Filter-Dauertest

Filter-Dauertest

— 28.11.2003

Nie wieder Ölwechsel?

Hält UNI-Filter das Versprechen? Wir starten zum Dauertest über 90.000 Kilometer.

Was tun gegen teure Ölwechselintervalle?

Raus mit dem Alten, rein mit dem Neuen. Für unsere Väter lohnte fast das Händewaschen nicht – so dicht lagen die Ölwechselintervalle ihrer Autos zusammen. Mittlerweile bewegt sich hier einiges. Hersteller wie Volkswagen versprechen Ölwechselintervalle von bis zu 50.000 Kilometern. Und das, obwohl Öl in modernen Motoren einiges ertragen muss.

Es wird mit hohen Drücken und Temperaturen malträtiert, muss Verbrennungsrückstände und Abrieb aufnehmen und das Ganze in der Schwebe halten. Das Wichtigste aber: Sein dünner Schmierfilm hält die aneinander reibenden Teile jederzeit auf Abstand. Versagt es bei seinem anstrengenden Job, kommt es zu erhöhtem Abrieb oder – noch schlimmer – Klemmern. Im harmloseren Fall steigen Verschleiß, Kraftstoff- und Ölverbrauch.

Kommt es ganz schlimm, droht ein Motorschaden. Weil Hightech-Öl aber teuer ist, bis zu 25 Euro pro Liter, versuchen Techniker den Wechsel des schwarzen Goldes komplett zu umgehen. Ermöglichen sollen dies seit Jahren so genannte Nebenstrom- oder Feinstfilter, wie sie bei einigen Nutzfahrzeugen verwendet werden. AUTO BILD-Stammlesern sind diese Dinger gut bekannt.

Patrone, Booster, Additivzusätze

Denn im September 1989 schickte Chefredakteur Peter Felske eine Flotte umgerüsteter Opel Omega auf einen 60.000-Kilometer-Dauertest. Ergebnis: Am Ende des Marathons war das Öl unbrauchbar. Unsere Empfehlung damals: Die versprochenen 100.000 Kilometer sollten auf keinen Fall ohne Ölwechsel gefahren werden. Einen anderen Weg geht das System von UNI-Filter (Tel. 0 23 81-30 72 12 00, www.uni-filter.de): Hier wird spätestens bei 30.000 Kilometern ein Wechsel der Filterpatrone fällig.

Ein spezieller Booster, das ist ein Spezialöl mit Additiven, ersetzt die beim Filterwechsel entnommenen 0,7 Liter Öl. Grund: Diese Zusätze sollen die Ölalterung verhindern. Grund für uns, zusammen mit dem Auto Club Europa (ACE) den UNI-Filter über 90.000 Kilometer zu testen. Denn sollte dieses System funktionieren, ließe sich Geld und viel Öl sparen.

Erst einmal reißt der Uni-Tec-Filter allerdings ein Loch ins Portemonnaie des Vor der Ersparnis muss kräftig investiert werden Autofahrers. Der Einbausatz kostet 223 Euro. Hinzu kommen, je nach Aufwand, rund 150 Euro Werkstattkosten und 9,50 Euro pro Liter UNI-Öl. Summe für unseren Passat TDI: 415 Euro. Alle 30.000 Kilometer kommen 55 Euro für den Filterwechsel inklusive Booster hinzu. Wann sich der UNI-Filter rechnet, werden wir in unserem Dauertest erfahren. Ein Problem bleibt aber: Kommt es zum Motorschaden mit einem UNI-Filter an Bord, lehnen die Autohersteller Garantieleistungen ab. Da ist Ärger programmiert.

Langzeittest mit Nebenstromfilter

Ende Oktober fiel der Startschuss zum UNI-Filter-Praxistest von AUTO BILD und dem ACE. Auf dem Plan stehen 90.000 Kilometer. Gefahren mit zwei VW Passat 1.9 TDI, 74 kW (100 PS). Nur ein Wagen hat den UNI-Nebenstromfilter, fährt damit ohne Ölwechsel. Das zweite Fahrzeug absolviert die Fahrstrecke als Referenzwagen, bekommt den Ölwechsel nach Intervallanzeige.

Alle 15.000 Kilometer werden aus beiden VW Ölproben entnommen, anschließend vom unabhängigen Labor Wear Check in Brannenburg untersucht. Die Ergebnisse zeigen kleinste Veränderungen der Ölqualität. Im UNI-Filter-Wagen wird jeweils nach 30.000 Kilometern die Filterpatrone gewechselt. Dabei gehen rund 0,7 Liter Öl verloren, die durch einen so genannten Öl-Booster, ein Spezialöl mit hohem Additivanteil, ersetzt werden. Am Testende steht die Auswertung der Messergebnisse.

Herstellerargumente gegen Feinstfilter

Selten erleben wir so viel Einigkeit: Ob VW, BMW oder Opel – alle von uns befragten Hersteller raten vom nachträglichen Einbau des Nebenstromölfilters ab. Gründe: • Fehlende Motorprüfläufe mit dem Feinstfilter; die Automobilhersteller können nicht garantieren, dass in allen Fahrsituationen genügend Öldruck aufgebaut wird und ausreichend Schmierstoff an den Lagern zur Verfügung steht.

Deshalb erlischt die Garantie bei nachträglichem Einbau des Filters. • Partikel im Öl bereiten nur noch selten Probleme. Vielmehr altert das Öl chemisch durch Verbrennungseinflüsse, wird mit der Zeit sauer. • Die Ölwechselintervalle werden ab Werk immer länger, eine weitere Verlängerung ist nicht ratsam. Damit ergibt sich kein weiteres Einsparpotenzial.

Und ob sich der ganze Aufwand lohnt? Wirtschaftlich wohl kaum, selbst teure Werkstattölwechsel kommen unterm Stric nicht so teuer, wie der kostspielige Einbau plus die Nachfüllmengen. Allenfalls die Umwelt dürfte sich freuen, dass kein kompletter Ölwechsel mehr nötig wird – sofern der Motor nicht schlapp macht.

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