Kia Optima/Toyota Avensis: Test

Bilder: Kia Optima vs. Toyota Avensis Bilder: Kia Optima vs. Toyota Avensis

Kia Optima/Toyota Avensis: Vergleich

— 12.12.2011

Korea hängt Japan ab

Mit dem Optima bringt Kia eine optimierte Alternative in die automobile Mittelklasse – und zeigt im Vergleich mit dem Toyota Avensis, warum in den kommenden Jahren mit den Koreanern zu rechnen ist.

Die unscheinbare graue Limousine ist ein Symbol. Der überarbeitete Avensis steht für all das, was Toyota heute nicht mehr ist. Noch vor wenigen Jahren waren die Japaner mit effizienter Produktion, guter Qualität und günstigen Preisen der Angstgegner für die deutsche Autoindustrie. Dass sie dabei immer ein wenig bieder waren, hat kaum jemanden interessiert. Bis zum größten Autohersteller der Welt hat es Toyota mit diesem Rezept geschafft. Und heute? Haben längst die Koreaner die Rolle des Herausforderers angenommen. Kein Konzern wächst so schnell wie Kia mit seiner Mutter Hyundai. Beängstigend für die Konkurrenz, gut für die Kunden.

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Gut gelungen: Der neue Kia Optima gefällt mit seinem markanten Auftritt.

Denn während sich Toyota bei der Überarbeitung des Avensis mit Feinarbeit im Detail aufhält, bringt Kia mit dem Optima eine Neukonstruktion an den Start. Und was für eine. Vorbei die Zeiten, in denen ein Kia nur billig war. Der Optima ist eine ausgewachsene Limousine jenseits der Peinlichkeitsschwelle. Mit gelungenen Proportionen, gefälligen Leuchten und netten Details wie der an den Jaguar XF erinnernden C-Säule. Keine Frage, der Optima fällt auf – ganz im Gegensatz zum Avensis, der grauen Maus. Nichts stört, aber es regt eben auch nichts an. Selbst eingefleischte Markenfans werden die Änderungen an Scheinwerfern und Rückleuchten nur beiläufig registrieren. Auch im Innenraum zeigt sich, warum der Ritterschlag von VW-Chef Martin Winterkorn auf der IAA  für den koreanischen Konzern berechtigt war. Trotz der geschwungenen Formen finden sich die Finger schnell zurecht. Die Qualität hält selbst schärfster Prüfung stand: geschäumte Kunststoffe, kein Müffeln, kein Klappern. Dazu (zumindest in der Top-Ausstattung "Spirit") feine Details wie Lenkradheizung, Infinity-Soundsystem, Panoramaglasdach und voll elektrische Ledersitze.

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Nichts stört, aber es regt auch nichts an: Der Toyota Avensis ist eher eine graue Maus.

Ganz anders der Toyota. Selbst in der teuersten Executive-Ausstattung liegt trotz Holzimitats und Alcantara-Sitzen ein leichter Grauschleier über dem Interieur, selbst ein VW-Passat-Innenraum wirkt anregender. Zwischen den Instrumenten eine grobpixelige, bernsteinfarbene Anzeige – statt des farbigen, hochauflösenden Displays im Kia. Allerdings ist auch der Toyota gut zu bedienen, die Qualität passt. Alles, was anfassbar ist – ob Türöffner, Armaturenbrett, Schalter oder Lenkrad –, wirkt solide und gut verarbeitet. Auch in Fahrt zeigt sich, dass der Kia das modernere Auto ist. Obwohl der Optima vor allem für die Märkte in den USA und Asien konzipiert wurde, ist er ganz nach Europas Geschmack abgestimmt. Der Kia gibt mit straffem, aber nicht zu hartem Fahrwerk, direkter Lenkung und knurrigem Diesel den Sportler. Ungewohnt in einem Koreaner. Passt aber prima zu seinem flotten Design – und auch zu einer Mittelklasselimousine.

Kia übertreibt es mit der Dynamik nicht – anders als Audi über viele Jahre. Zum echten Langstreckengleiter taugt der Optima aber vor allem wegen seines gemeinsam mit Hyundai entwickelten 1,7-Liter-Diesels mit 136 PS. Ein echter Sahnemotor, der vom flotten Antritt bis zum gelassenen Gleiten eine erstaunliche Bandbreite beherrscht – und nicht mal ein Säufer ist. Im Schnitt sollen dank Start-Stopp-Automatik knapp fünf Liter Diesel für 100 Kilometer ausreichen. Noch ein wenig sparsamer ist der Toyota. Feinarbeit an Motor und Turbolader senkt den Verbrauch auf 4,5 Liter. Und auch Geräuschdämmung und Fahrwerk haben die Toyota-Ingenieure gegenüber dem recht raubeinigen Vorgänger überarbeitet.

Jetzt überzeugt die Beinarbeit. Der Avensis schafft nun ebenfalls den Spagat zwischen komfortablem Federn und ausreichender Dynamik. Auch wenn wir die in dem Toyota bisher nicht vermisst haben. In einem sind sich Japan und Korea einig: Gegenüber den deutschen Platzhirschen halten sie einen deutlichen Preis-Abstand. Der Avensis kostet in mittlerer Sol-Ausstattung 26.800 Euro, rund 4000 Euro weniger als ein ähnlich ausgestatteter VW Passat. Der Kia ist unterm Strich nicht nur besser, sondern auch noch einmal 2300 Euro günstiger als der Toyota. Ein Symbol – für den Aufstieg Koreas.

Technische Daten Kia Optima Attract 1.7 CRDi Vierzylinder-Turbo, vorn quer • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 1685 cm³• Leistung 100 kW (136 PS) bei 4000/min • max. Drehmoment 325 Nm bei 2000/min • Vorderradantrieb • Sechsganggetriebe • Tank 70 l • 0–100 km/h 10,6 s • Spitze 202 km/h • EU-Mix 4,9 l Diesel/100 km • CO2 128 g/km • Preis circa 24.500 Euro.

Technische Daten Toyota Avensis Life 2.0 D-4D Vierzylinder-Turbo, vorn quer • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 1998 cm³ • Leistung 91 kW (124 PS) bei 3600/min • max. Drehmoment 310 Nm bei 1600/min • Vorderradantrieb • Sechsganggetriebe • Tank 60 l • 0–100 km/h 9,8 s • Spitze 200 km/h • EU-Mix 4,5 l Diesel/100 km • CO2 119 g/km • Preis 26.800 Euro.
Autor:

Stefan Voswinkel

Fazit

Respekt, Kia! Diesem Auto steht für einen Erfolg auf dem deutschen Markt nur noch sein Ruf im Weg. Der Optima sieht modern aus, ist ein echter Hingucker. Sein Innenraum ist gut verarbeitet und geräumig. Zudem fährt er mit straff abgestimmtem Fahrwerk und tollem Diesel richtig gut. Ein Geheimtipp in der Mittelklasse – zu günstigen Preisen. Obwohl Toyota bei der Überarbeitung des Avensis viele Kritikpunkte abgearbeitet hat, fehlt dem Japaner auch künftig jedes Charisma – die Taktik der kleinen Schritte rächt sich. Trotz des sparsamen, spritzigen Diesels, eines komfortablen Fahrwerks und niedrigen Preisen wird es so sicher schwer, auf höhere Stückzahlen zu kommen.

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