Fiat 500

Fiat-Abgasskandal: News und Hintergründe

— 13.01.2017

Verdacht des Abgasbetrugs

Die US-Umweltbehörde EPA verdächtigt Fiat Chrysler der Abgasmanipulation bei 100.000 Dieselwagen in den USA. Fiat-Chef Marchionne reagiert gereizt.

Der Dodge RAM mit 3,0-Liter-Dieselmaschine steht im Verdacht, unerlaubt hohe Abgaswerte zu produzieren.

(dpa/brü) Nach Volkswagen ist in den USA ein zweiter großer Autobauer wegen möglichen Abgasbetrugs ins Visier der Behörden geraten. Der italienisch-amerikanische Branchenriese Fiat Chrysler stehe im Verdacht, bei rund 100.000 Dieselwagen die Emissionswerte von Stickoxiden gefälscht zu haben, teilte das US-Umweltamt EPA am Donnerstag (12. Januar) in Washington mit. Es geht um Software zur Abgaskontrolle, die Fiat Chrysler (FCA) den Regulierern nicht offengelegt und so gegen Umweltgesetze verstoßen habe. Fiat Chrysler geht indes davon aus, sich mit der Abgastechnik im legalen Rahmen zu bewegen. Ob es sich bei den beanstandeten Programmen wie bei Volkswagen um illegale Abschalteinrichtungen ("defeat devices") handelt, muss laut EPA allerdings noch ermittelt werden. Betroffen seien etwa 104 000 SUV und Pick-up-Trucks der Typen Jeep Grand Cherokee und Dodge Ram 1500 der Modelljahre 2014 bis 2016 mit 3,0-Liter-Dieselmotoren. Der Hersteller müsse nun belegen, dass er keine verbotene Software einsetze. Laut  EPA würden die betroffenen Fahrzeugen auf dem Prüfstand die Emissionswerte einhalten. Doch würde die Software die Wirksamkeit bei hohen Geschwindigkeiten oder über einen längeren Zeitraum hinweg massiv verringern. Der EPA zufolge könnte eine Strafe von bis zu 44 539 US-Dollar je Auto drohen. Insgesamt wären das rund 4,63 Milliarden Dollar (4,34 Milliarden Euro).

Marchionne: "Wer uns mit VW vergleicht, hat was geraucht"

In einer Stellungnahme kündigte der Konzern an, man wolle nach dem Regierungswechsel in den USA am 20. Januar mit den Behörden kooperieren, um eine rasche Lösung zu erzielen. Man sei enttäuscht über das Vorgehen der EPA. FCA-Konzernchef Sergio Marchionne trat Vergleichen mit VW scharf entgegen. In einem Interview mit italienischen Medien, das die Zeitung "La Repubblica“ veröffentlichte, sagte er: "Wer uns mit dem deutschen Unternehmen vergleicht, hat etwas Illegales geraucht." Der Fall habe nichts mit den Abschalteinrichtungen des deutschen Rivalen gemein.

Verstoß gegen den 'Clean Air Act'"

Die EPA wies jedoch in einer Telefonkonferenz darauf hin, dass Fiat Chrysler bereits gegen das US-Luftreinhaltegesetz "Clean Air Act" verstoßen habe, indem der Hersteller die zweifelhaften Programme bei der Zertifizierung der Autos verschwiegen habe. Allein dies könne schon Bußgelder und Strafen nach sich ziehen. Wie hoch die Abweichungen beim Ausstoß des Schadstoffs Stickoxid durch den Einsatz der nicht offengelegten Software zwischen Testmodus und Normalbetrieb auf der Straße ausfallen, werde noch untersucht. "Wir prüfen die Art und Auswirkungen dieser Einrichtungen weiter", kündigte Cynthia Giles von der kalifornischen Umweltbehörde Carb an. Allerdings ist der Verdacht nicht neu. In Deutschland hatte das Kraftfahrt-Bundesamt 2016 ebenfalls Auffälligkeiten bei der Abgasreinigung von Fiat-Modellen entdeckt.

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