Bilder: Fiat Panda gegen Kia Picanto

Fiat Panda/Kia Picanto: Vergleich

— 09.03.2012

Zweizylinder gegen Vierzylinder

Fiat traut sich wieder etwas und steckt dem neuen Panda einen aufwendigen Downsizing-Turbo-Zweizylinder unter die Haube. Der Kia Picanto kontert mit Konventionellem. Und mit Erfolg.

Mut ist mitunter nichts anderes als Fehleinschtzung von Risiko. Und Mut ist ein Charakterzug der Fabbrica Italiana Automobili Torino, die Autos wie 130 Coup, Multipla, Barchetta, Coup Fiat oder 500 ohne Bedenkentrgerei auf den Markt wirft mit wechselndem Erfolg. Einer der mutigsten und gleichzeitig erfolgreichsten Fiat ist der Panda. Beim Debt vor fast genau 32 Jahren ist er nicht weniger als die Neudefinition des automobilen Minimums. Das maximal nutzwertige Design stammt von Giorgio Giugiaro (der unntzes Wissen, Teil 364 entwirft brigens nicht nur Autos, sondern neben Alltagsgegenstnden auch fr Beretta das Luftgewehr Cx4 Storm). Auf die Frage, wie wenig Auto gengt, hat kaum einer eine cleverere, wenige eine gnstigere und keiner eine unpeinlichere Antwort als Fiat mit dem Panda. Das gilt auch fr die zweite, seit 2003 gebaute Generation.

berblick: Alle News und Tests zum Kia Picanto

Konventioneller Konkurrent: Der Kia Picanto tritt mit klassischem Vierzylinder zum Test an.

Jetzt kommt Nummer drei, grer, edler, sicherer, aber immer unverkennbar und originr ein Panda. Nicht komplett neu, baut er auf der Basis seines weiterhin angebotenen Vorgngers auf. Bei unverndertem Radstand kommen 11,5 Zentimeter mehr Auenlnge vor allem Laderaum und Sicherheit zugute. 5,4 Zentimeter mehr Breite ermglichen es dem Fahrer, nun Distanz zu Tr und Beifahrer zu wahren. Innen hat Fiat den Panda trotz allen Kostendrucks so stilsicher eingerichtet, wie das wohl nur italienischen Designern gelingt. Neben dem etwas berstrapazierten Quadratmotiv zeigt selbst die Narbung des Hartplastiks Liebe zum Detail sie setzt sich aus winzigen Panda-Schriftzgen zusammen. Premium trifft Pragmatik. Und jetzt: Panda trifft Picanto. Der stammt von Kia, einer Firma, die bekanntlich lieber vorsichtig nachzieht, als mutig voranzuschreiten. Innovationsbescheiden verfeinerte der im Mai 2011 erschienene Picanto II das unspektakulre Auftreten des Vorgngers. Innen solide statt feinsinnig eingerichtet und verarbeitet, bleibt der Picanto bei der Bedienung frei von Erklrungsbedarf. Er integriert Pilot und Co tiefer ins Auto, platziert sie ungedrngt auf ordentlichen Sitzen. Dank des ppigeren Radstands gengt auch im Fond das Raumangebot, die schmalen Tren erschweren allerdings den Einstieg. Zudem bleibt auf einer Grundflche von nur 5,73 Quadratmetern kein Platz fr mehr als 200 Liter Standardkofferraum.

berblick: Alle News und Tests zum Fiat Panda

Im Leerlauf rumpelt der Panda-Zweizylinder, in Fahrt will er auf Drehzahl gehalten werden.

25 Liter mehr packt der Panda, dazu lsst sich der Laderaum ber die hoch aufschwingende Klappe leicht beladen. Wie die Passagiere im engen Fond profitieren Fahrer und Beifahrer von der hohen Sitzposition gut fr Einstieg und berblick. Mit hherem Aufbau und der weicheren Dmpfung schunkelt der Panda jedoch durch Kurven, braucht auf Landstraen mehr Platz, bremst zwar energischer, untersteuert aber strker und muss hufiger vom rigiden, optionalen ESP auf Kurs gehalten werden. Prziser und mit weniger Karosseriebewegungen kurvt der straff abgestimmte, leicht unterdmpfte Kia um Biegungen, federt komfortabler als der etwas bockige Panda. Zudem gibt seine elektrische Servolenkung ausreichend Rckmeldung eine Eigenschaft, die der sehr leichtgngigen, unprzisen Fiat-E-Lenkung komplett abgeht. Wo bleiben sie nun, die mutigen Innovationen des Panda? Im Sommer bekommt er optional ein Notbremssystem. Eine andere Innovation sitzt jetzt schon unter der kurzen Motorhaube. Und pttert nach dem Anlassen, als sei das ein oder andere elektrohydraulisch gesteuerte Ventil in einen der beiden Zylinder gefallen.

