Gebrauchtwagen-Check Mini (2001-2006)

Gebrauchtwagen-Check Mini (2001-2006)

— 26.03.2007

Die Macken des Mini

Gebrauchte Mini stehen hoch im Kurs. Das liegt eher am guten Image als an der Technik – denn die zeigt erhebliche Schwächen.

Es ist verdammt schwer, sich einem Auto sachlich und nüchtern zu nähern, wenn dieses geradewegs auf unser Herz zielt. Wie der Mini. Das unter BMW-Regie entwickelte Retro-Wägelchen weckt mit seinem knuffigen Äußeren mehr Emotionen als so mancher Luxusschlitten. Vor allem bei weiblichen Fans. Doch der Mini ist nicht nur ein Frauenheld, sondern begeistert mit seiner direkten Lenkung und dem Gokart-Feeling auch das starke Geschlecht. Die jüngst erfolgte Ablösung hat an der Beliebtheit des mittlerweile zum Kultfahrzeug avancierten Mini nichts geändert. Er gehört nach wie vor zu den begehrtesten Fahrzeugen auf dem Gebrauchtwagenmarkt und besitzt eine hohe Wertstabilität. Die verhilft dem britischen Knubbel auch in diesem Jahr wieder zum Titel "Wertmeister" in der Klasse der Kleinwagen.

Anscheinend haben ihn die Fans so sehr ins Herz geschlossen, dass sie über zahlreiche Macken einfach hinwegsehen. Vor allem dann, wenn BMW die Fehlerbeseitigung kulant übernimmt, wie häufig geschehen. Secondhand-Käufer dürfen bei älteren Fahrzeugen allerdings kaum noch mit diesem Entgegenkommen rechnen. Deshalb ist beim Kauf eines gebrauchten Mini nicht Herzflimmern, sondern nüchterner (Sach-) Verstand gefragt. Denn der kleine Charmeur wartet bisweilen mit unangenehmen Überraschungen auf, die kostspielige Reparaturen zur Folge haben. So häufen sich beispielsweise Getriebeschäden, wie auch unser Dauertest-Mini beweist.

Betroffen sind hauptsächlich die vermutlich unterdimensionierten Fünfgang-Schaltboxen des britischen Zulieferers Midland Gears, die bis August 2004 in den Mini-Modellen One und Cooper verbaut wurden. Seit dem Facelift im September 2004 kommen robuste Getrag-Getriebe zum Einsatz. Dumm nur, dass jene nicht in die zuvor produzierten Mini-Modelle passen. Die Lenkung zählt ebenfalls zu den kostspieligen Schwachpunkten. Deren Mängelspektrum reicht vom Ausfall der Servo-Unterstützung über defekte Lenklager bis hin zu übermäßigem Lenkungsspiel, das oft schon beim ersten TÜV-Besuch beanstandet wird. Bei unserem Dauerläufer versagte darüber hinaus die Klemmvorrichtung der Lenksäulen-Höhenverstellung.

Verarbeitung und Motoren

Ein weitverbreitetes Phänomen sind außerdem die permanenten Knarz- und Klappergeräusche im Innenraum. Diese Verarbeitungsmängel passen ebenso wenig zum Premiumanspruch von BMW wie brechende Sitzgestelle, Spannungsrisse in den Frontscheiben oder wenig haltbare Radlager, Antriebswellen und Kupplungen. Ganz zu schweigen von den Lackproblemen früher Exemplare und dem nicht immer ausreichenden Korrosionsschutz. So findet sich Gammel nicht nur am Auspuff, sondern des Öfteren auch an den Schnittkanten der Bleche, insbesondere am Unterboden. Darüber hinaus sorgen die zahlreichen Steuergeräte für Motor und Komfortfunktionen häufiger für Verdruss. Und schlappe Batterien sind auch beim Mini immer mal wieder Ursache für eine Panne.

In dieser Hinsicht geben die Motoren kaum Grund zur Klage. Die in Brasilien gefertigten Chrysler-Triebwerke sind zwar recht durstige Gesellen und leiden oft unter Ölverlust, gelten aber als standfest. Die zähe Leistungsentfaltung der Saugmotoren passt jedoch ebenso wenig zum knackigen Fahrverhalten wie der zuverlässige 75-PS-Toyota-Diesel. Mehr Freude verheißt ein Cooper S. Der entpuppt sich jedoch bei schneller Fahrt als hemmungsloser Säufer.

Unter dem attraktiven Blechkleid versteckt der Mini also eine schwankende Verarbeitungsqualität und einige – zum Teil gravierende – Schwächen. Zum Glück treten diese selten in geballter Form auf. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kauft seinen gebrauchten Mini freilich besser beim Händler. Dort gibt es eine Gebrauchtgarantie, die beim Mini sehr zu empfehlen ist. Das müssen wir in dieser Deutlichkeit sagen. Selbst wenn es uns bei diesem Auto ganz schön schwerfällt.

