Fahrbericht Roadster Rudolph Spyder

Fahrbericht Roadster Rudolph Spyder

— 30.06.2009

Rudolph, das Renntier

Der Rudolph Spyder ist ein wahrer Exot. Gebaut wird der schmucke Roadster von einem kleinen Zwei-Mann-Betrieb in der Eifel. Unter der Haube steckt Technik von VW. Jahresproduktion: fünf Stück.

Wahrscheinlich haben die uns einfach vergessen. Seit fünf Minuten stehen wir jetzt schon vor einem Flachdachbau im Gewerbegebiet von 53894 Mechernich-Obergartzem. Durch die Fensterscheiben ist kein Mensch zu sehen, zumindest nicht im Büro. Vermutlich ist der Chef gerade zu Tisch – und hat seine Verwaltungsleute gleich mitgenommen. Dann endlich öffnet ein Mechaniker die Tür. Er trägt einen Blaumann und einen grünen Pullover, alte Turnschuhe und eine etwas wirre Frisur. Der Mann scheint direkt von der Werkbank zu kommen. "Herzlich willkommen", sagt er und streckt seine rechte Hand aus, "ich bin Ralf Rudolph."

Die Firma Rudolph ist ein Zwei-Mann-Betrieb

Vor der Hinterachse sitzt ein 1,8-Liter-Turbo aus dem VW-Regal. Auch stärkere Motorisierungen sind möglich.

Jetzt erst kapiere ich: Der Mann im Blaumann ist kein Mechaniker. Es ist der Chef. "So sehen mich auch meine Kunden – in Arbeitskleidung", sagt der Geschäftsführer der Rudolph Perfect Roadster GmbH, "wenn ich mich im Anzug ins Büro setzen würde, müsste mein Partner allein arbeiten."
Es ist ein Zwei-Mann-Betrieb. In diesem kleinen Unternehmen am Rande der Eifel entsteht der Rudolph Spyder. Ein Roadster reinster Lehre ohne Schnickschnack wie Sitzheizung, elektrisch verstellbare Außenspiegel oder ein elektrisches Verdeck. Der Wagen erinnert ein bisschen an den Porsche 550 Spyder, das James-Dean-Auto, und es ist ähnlich selten: Die Jahresproduktion liegt bei fünf Stück. Wiesmann, Morgan oder Gumpert sind dagegen fast Stangenware.

Die Grundversion kostet 37.000 Euro – nach oben gibt's fast keine Grenzen

Das dreiteilige Targadach kann auch im Kofferraum verstaut werden. Ein Stoffverdeck ist ebenfalls erhältlich.

Die Firmengeschichte beginnt Anfang der 90er-Jahre: Ralf Rudolph fertigt Kunststoff-Kotflügel für Oldtimer, bietet kurz darauf für den Karmann-Ghia auch weitere Karosserieteile an. 1992 stellt er einen kompletten Nachbau des Coupés auf Käfer-Basis vor. Die Replik verkauft sich rund 180 mal. Doch Rudolph träumt von einem höherwertigen und leistungsfähigeren Auto, baut ein eigenes Chassis und kombiniert es mit Audi-Technik. Jegliches Käferteil wird aus dem Auto verbannt, sogar die Fensterkurbel. "Die Zeiten sind vorbei!", sagt Rudolph, "die Leute wollen das nicht mehr." Heraus kommt am Ende der Rudolph Spyder sowie etwas später der verlängerte und verbreiterte Rudolph Spyder S für größere Fahrer. 37.000 Euro kostet die Grundversion mit einem 150 PS starken 1,8-Liter-Turbomotor aus dem VW-Regal, aber nach oben sind (fast) keine Grenzen gesetzt: "Ein Kunde hat eine Variante mit 300 PS", sagt Rudolph, "ein anderer hat einen Spyder mit Porsche-Leder und -Rädern bestellt." Das machte dann etwa 42.000 Euro.

Das Fahrgefühl im Spyder S: sehr ehrlich, sehr direkt. Die Sportsitze halten einen eng umschlungen, während der direkt dahintersitzende Motor Schub gibt – und mit den 850 Kilo leichtes Spiel hat. Je nach Motorisierung und Übersetzung braucht der Spyder ab 5,5 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h, die Spitzengeschwindigkeit liegt bei rund 240 km/h. "Technikbegeisterte Individualisten" sieht Ralf Rudolph als Zielgruppe für den Wagen, vielleicht mit dem Hang zum Understatement. "Sie können heutzutage einfach nicht mit einem Audi R8 zum Kunden fahren – mit unserem Auto aber schon." Zwölf Monate Lieferzeit hat der Spyder S im Moment, aber vielleicht lohnt sich sogar noch längeres Warten: Eine Elektro-Variante mit bis zu 300 Kilometer Reichweite ist gerade in Arbeit, der Verkauf soll 2010 starten. Wir haben ausgemacht: Wenn das Auto fertig ist, kommen wir wieder. Und dann warten wir nicht wieder vor dem Büro – sondern steuern lieber gleich die Werkstatt an.
Technische Daten
Motor Vierzylinder, Turbo, längs vor der Hinterachse
Ventile fünf pro Zylinder
Hubraum 1781 cm³
kW (PS) bei U/min 110 (150) bei 5800
max. Drehmoment bei U/min 210 bei 5800
Antrieb Hinterrad
Getriebe 5-Gang
Bremsanlage Scheiben, vorne innenbelüftet
Reifen 215/45 ZR 17 vorn, 225/45 R17 hinten
Länge/Breite/Höhe 3820/1600/1080 mm
Leergewicht 850 kg
Verbrauch 8,5 l Super/100 km
Preis 37.000 Euro
Alex Cohrs

Alex Cohrs

Fazit

Das alte Dilemma vieler Kleinserien ist: So spannend die Autos anzuschauen sind, so mies sind sie oftmals verarbeitet. Beim Rudolph Spyder ist das anders. Hier scheinen sich Individualität und Qualität tatsächlich zu vertragen, der Wagen wirkt hochwertig – und macht riesig Spaß. Jetzt bin ich auf die Elektro-Variante gespannt!

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