R1234yf: EU fordert weitere Tierversuche

Killer-Kältemittel R1234yf

— 15.03.2012

TÜV-Segen trotz fehlender Tests?

Der Segen vom TÜV schafft Vertrauen. Normalerweise. Beim umstritttenen Kältemittel R1234yf sind jedoch Zweifel angebracht. Der TÜV Rheinland hat offenbar geurteilt, ohne selbst zu testen.

Das Verwirrspiel um das neue Kältemittel für Klimaanlagen geht weiter. Der TÜV Rheinland bescheinigt R1234yf (oder HFO-1234yf) Unbedenklichkeit – hat aber offenbar keine eigenen Versuche durchgeführt. Laut aktueller Verbraucherinformation sei R1234yf "genauso sicher wie das heutige Kältemittel".

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Noch im vergangenen Herbst hatte sich die Prüforganisation von der Behauptung des Kältemittel-Herstellers Honeywell distanziert, der TÜV Rheinland habe die Einführung von R1234yf begleitet. Eine AUTO BILD-Anfrage zu etwaigen Gutachten, die zu der neuen Einschätzung geführt haben könnten, wollte der TÜV Rheinland nicht beantworten. Auch die noch ausstehende Toxizitätsbestimmung mit Tierversuchen sei dem TÜV nicht bekannt, so ein Sprecher.

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Bei einem Unfall mit dem neuen, hoch entzündlichen Kältemittel R1234yf kann gefährliche Flusssäure entstehen.

Anstelle eigener Untersuchungen zitiert die TÜV-Verbraucherinformation Analysen der amerikanischen Ingenieurorganisation SAE (Society of Automotive Engineers), welche die Ungefährlichkeit von R1234yf nachweisen sollen. Unklar ist, ob dem TÜV Rheinland die SAE-Studien tatsächlich vorlagen oder ob die Experten einfach die Einschätzung des TÜV Süd übernommen haben. Dieser hatte im Jahr 2010 dem Verband der Automobilindustrie (VDA) in einem Gutachten die Ungefährlichkeit des neuen Kältemittels bestätigt. Haken an der Sache: Der TÜV Süd hat zwar die SAE-Risikoanalysen theoretisch auf Plausibilität geprüft, aber ebenfalls keine eigenen Tests durchgeführt. Das Gutachten des TÜV Süd befindet sich unter Verschluss und ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich.

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Ob die SAE in ihren Betrachtungen wirklich alle Risiken berücksichtigt hat, bezweifeln Fachleute – ein Tunnelunfall-Szenario wird beispielsweise explizit ausgeschlossen. AUTO BILD fordert daher unabhängige, überprüfbare Tests, welche die Unbedenklichkeit von R1234yf belegen.
Autor:

Frank Rosin

Fazit

Die TÜV-Organisationen besitzen in Deutschland eine ganz besondere Glaubwürdigkeit. Ihr Wort gilt, auch wenn es manchmal wehtut, zum Beispiel bei der Hauptuntersuchung. Der TÜV muss transparent arbeiten, Bewertungen müssen nachvollziehbar sein. Wenn der Eindruck entsteht, dass er sich mit Gefälligkeiten vor den Karren der Industrie spannen lässt, ist die Glaubwürdigkeit verspielt.

Stichworte:

Killer-Kältemittel

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