Im Leerlauf rumpelt der Paralleltwin mit dem groen Einzelzylindervolumen von 437,5 Kubik herb, erst um 2000 Touren beruhigt sich sein Lauf, doch schon bei 5500 Umdrehungen rasselt er in den Begrenzer. Aber dazwischen: Da zwitschert der Turbo mit 1,4 Bar Ladedruck und zerrt den Panda vehement voran. Im Picanto dagegen luft ein Vierzylinder kultiviert und homogen. Er dreht quirlig, fordert erst ber 6000/min die nchste Stufe seines leichtgngig und przise schaltbaren Fnfganggetriebes. Bis auf den schwchlichen Durchzug bietet er hnliches Temperament wie der Panda. Dessen Zweizylinderkonzept soll neben guten Fahrleistungen niedrige Verbrauchswerte erzielen. Was in der Theorie so gut klingt weniger Zylinder, weniger innere Reibung, Kraft von unten dank Aufladung , klappt in der Realitt nur unvollkommen.

Wer sich zwingt, die Schaltempfehlungen des Fiat anzunehmen, und ber den hoch positionierten Hebel sptestens bei 2500/min den nchsthheren Gang einlegt, erzielt tatschlich gnstige Verbrauchswerte. Doch selbst die unterbietet der Kia. Im Test muss der 875er seine Turbokraft hufig bemhen, was den Konsum auf durchschnittlich 6,9 l/100 km hebt einen Liter ber dem Picanto. So erweist sich das teure, unkultivierte, nicht gerade sparsame, aber durchaus charmante Triebwerk als grte Schwche des Panda. Der zhlt weiterhin zu den gelungenen Kleinwagen gerade weil er es sich erlaubt, besonders zu sein. In seiner dritten Generation besonders pragmatisch, dazu besonders sicher und vielleicht ein bisschen bermtig. Doch hier gewinnt der Picanto mit traditionellem Vierzylinder, etwas mehr Platz und sieben Jahren Garantie. Er ist ein vollwertiges, kleines, kluges, konventionelles Auto, dem eigentlich nichts fehlt. Nur Mut.
Fahrzeugdaten Fiat Kia
Motor Zweizylinder, Turbo, vorn quer Vierzylinder, vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/1 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Kette Kette
Hubraum 875 cm³ 1248 cm³
kW (PS) bei 1/min 63 (85)/5500 63 (85)/6000
Nm bei 1/min 145/1900 120/4000
Vmax 177 km/h 171 km/h
Getriebe Fünfgang manuell Fünfgang manuell
Antrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Trommel Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 175/65 R 14 T 175/50 R 15 H
Radgröße 5 x 14" 5,5 x 15"
Abgas CO2 99 g/km 109 g/km
Verbrauch* 5,0/3,8/4,2 l 5,9/3,9/4,7 l
Tankinhalt 37 l/Super 35 l/Super
Vorbeifahrgeräusch 72 dB (A) 72 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 800/400 kg 700/400 kg
Kofferraumvolumen 225–870 l 200–870 l
Preis (wird bewertet) 13.190 Euro** 12.790 Euro
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; **inklusive ESP für 300 Euro
Messwerte Fiat Kia
Beschleunigung
0–50 km/h 3,9 s 3,7 s
0–100 km/h 11,5 s 11,4 s
0–130 km/h 22,0 s 21,5 s
Elastizität
60–100 km/h 10,0 s (4. Gang) 13,7 s (4. Gang)
80– 120 km/h 16,9 s (5. Gang) 21,0 s (5. Gang)
Leergewicht/Zuladung 1060/395 kg 968/402 kg
Gewichtsverteilung v./h. 62/38 % 61/39 %
Wendekreis links/rechts 10,1/10,4 m 10,0/10,2 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 38,5 m 40,7 m
aus 100 km/h warm 38,9 m 40,0 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 59 dB (A) 60 dB (A)
bei 100 km/h 68 dB (A) 68 dB (A)
bei 130 km/h 72 dB (A) 71 dB (A)
Testverbrauch – CO2 6,9 l S – 164 g/km 5,9 l S – 141 g/km
Reichweite 530 km 580 km
Sebastian Renz

Sebastian Renz

Fazit

Ohne Experimente zum Erfolg: Der Kia Picanto punktet sich strebsam nach vorn, schafft sich mit seinem konventionellen, sparsamen Motor, dem fixen Handling und gutem Federungskomfort einen dicken Vorsprung. Der Fiat dagegen ist ein Panda geblieben und einer der erfreulichsten Charakterdarsteller dieser Klasse. Ja, der Motor sollte grundstzlich sparsamer sein und das Fahrverhalten weniger schunkelig. Aber er ist ein Original.

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