Wohnmobil-Test Knaus Boxdrive First Edition

Knaus Boxdrive First Edition: Wohnmobil-Test

Verdammt nah am Pkw

Der Crafter, ein Komfort- und Handling-Genie: So hat ihn die Redaktion von AUTO BILD REISEMOBIL kennengelernt. Mal sehen, wie schön es sich in ihm wohnen lässt.
Der Premierenapplaus ist abgeklungen, jetzt tobt der Preiskampf. So schnell geht's im Leben unserer Autos: Ab 219 Euro lässt sich der VW Crafter neuerdings leasen, denn bei Mercedes glüht mit dem Sprinter der größte Rivale vor. Für die Reisemobil-Branche ist das so spannend wie für uns Tester. Einer der ersten Hersteller, die sich den Crafter griffen, ist Knaus. Der Boxdrive stand im Sommer 2017 auf dem Caravan-Salon, jetzt kommen die ersten Exemplare zum Händler. Das ist er: Vorerst nur ein Sondermodell, limitiert auf 150 Exemplare und mit 79.900 Euro ganz oben in der Kastenwagen-Kaste angesiedelt. Da passt es, dass die Knaus-Werber den Boxdrive First Edition mit Oberklasse-Limousinen à la S-Klasse und A8 vergleichen. An der Verwöhn-Vollausstattung scheitert's jedenfalls nicht: Der Boxdrive kommt serienmäßig u. a. mit Klimaautomatik, Spurhalteassistent, Abstandsregeltempomat, Navi und beheizbarem Lederlenkrad. Nur beim Format hakt der Vergleich, aber zugunsten des Knaus: Der streckt sich mit 6,84 Metern länger als jede Vorstands-Limousine.

Reisemobil Suchen

Suchen und kaufen Sie Ihr Traummobil im Reisemobilmarkt

Komfort ist die Stärke des Boxdrive

Richtig liegen: Das fällt nicht schwer bei maximal 2,12 auf 1,60 Meter Fläche im komfortablen Längsbett.

Das hat er: Alles, nur kein Platzproblem. Der Stretch-Kastenwagen ist für ein anspruchsvolles Paar gedacht, das vielleicht mal einen kleinen Gast auf dem Notbett in der Dinette mitnimmt. Dem Crafter-Manko der knappen Innenbreite, speziell im Heck, begegnet er mit einer Längs-Liegefläche von 2,12 Meter Länge und 1,60 Meter Breite. In seinem Raumbad ließe sich auch zu zweit duschen, die Stehhöhe im gesamten Innenraum fällt mit 1,92 Metern üppig aus. Und auch sonst wird der Boxstar in vielen Details seinem hohen Anspruch gerecht. Ein paar Beispiele: Die Suche nach einem unverkleideten Stückchen Blech im Innenraum bricht der Tester ergebnislos ab. Der Metallunterbau des Betts wiegt gefühlt so viel wie die Rohkarosserie eines Smart. Die Lichtschalter tragen beleuchtete Piktogramme, auch lässt sich die aufwendige LED-Beleuchtung einzeln übers zentrale Display steuern. Das Waschbecken im Bad ist herausziehbar und wird bei Bedarf zum breiten Waschtisch. Und die Sitzbank lässt sich mit einem Griff verbreitern. Das hakelte am Testwagen allerdings noch, auch das Rappeln der Duschabtrennung auf schlechten Straßen störte uns. Wir fuhren allerdings die frühe Seriennummer 004, die noch nicht ganzfertig war: Es fehlte auch die Verdunkelung im Fahrerhaus. Wegen der Fenster Airbags will Knaus keine Plissees montieren, sondern einen beheizbaren Vorhang. Was uns außerdem fehlt, ist eine Halterung für die Außendusche. Und ein Bett, das sich nicht nur zum Fahrzeuginneren anheben lässt, sondern auch vom Heck.
Überblick: Alles zum Thema Wohnmobile

Geht's bergauf, ist der 140-PS-TDI gut beschäftigt

Selbst auf engen Landstraßen fühlt sich der Sieben-Meter-Kastenwagen mehr nach T6 California an.

So fährt er: Im ersten Test kam der Crafter als Kastenwagen zu uns, der sich fast athletisch fuhr. Da kommt der Boxdrive mit seinen 3,2 Tonnen Leergewicht nicht mit: In den Bergen zwingt er den 140-PS-Diesel zur harten Maloche. Das merkt man auch am Verbrauch, nach unserer Tagestour durch den Bayerischen Wald waren es 12,8 Liter/100 km. Aber auch bergauf im Zweiten wird er niemals laut, und selbst auf engen, kurvigen Landstraßen fühlen sich die sieben Meter Kastenwagen mehr nach T6 California an. Der lange Radstand macht den Boxdrive außerdem noch komfortabler – keiner unserer Testkandidaten federte bisher sämiger. Nach wie vor schätzen wir auch die präzise Lenkung und die niedrige Sitzposition, beim Boxdrive kommen die bequemen, vielfach verstellbaren (und serienmäßig beheizbaren) Vordersitze dazu. Jetzt noch ein Küchenblock, der gar nicht klappert, und es passt mit der Oberklasse. Applaus!

Wohnmobil-Test Knaus Boxdrive First Edition

Knaus Boxdrive First EditionKnaus Boxdrive First EditionKnaus Boxdrive First Edition

Technische Daten: Knaus Boxdrive First Edition
Motorisierung VW 2.0 TDI
Leistung 103 kW (140 PS) bei 3500/min
Drehmoment 340 Nm bei 1600/min
Höchstgeschwindigkeit 158 km/h
Getriebe/Antrieb Sechsgang manuell/Vorderrad
Tankinhalte/Kraftstoffsorte 75 l/Diesel, 18 l/AdBlue
Länge/Breite/Höhe 6840/2040/2680 mm
Radstand/Bereifung 4490 mm/235/60 R 17
Leergew. fahrbereit/Zuladung (Testmobil) 3240/260 kg
Anhängelast (gebremst) 3000 kg
Material Wand/Dach/Boden Stahlblech
Stärke Wand/Dach/Boden 25 mm/36 mm/26 mm
Isolierung Wand/Dach/Boden Polyethylen/Polyethylen/Bodenplatte aus Styrodur und Pappelholz
Liegefläche Mitte L x B 1600 x 600 mm
Liegefläche Heck L x B 1970–2120 x 1600 mm
Kühlschrankvolumen/Froster 90/10 l
Herd Zwei Flammen
Bordbatterien 2x 90 Ah
Frisch-/Abwassertank 85/90 l
Gasvorrat/Heizung 1x 2,8 kg/Truma Combi 6 D (Diesel)
Preis ab 79.990 Euro
Christian Steiger

Christian Steiger

Fazit

Er ist lang, er ist schwer – und doch verdammt nah am Pkw: Wer nicht nur gediegen wohnen will, sondern auch kultiviert fahren, wird mit dem Boxdrive glücklich. Sein größtes Manko ist die geringe Zuladung, nicht mal 300 Kilo gramm. Der hohe Preis sinkt mit dem einfacher ausgestatteten Serienmodell. Urteil: 4,5 von fünf Punkten.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Gebrauchtwagen