Modellgeschichte

Modellgeschichte (alter Mini):Juni 1959 Markteinführung des Ur-Mini mit 850 cm³ und 37,5 PS; als Hersteller zeichnen Austin und Morris unter dem Dach der BMC (British Motor Corporation) verantwortlich • Januar 1960 Vorstellung des Mini Van • Januar 1961 Vorstellung des Mini Pick-up • Oktober 1961 Vorstellung des sportlichen Austin Cooper mit 1000 cm³ und 56 PS • März 1963 Einführung Austin Cooper S mit 1071 cm³ und 70 PS • März 1964 Start des Cooper S mit 1275 cm³ und 75 PS • Oktober 1969 Evolutionsstufe: Cooper S Mk. II mit 77 PS • Juni 1971 Produktion des Cooper S eingestellt • Juni 1984 Neu: Scheibenbremsen vorn und 12-Zoll-Räder • September 1990 Neuauflage des Mini Cooper als Sondermodell mit 1,3-Liter-Benziner und ungeregeltem Kat (61 PS) • April 1992 Vorstellung Mini Cabrio; einzig verfügbarer Motor für alle Mini-Varianten ist ab sofort der 1.3i mit 63 PS und G-Kat • Oktober 1996 Modellpflege: Fahrerairbag, Gurtstraffer und Seitenaufprallschutz; Motor jetzt mit Multipoint- Einspritzung; Cabrio eingestellt • Dezember 2000 Produktionseinstellung des Rover Mini

Neuer Mini:Mai 2001 Neuauflage des Mini unter BMW-Führung mit 1,6-Liter-Chrysler-Triebwerken in den Versionen One (90 PS) und Cooper (115 PS); die Preise starten ab 28.360 Mark • Januar 2002 Vorstellung des Mini Cooper S mit Kompressoraufladung und 163 PS (ab 19.800 Euro) • September 2004 Leichte Überarbeitung: neues Fünfgang- Schaltgetriebe von Getrag für Mini One und Cooper, Klarglas-Scheinwerfer, Heckleuchten mit LED-Optik, Änderungen an Mittelkonsole und Türverkleidungen, Sitze mit besserem Seitenhalt, Leistung des Cooper S auf 170 PS erhöht; Start des Mini Cooper S Cabrio (ab 24.000 Euro) • Juni 2005 Drei charakteristische Sondermodelle: Seven (ab 16.900 Euro), Park Lane (ab 19.100 Euro) und Checkmate (ab 20.300 Euro) • September 2005 Leistungssteigerung beim Mini One D auf 88 PS (ab 16.900 Euro) • Juli 2006 Auf 2000 Exemplare limitiertes Sondermodell des Mini Cooper S mit John-Cooper-Works-GP-Kit. Leistung 218 PS, Preis ab 30.900 Euro • März 2003 Start des Mini One D mit dem 1,4-Liter-Common-Rail-Dieselmotor aus dem Toyota Yaris; das Triebwerk leistet 75 PS (ab 16.150 Euro). Bei allen Mini ist die Bremsbelag-Verschleißanzeige ab sofort Serie • April 2003 Der Verkauf der John-Cooper-Works-Tuning-Kits für den Mini Cooper und den Cooper S beginnt. Die Leistung soll auf 126 PS (Cooper) bzw. 200 PS (Cooper S) steigen. Die Preise: circa 3000 bzw. 5000 Euro • Mai 2004 Markteinführung des Mini Cabrio in den Varianten One und Cooper (ab 18.300 Euro) • November 2006 Start der aktuellen, dritten Mini-Generation mit komplett neu entwickelten Motoren

Schwächen, Kosten, Alternativen

Schwachstellen: Im Vergleich mit dem Ur-Mini hat der unter BMW-Regie entwickelte Mini II einen deutlichen Qualitätssprung gemacht. Gemessen am Preis und dem Premiumanspruch der Bayern, enttäuscht der Mini aber mit vielen Mängeln und zum Teil gravierenden Schwächen. Dazu zählen vor allem häufige Getriebeschäden bei den Fünfgang-Schaltboxen von Mini One und Cooper (bis August 2004). Die Kupplung erweist sich ebenfalls als nicht besonders standfest. Weitere typische Schwächen: Ölverlust an Motor und Getriebe, verschlissene Antriebswellen und Radlager, eingelaufene Bremsscheiben, Spannungsrisse in der Frontscheibe, ausgeschlagene Scheibenwischergelenke, Lackmängel bei frühen Exemplaren. Rost findet sich nicht nur am Auspuff, sondern mitunter auch an diversen Schnittkanten und Anbauteilen. Und beim TÜV stehen die Scheinwerfer sowie die Lenkung in der Kritik. Ein Dauerthema sind außerdem Klappergeräusche und Elektronikstörungen.

Vier gebrauchte Mini-Alternativen

Citroën C2 1.6 16V VTS (122 PS) Leistungsmäßig steht der C2 dem Mini nahe, ist aber günstiger. • Positiv sehr gute Sitzposition vorn, ESP Serie, gute Fahrleistungen, günstige Unterhaltskosten, umfangreiche Ausstattung • Negativ hohes Drehzahlniveau, hoher Wertverlust, Lenkung gefühllos • Preis: ab 8000 Euro*

Seat Arosa Sport 1.4 16V (100 PS) Der Spanier überzeugt mit guter Langzeitqualität. • Positiv vollverzinkte Karosserie, ordentlicher Federungskomfort, gute Sitze, günstige Gebrauchtpreise • Negativ wenig Drehmoment, kein ESP, relativ hoher Verbrauch • Preis: ab 7000 Euro*

Toyota Yaris 1.5 TS (106 PS) Ein drehfreudiger und zuverlässiger Japan-Floh. • Positiv drehwilliger Motor, gute Fahrleistungen und Bremsen, Zuverlässigkeit •Negativ hoher Verbrauch, schwammige Sitze, Lastwechselreaktionen, gefühllose Lenkung •Preis: ab 7500 Euro*

VW Lupo GTI (125 PS) Im heißesten unter den Wölfen steckt der GTI-Geist. • Positiv prima Fahrleistungen, angemessener Verbrauch, gute Sitze, angenehmer Komfort, vollverzinkte Karosserie, agiles Handling • Negativ teure Vollkasko-Einstufung •Preis: ab 10.000 Euro*


*Bei Laufleistungen um 50.000 Kilometer

Autor: Ulrich Holzwarth

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