Golf-Klasse im Klimavergleich

Golf-Klasse im Klimavergleich

— 15.10.2010

Wer kühlt und wärmt am schnellsten?

Was können die Heizungen und Klimaanlagen der populären Golf-Klasse? AUTO BILD hat sechs Musterexemplare einem Extremtest unterzogen – von minus 20 bis plus 40 Grad. Wer heizt, taut und kühlt am besten?

Es stürmt. Der Schnee kommt waagerecht. Er bohrt sich ins Gesicht wie tausend Nadelstiche. Ein paar Minuten noch, und meine Haut sieht aus wie Gehacktes. Normalerweise dürfte es in unseren Breiten bei minus 18 Grad gar nicht mehr schneien, hatte mir der Wettermann zuvor versichert – zu kalt. Von wegen. Die Kristalle scheinen das nicht zu wissen. Jetzt fetzen sie so dicht, dass kleine Iglus über meine Augen wachsen. Mein Bart gefriert. Unter meinen Füßen ist es spiegelglatt. Ich schlittere im Sturm, segle blind mit ausgestreckten Armen gegen den Rückspiegel eines geparkten Autos, kralle mich fest. Und von drinnen, wohltemperiert, im heimeligen Licht hinter einer dicken Glasscheibe, schauen sie zu, amüsiert, ohne Mitleid.

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Heiße Sache: Wer Klimaanlagen auf die Probe stellen will, muss die Autos aufheizen.

Dort, im warmen Kontrollraum, drehen sie den Wind auf und die Temperatur runter, zünden die Schneekanone, Petrus, Frau Holle, die Wettergötter der Windkanäle. Das Klima, egal welches, sie haben es in der Hand. Ein paar Griffe, und sie könnten mich aus der Arktis in die Wüste schicken, mit 45 Grad und praller Sonne. Oder in einen Orkan mit bis zu 250 km/h Windgeschwindigkeit. Hier im Klimakanal, einem von drei solchen Kanälen im neuen Umweltzentrum von BMW, ist alles möglich. Menschen können ihm entfliehen, doch für Autos, mit Stahlstreben auf einen Rollenprüfstand gefesselt, ist er die Hölle. Wo sonst also ließen sich die Heizungen und Klimaanlagen härter und besser testen als hier? Sechs Vertreter der Kompaktklasse mussten sich der Tortur unterziehen. So wie die Serie sie schuf und innen mit professioneller Messtechnik gespickt, schickte AUTO BILD sie in den Hexenkessel. Zum klassischen Dreisprung der Autoklimatisierung: abtauen, aufheizen, abkühlen.

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Wohlbehagen zum Schnäppchenpreis? Der Kia cee'd wird testweise tiefgeroren.

Diese Kandidaten stehen im Wind: • Deutschlands Bestseller natürlich, der VW Golf. Und das gleich doppelt, als Benziner (122 PS) und Diesel (140 PS). Heizt der Diesel schlechter? • Der Kompakte aus der Feinkostecke: 116i (122 PS). Die preisgünstigste Art, BMW zu fahren. Schafft Premium das bessere Klima? • Das Komfortversprechen aus dem Westen, der brandneue Citroën C4 (120 PS). Temperiert wie bei Gott in Frankreich? • Der Preisbrecher aus Korea: Kia cee'd (125 PS). Schwitzen im Schnäppchen? Oder bibbern im Billigheimer? • Der Herausforderer im Sonntagskleid: Opel Astra (120 PS). Ist Opel im Klimaindex besser als VW? Wir haben die Rivalen der Kompaktklasse (alle mit der optionalen, aber durchweg empfehlenswerten Klimaautomatik) dem Wechselbad extremer Temperaturen ausgesetzt: minus 20 Grad und plus 40 Grad – wer legt am Ende den coolsten Auftritt hin?

Das Ergebnis des klassischen Klima-Dreikampfs "abtauen, aufheizen, abkühlen
" sehen Sie in der Bildergalerie, die Einzeltests zu jedem Auto erreichen Sie über die Links in der Tabelle.
Der große Klima-Vergleich: Die Einzeltests
BMW 1er Citroën C4
Kia cee'd Opel Astra
VW Golf Benziner VW Golf Diesel

So hat AUTO BILD getestet

Abkühlung: 24 Stunden Aufheizung bei 40 Grad Außentemperatur . Zusätzlich 90 Minuten bei 1000 Watt Sonneneinstrahlung. Einstellung der Klimaanlage: Automatikstellung, 20 Grad, mittlere Intensität, vergleichbare Ausrichtung der Ausströmer. Testbetrieb: konstante Fahrt (32 km/h), dritter Gang.
Aufheizen:
24 Stunden Vorkühlen des Fahrzeugs mit geöffneten Türen bei minus 20 Grad. Außentemperatur im Fahrtest: minus 20 Grad. Einstellung: Automatik, 22 Grad, mittlere Intensität, vergleichbare Ausrichtung der Ausströmer. Gleichmäßige Fahrt bei 32 km/h, dritter Gang. Zusätzliche Messungen bei minus zehn Grad Außentemperatur.
Auftauen: Fachgerechte Wasserauftragung (ca. 500 g Wasser) auf die Frontscheibe bei minus 20 Grad für gleichmäßige Befrostung. Einstellung der Klimaautomatik per Defrostschalter. Testbetrieb: 2000 1/min im Leerlauf. Die Defrosterwirkung wird mit einer fest installierten Kamera ermittelt und anschließend ausgewertet.
Wolfgang König

Wolfgang König

Fazit

Hinterher ist man wieder mal klüger. Nun wissen wir, erstens: Der Diesel heizt wirklich schlechter. Vor allem, wenn seine Heizhilfe zu früh abschaltet. Zweitens: Ein VW Golf gewinnt nicht jeden Vergleich – hier ist er höchstens durchschnittlich. Drittens: Wer gut heizt, muss nicht auch gut kühlen. Und umgekehrt. Viertens: Das Klima in einem Schnäppchenauto muss nicht schlechter sein. Und fünftens: Verblüffend, wie die Anlagen dieser Klasse mit so extremem Wetter fertig werden.

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