Fahrbericht VW up!

— 05.09.2011

So fährt der VW up!

Der neue VW up! spukt schon seit Monaten herum, jetzt können wir endlich einsteigen und Gas geben. Was kann das Stadtauto? Und welche der vielen Versprechen löst der Winzling wirklich ein?



Der Kleinste von VW hat – bevor wir ihn exklusiv fahren konnten – schon reichlich bekommen: Vorberichte, Vorfreude, sogar Vorschusslorbeer als großer Hoffnungsträger, als möglicher Volkswagen von morgen. Kann er all das auch rechtfertigen? Mal sehen. Der up! ist auf einen Zentimeter genau so groß, wie es der bis 2005 gebaute Lupo war: 3,54 Meter lang und 1,64 Meter breit. Kein Fortschritt? Das ist ja gerade der Fortschritt, dass der Neue nicht größer geworden ist. Und dass VW seinen Fehler einsieht und endlich wieder einen Kleinstwagen baut. Auf den ersten Blick erscheint der up! mit seinem senkrechten Heck und den steilen Seiten wie jeder x-beliebige Aygo, Panda oder Spark – auf dem Raum einer Singleküche kann auch Walter de Silva das Auto nicht neu erfinden.

Überblick: Alle News und Tests zum VW up!

Video: VW up!

So fährt der VW up!

Bis mit der Zeit auffällt, dass Wolfsburgs Designchef doch etwas VW-Ruhe in diesen Winzling zaubert: breiter Stand, reduzierte Linien und das vertraute Mäulchen-Grinsen schlagen die optische Brücke zum größeren Polo. Innen geht es jedoch zunächst einmal up!-wärts. Schalter und Hebel erinnern noch an die bekannte VW-Welt, doch fehlt dem Mager-Auto so manches, was bei dieser Marke sonst selbstverständlich erscheint: Das Lenkrad ist nicht längs verstellbar, die Sitzlehne nur per Ratsche zu neigen statt stufenlos am Drehrad. Trotzdem sitzen Große zumindest vorn anständig, es passt auf den neuen, breiten Sitzen. Hinten weniger, da bekommen die Knie (der up! ist nur Viersitzer) einen schmerzhaften Eindruck davon, was Sparklasse bedeutet – es wird auch beim Platz geknausert. Bei der Ausstattung sowieso.

Überblick: Alle News und Tests zu Volkswagen

VW Up

Charakteristischer Look: Den VW up! erkennt man an seiner schwarzen Heckklappe.

Das Programm reicht vom Nacktfrosch für rund 9500 Euro (ohne Handschuhfach, Radio, elektrische Fensterheber, elektrisch verstellbare Spiegel, nur 60 PS stark) bis zum von uns gefahrenen "up! White". Mit Chromrähmchen, schicker weißer Cockpitblende, Radio, Klimaanlage, hübschen Stoffen und 16-Zoll-Rädern kommt das Einführungsmodell auf über 13.500 Euro. Eine Summe, bei der viele Kleinwagenkäufer längst aussteigen oder sich zwei Klassen höher umschauen, auf der Reste-Rampe bei den Kompakten. Nein, der up! White soll modebewusste Umsteiger ködern, denen der Smart nicht mehr hip genug erscheint. Ob diese Edel-Kundschaft mit dem angeblichen Manko eines Dreizylinders leben kann? Sollte sie, denn der neue Benziner (mit 60 oder 75 PS) gehört zu den angenehmen Überraschungen. Der stärkere Einliter-Motor spricht ohne den bei dieser Bauart verbreiteten Schluckauf an, dreht flott hoch und klingt nur selten nach Verzicht. Es ist dieser unerwartete Geräuschkomfort, mit dem sich der up! ins Wohlfühl-Zentrum einschmeichelt.

Während mancher Konkurrent Lärm und Vibrationen kaum besser dämmt als die Trennwand im Großraumbüro, hält der VW die Welt ab. Der Motor bleibt akustisch draußen, die bösen Kanaldeckel auch. Dazu kommt eine Federung, die Schläge und Wellen eher sanft abreitet, als sie kernig weiterzureichen.  Die Zeiten, als man gegen den Lärm in den kleinen Kisten das Radio aufdrehte, sind vorbei. Der up! bringt eine neue Qualität in diese Klasse. Nur beim Ausreizen der 75 PS wird es lauter. Auf dem Papier schafft der stärkere der beiden Motoren 171 km/h Spitze, doch auf der Autobahn beschleunigt der Dreizylinder ab Tempo 140 zäh. Liegt es am fehlenden Drehmoment oder den langen Übersetzungssprüngen zwischen viertem und fünftem Gang?

Der Fahrer neigt zum Ausquetschen des Motors, was den Verbrauch an die neun Liter treibt. Ein Langstreckenauto wird der up! nie werden – soll er nicht. Kurvenkünstler auch nicht, mit längeren Federwegen neigt er sich kräftig zur Seite, da greift das ESP lieber früher als später ein. Na und? So ein Stadtauto lebt davon, bewussten Verzicht zu kultivieren. Manches gibt es im up! gar nicht: sechs Gänge, Gurthöhenverstellung, Klimaautomatik oder Regensensor. Stattdessen aber bald fünf Türen (ab 2012 für runde 500 Euro mehr), einen Elektromotor ab 2013 oder eine automatische Notbremse für Stadttempo. Oder einfach das gute Gefühl, dass die Kleinwagen mit dem up! noch mehr gewonnen haben. Das ist doch mal ein Ausrufezeichen wert!

Technische Daten VW up! • Dreizylinder, vorn quer • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 999 cm³ • Leistung 55 kW (75 PS) bei 6200/min • max. Drehmoment 95 Nm bei 3000–4200/min • Vorderradantrieb • Fünfganggetriebe • Tank 35 l • Kofferraumvolumen 251–951 l • Reifen 185/50 R 16 • L/B/H 3540/1641/1478 mm • Gewicht 929 kg • 0–100 km/h 13,2 s • Spitze 171 km/h • Verbrauch 4,7 l/100 km (ECE-Norm) • CO2 111 g/k.
Joachim Staat

Joachim Staat

Fazit

Der up! ist keine Sensation, sondern ein konsequent gebauter Kleinstwagen: Der Späteinsteiger dieser Klasse wirkt solider und komfortabler als die Konkurrenz, das besondere VW-Gefühl lassen sich die Wolfsburger teuer bezahlen. Jedes bisschen Luxus geht ins Geld. Der neue Motor überzeugt, auf die Alltags-Verbräuche bin ich gespannt. Auch VW kann in der umkämpften 10.000-Euro-Liga keine Wunder vollbringen.

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