Fahrbericht Seat Altea FR

Seat Altea FR Seat Altea FR

Fahrbericht Seat Altea FR

— 18.01.2006

Aus dem Schatten ins Licht

Mit "Formula Racing" will Seat den knuffigen, kompakten Altea von einer Randfigur zum Hauptdarsteller befördern. AUTO BILD SPORTSCARS ist den FR gefahren, Entwickler Fermin Soneira Santos erklärt in einem Interview die Kunst der perfekten Abstimmung.

Genug Dampf für ein Aha-Erlebnis

Mercedes und BMW genügen jeweils eine Tuning-Linie – AMG und M. Audi legt mit S- und RS-Reihe einen drauf – und gönnt auch Tochter Seat die zwei Sport-Gleise. Neben dem etablierten Cupra-Label existiert seit 2004 die FR-Line. FR steht für Formula Racing. Ganz schön hochgegriffen: Das knallige Rot des Altea FR konkurriert zwar mit Rennwagen aus Maranello – die Motorisierung jedoch erinnert eher an eine Vernunftlösung als an eine Rennstrecke.

Aber genau das ist Sinn der Sache: Peilt Seat mit dem FR-Werkstuning doch eine Klientel an, die auf Alltagstauglichkeit und gutes Preis-Leistungs-Verhältnis Wert legt – also Fahrer, denen die Cupra zu kompromißlos sind. Mit seinem 170 Diesel-PS reißt der Altea zwar nicht die Straße auf, hat aber doch genug Dampf, um unvorbereiteten Passagieren ein Aha-Erlebnis zu bescheren. Als Basis-Aggregat dient der 140 PS starke Zweiliter-TDI-Motor, der markenübergeifend im Volkswagen-Konzern Verwendung findet.

Dem hat Seat eine Power-Spritze verabreicht, die der Maschine 30 PS mehr entlockt. Auch die 350 Newtonmeter Drehmoment (statt ursprünglich 320) sind nicht zu verachten. Die veränderte Geometrie des Turboladers und die leistungsfähigere Einspritzanlage verantworten den Performancesprung. Lediglich das nervöse Leerlaufruckeln stört. Der serienmäßige Partikelfilter entschädigt dafür nicht ganz.

Technische Daten, Fahrleistungen und Preis

8,6 Sekunden verspricht Seat für den Sprint auf 100 km/h. Ein gewöhnlicher Altea 2.0 TDI benötigt 9,4 Sekunden. Und ist mit Maximaltempo 201 sieben km/h langsamer. Auch die Agilität des Spaniers überzeugt. Für Van-Verhältnisse liegt der Altea FR fabelhaft auf der Straße. Selbst in schnell gefahrenen Kurven geht der immer noch recht hochbeinige Seat nicht übermäßig in die Knie. Sportliche Gemüter sollten auf der Rundstrecke allerdings das ESP deaktivieren. Andernfalls legt sich die Elektronik kräftig ins Zeug und bremst das Auto früh ein.

Bei der Gestaltung der Außenhülle haben die Designer offensichtlich vor dem Rotstift kapituliert. Die eleganten 17-Zöller dürften einen Zoll größer ausfallen. Und der kümmerliche Auspuff sieht eher nach Spar- als nach Spaßmobil aus. Dafür durften die Innenraumgestalter klotzen: Die tollen Sportsitze und das perfekt ausgeformte Sportlenkrad liegen auf Golf-GTI-Niveau. Auf den Altea FR folgt Mitte 2006 übrigens der Leon FR – mit 200 TFSI-PS. Und beglücken uns die Spanier 2007 mit einer dritten Tuninglinie? Bei der Hauspolitik gar nicht mal so unwahrscheinlich.

Technische Daten: R4, vorn quer • Turbodiesel mit Ladeluftkühler • vier Ventile je Zylinder • Hubraum 1968 cm³ • Leistung 125 kW (170 PS) bei 4200/min • max. Drehmoment 350 Nm bei 1800/min • Vorderradantrieb • 6-Gang manuell • McPherson- Einzelradaufhängung vorn, Mehrlenkerachse hinten • Scheibenbremsen, vorn innenbelüftet • Reifen 225/45 R 17 • Räder 7 x17 Zoll • Leergewicht 1446 kg • Beschleunigung 0–100 km/h in 8,6 s • Höchstgeschwindigkeit 208 km/h • Preis: circa 25.500 Euro

Entwickler Soneira Santos im Interview

AUTO BILD SPORTSCARS: Inwiefern unterscheidet sich die Auslegung der Sportmodelle FR und Cupra von den normalen Seat-Modellen? Soneira Santos: Bereits die normalen Modelle sind straff ausgelegt – Sportlichkeit hat bei uns unabhängig von der Baureihe Vorrang. Bei FR und Cupra treiben wir diese Philosophie auf die Spitze: Die Autos müssen direkt und unmittelbar reagieren. Hierfür reduzieren wir die Lenkungsunterstützung, modifizieren die Federn und Dämpfer und senken das Fahrzeug geringfügig ab. Darüber hinaus kommen größer dimensionierte Bremsanlagen sowie größere Räder und breitere Reifen zum Einsatz.

Was unterscheidet den FR vom Cupra? An den Cupra stellen wir besondere Ansprüche. Das kompromißlose Topmodell muß das agilste Fahrzeug seiner Klasse sein – kein Mitbewerber darf ihm davonfahren. Deshalb rüsten wir sämtliche Cupra-Fahrzeuge unter anderem mit speziellen Gummi-Metall-Lagern aus.

Welche Tricks wenden Sie beim Altea FR an? Dieselfahrzeuge sind eine knifflige Angelegenheit. Aufgrund ihres schweren Motors leiden sie unter einer ausgeprägten Kopflastigkeit. Daraus resultiert lästiges Untersteuern. Um diesen Effekt zu lindern, montieren wir beim Altea FR einen weicheren Stabi an der Vorder- und einen härteren an der Hinterachse. Dadurch erzielen wir eine gutbeherrschbare Übersteuerneigung, das Hinterteil dreht sich bei Lastwechseln hilfreich ein.

Wie steht Seat zu elektronischen Fahrhilfen? Alle FR- und Cupra-Fahrzeuge sind mit ESP ausgestattet. Per Knopfdruck tritt das Assistenzsystem in den Hintergrund und greift nur noch im äußersten Notfall ein. Grundsätzlich gilt: Selbst wenn ESP ausfällt, muß ein Seat beherrschbar bleiben. Wir nutzen die Elektronik nicht als Krücke, um Fahrwerkmängel zu vertuschen.

Autor: Ben Arnold

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