiet von 53894 Mechernich-Obergartzem. Durch die Fensterscheiben ist kein Mensch zu sehen, zumindest nicht im Büro. Vermutlich ist der Chef gerade zu Tisch – und hat seine Verwaltungsleute gleich mitgenommen. Dann endlich öffnet ein Mechaniker die Tür. Er trägt einen Blaumann und einen grünen Pullover, alte Turnschuhe und eine etwas wirre Frisur. Der Mann scheint direkt von der Werkbank zu kommen. "Herzlich willkommen", sagt er und streckt seine rechte Hand aus, "ich bin Ralf Rudolph."
Die Firma Rudolph ist ein Zwei-Mann-Betrieb

Bild: Sven Krieger
Es ist ein Zwei-Mann-Betrieb. In diesem kleinen Unternehmen am Rande der Eifel entsteht der Rudolph Spyder. Ein Roadster reinster Lehre ohne Schnickschnack wie Sitzheizung, elektrisch verstellbare Außenspiegel oder ein elektrisches Verdeck. Der Wagen erinnert ein bisschen an den Porsche 550 Spyder, das James-Dean-Auto, und es ist ähnlich selten: Die Jahresproduktion liegt bei fünf Stück. Wiesmann, Morgan oder Gumpert sind dagegen fast Stangenware.
Die Grundversion kostet 37.000 Euro – nach oben gibt's fast keine Grenzen

Bild: Sven Krieger
Das Fahrgefühl im Spyder S: sehr ehrlich, sehr direkt. Die Sportsitze halten einen eng umschlungen, während der direkt dahintersitzende Motor Schub gibt – und mit den 850 Kilo leichtes Spiel hat. Je nach Motorisierung und Übersetzung braucht der Spyder ab 5,5 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h, die Spitzengeschwindigkeit liegt bei rund 240 km/h. "Technikbegeisterte Individualisten" sieht Ralf Rudolph als Zielgruppe für den Wagen, vielleicht mit dem Hang zum Understatement. "Sie können heutzutage einfach nicht mit einem Audi R8 zum Kunden fahren – mit unserem Auto aber schon." Zwölf Monate Lieferzeit hat der Spyder S im Moment, aber vielleicht lohnt sich sogar noch längeres Warten: Eine Elektro-Variante mit bis zu 300 Kilometer Reichweite ist gerade in Arbeit, der Verkauf soll 2010 starten. Wir haben ausgemacht: Wenn das Auto fertig ist, kommen wir wieder. Und dann warten wir nicht wieder vor dem Büro – sondern steuern lieber gleich die Werkstatt an.
Fazit
Das alte Dilemma vieler Kleinserien ist: So spannend die Autos anzuschauen sind, so mies sind sie oftmals verarbeitet. Beim Rudolph Spyder ist das anders. Hier scheinen sich Individualität und Qualität tatsächlich zu vertragen, der Wagen wirkt hochwertig – und macht riesig Spaß. Jetzt bin ich auf die Elektro-Variante gespannt!
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