Gebraucht-Check Cayenne

Porsche Cayenne Porsche Cayenne

Gebrauchtwagen-Check Porsche Cayenne

— 14.03.2008

32.000 Euro – Wie heiß ist dieser Preis?

Der Ende 2002 vorgestellte Porsche Cayenne zählt zu den großen Wertverlierern auf dem SUV-Gebrauchtmarkt. Das klingt reizvoll. Trotzdem empfiehlt der Checker eine teure Adresse als Kaufquelle.

Lenkradheizung. Ich sage nur: Lenkradheizung! Das ist das treffendste Synonym für den fast schon obszönen Luxus, den dieses Auto bietet. Vollausstattung? Der Optionsumfang, den der Begriff bei bürgerlichen Modellen adelt, bedeutet hier Kassengestell-Niveau. Offen gesagt: Jemand wie ich, der schon eine Sitzheizung als Schwelgen im Überfluss empfindet, ist in diesem Ambiente einfach überfordert. Und für einen Beitrag über derartige automobile Wohnkultur der falsche Mann. Zum Glück ist der Tenor hier ein anderer. Es geht um die Frage: Was kann man von einem frühen Porsche Cayenne erwarten, der nach irrwitzigem Neupreis und rasantem Wertverlust in die Preiskategorie eines neuen Toyota RAV 4 abgestürzt ist?

US-Reimport: "Frei ab Bremerhaven"

Luxusinterieur des Porsche Cayenne, hier im Farbton "Havanna".

Denn das fragen sich einige SUV-Fans – umgekehrt proportional zum weiteren Wertverfall mit steigender Tendenz. Anders als in anderen Folgen dieser Serie begutachte und zeige ich allerdings kein Exemplar, das für das Gros der Einsteigerangebote steht. Sondern eines, das die Untergrenze dessen repräsentiert, was ich guten Gewissens empfehlen kann. Dazwischen liegt im Fall des Cayenne eine riesige Spanne. Wer im Netz nach Porsches SUV-Frühwerken spürt und dabei als Sortierschlüssel den Preis in aufsteigender Richtung wählt, findet zunächst Cayenne für weniger als 20.000 Euro. Die üblichen Lockvogel-Schummeleien, gegen die kein Webportal immun ist. Kurz darüber starten die US-Reimporte. "Frei ab Bremerhaven", "Standort Chicago": Auch an solchen Details erkennt man die Fahrzeuge, von denen Kenner dringend abraten. Nicht nur, weil der Dreh an der Uhr in Amerika als Routine gilt. Davon abgesehen: Angesprochen werden hier meist nur Wiederverkäufer, wobei Deutschland nicht die Destination, sondern lediglich das Transitland ist.

Porsche fahren, heißt auch Porsche bezahlen

Kurzlebig: Die Reifen – hier 275/45-19 und so gut wie neu – frisst der Cayenne im Zeitraffer.

Offensichtliche Schnäppchen ab gut 25.000 Euro gibt es bei Privatverkäufern und freien Händlern. Das können langfristig sorgenfreie Autos sein. Müssen sie aber nicht. Dann sollte man auf einen zuverlässigen Zahlmeister vertrauen können. Zu dieser Spezies gehören übliche Reparaturkostenversicherer im Fall des Cayenne kaum. Also empfehle ich, stattdessen die aufpreispflichtige Alternative von erster Adresse zu wählen: den Gebrauchten vom Porsche-Zentrum. Dort starten die dicken Dinger bei rund 30.000 Euro. Aber ich halte das Aufgeld für gerechtfertigt. Neben dem meist seriös gepflegten Scheckheft gibt es dort die markeneigene "Gebrauchtwagengarantie", die sich als beruhigende Rückversicherung auszahlen kann. Denn eines ist mal sicher: Wenn beim Porsche etwas havariert, geht das Konto gleich mit runter.

Insofern finde ich den 9/03er-Cayenne, den ich in einer Werksvertretung finde, gar nicht so teuer. Ausstattung: wie gesagt … Klar, auch Luftfederung ist an Bord. Zustand? Ohne Übertreibung nahe am Neuwagen, innen wie außen. 31.900 Euro lautet der Aufruf, Steuer nicht ausweisbar. 114.000 Kilometer, dritte Hand: Diese Defizite erweisen sich beim Nachhaken als halb so wild. Der 340-PS-Trumm wurde innerhalb einer Firma und dann auf deren Inhaber umgemeldet, der pflegte die Langstrecke ohne Hatz. Darum also wirkt der Cayenne noch so frisch. Die gängigen Mängel der Modellreihe? Kaum der Rede wert. Die Wischer schlieren und rubbeln, weil ihre Arme an Druck verlieren, der Reifenverschleiß ist enorm, die Vorderachsgeometrie deshalb oft verschlimmbessert. Doch der Rest – den gewaltigen Antrieb eingeschlossen – gilt als extrem robust.

Ach ja, und dann sind da noch die Kommunikationsstörungen zwischen den gefühlten 1000 Steuergeräten. Klassische Elektronikmacken, die man nicht unterschätzen darf – vor allem preislich. Darum sollte das Auto von erster Adresse stammen. Wenn es schon ein früher Porsche Cayenne sein muss.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Wolfgang Blaube

Cayenne fahren, das heißt Porsche fahren – aber auch Porsche bezahlen. Gerade im Reparatur-fall. Also gilt: kein Kauf ohne umfassende Rückversicherung. Wer indes die Elektronik selbst beherrscht oder entsprechenden freien Schraubern vertraut, kann viel Geld sparen: durch den Kauf bei einer günstigeren Adresse.

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