Lamborghini Gallardo LP 560-4 Spyder E-Gear vs. R8.270 DCR
Bauer sucht Frau

Lamborghini-Cabrio oder -Traktor: Welches dieser Traummobile hat bei der Brautsuche bessere Chancen? Autor Wolfgang Blaube wagt einen nicht ganz ernsten Vergleich – und landet hart im wirklichen Leben.
- Wolfgang Blaube
Der Sommer ist vorbei. Die Hormone bremsen ihren Fruchtbarkeitstanz. Aber sie sind noch aktiv genug, um mich zu diesem heißen Vergleichstest zu inspirieren: Welcher Lamborghini macht mich schneller zum unwiderstehlichen Frauenschwarm – Gallardo Spyder oder R8? Gallardo: der "kleine" Supersportler der Marke. V10-Herz, neuerdings 560 PS wild, Allradantrieb. Und in dieser Version oben offen für stürmische Zweierbeziehungen. Dagegen der R8: Das ist der größte und stärkste Traktor mit dem legendären Schriftzug Lamborghini. Praktisch (und faktisch) der Lambo unter den Landmaschinen. Bauer sucht Frau – mit diesem Über-Schlepper ein Selbstgänger. Oder sticht der Gallardo noch herzhafter? Jedenfalls passt der Rennkeil nicht minder zu dem Arbeitstitel, den wir von der RTL-Soap geborgt haben – etablierte Großstädter bezeichnen krawallig auftretende Möchtegern-Kosmopoliten halt gern als Bauern.
Nun bin ich ja ein Typ, der die Frauen kennt. Aber auch einer, den die Frauen nicht kennen wollen. Dafür hat der liebe Gott mir einfach zu wenig Ästhetik und Sex mit auf den Weg in Richtung Damenherzen gegeben. Das macht mich zur Idealbesetzung für diesen Vergleich. Denn so hängt meine Eindruckstiefe ins weibliche Gunstwerk einzig von der Strahlkraft der vielzylindrigen Sympathiebeschleuniger ab. Mit denen fahre ich, dem jeweiligen Klischee entsprechend verkleidet, die Punkte an, an denen sich das schöne Geschlecht traditionell tummelt. Dort messe ich meine neue Begehrlichkeit. Ein simpler Test. Erste Gallardo-Station: Hamburgs Berufsschule des Friseurhandwerks. Die war schon zu meiner Lehrzeit die erste Adresse für Nachwuchs-Gigolos – die Kfz-Gewerbeschule ist einen Steinwurf entfernt. Dumm nur, dass mir meine letzten drei versäumten Haarschneidetermine deutlich anzusehen sind.
Wird Blaube im Don-Johnson-Look zum Pausenclown?
Aber dafür habe ich einen bunt gefüllten Kleiderschrank, der jede Typberatung erübrigt. Ein beherzter Griff, schon stehe ich da wie der bemühte Don-Johnson-Mime in einer schlechten Castingshow – das perfekte Spyder-Styling. Pünktlich zur großen Pause fahre ich vor. Sofort ist der giftgrüne Traum von geschmackssicheren Mädels umkränzt. Während die Jungs, die gerade im aufregend getunten Opel Corsa B aus der Autoschrauberschule angereist sind, respektvoll Abstand halten. "Sind Sie reich oder so was?", fragt mich bewundernd die entzückende Denise, die als Erste den Beifahrersitz erobert. Eher "so was", denke ich. Während sich die Mädels um mich herum inflationär vermehren. Fast beängstigend, wie attraktiv der Gallardo mich hier macht – da bekomm’ ich Angst. Nichts wie weg. Eins zu null für den Sportwagen.
"Na, Schatzi, wie wär’s?"
Rein in die Trecker-Tracht. Jetzt noch die original Blockwartkappe, bekannt und beliebt von meinen Kontrollgängen durch die Eigenheimsiedlung – jawoll, ländlich-schick. Derart dekoriert erklimme ich den Hochsitz, zünde den wohlig vibrierenden Riesendiesel, gebe Gas. Fahrziel: die Hochpreis-Shoppingmeile Neuer Wall. Das Epizentrum solventer Städterinnen, die sich bestimmt von meinem exklusiven Rambo-Lambo betören lassen. Gemächlich rolle ich durch die Gassen, genieße das Panorama. Personenwagen? Wirken aus dieser Höhe wie Verkehrsberuhigungsbuckel. Vor der Edelboutique zirkele ich den Acker-Athleten in die Parkbucht. Steige hinab, räkele mich lasziv ins Felgenbett. Und warte. Tatsächlich bleiben ein paar feine Damen stehen, gucken neugierig. Doch auf mein einladendes "Na, Schatzi, wie wär’s?" hin nehmen sie fluchtartig Reißaus. Sind wohl doch keine idealen Jagdgründe für ländliche Liebhaber hier. Das meint auch Katerina, als sie mir im In-Lokal Zur alten Mühle ein aufbauendes Alkoholfreies serviert. Sie selbst ist gegenüber starken Männern mit noch stärkerer Motorisierung aufgeschlossener. Um zehn habe sie Feierabend, lässt sie mich ungefragt wissen – eins zu eins, notiere ich.
Mit dem Lamborghini- Traktor durch Dieter Bohlens Nachbarschaft

Bild: Christian Bittmann
Wohin mit den Telefonnummern der ganzen Mädels?

Bild: Christian Bittmann
Lamborghini, eine wechselvolle Geschichte
Ferruccio Lamborghini, 1916 als Bauernsohn nahe Modena geboren, startet 1949 den Traktorenbau. 1960 eröffnet er ein Werk für Gasheizungen und Klimageräte. 1962, er gehört inzwischen zu den reichsten Unternehmern Italiens, fällt seine Entscheidung zum Bau von Hochleistungssportwagen. Vorausgegangen war ein Streit mit Enzo Ferrari über die ständigen Kupplungsdefekte seines 250 GT. "Du kannst eben nur Trecker fahren", soll der Commendatore sinngemäß gesagt haben – ein Affront gegen Lamborghini, der sofort einige namhafte Konstrukteure für die Entwicklung seines eigenen V12-Boliden anheuert. 1963 wird die Sportwagenfabrik eröffnet und der Prototyp 350 GTV präsentiert.

Bild: privat
Als Audi 1999 die legendäre Marke vor der drohenden Zahlungsunfähigkeit rettet, gerät sie endlich wieder in sicheres Fahrwasser. Der Gallardo, unter Audi-Ägide entwickelt und seit 2003 gebaut, ist mit fast 9000 Exemplaren inzwischen der erfolgreichste Lamborghini aller Zeiten. Darüber rangiert der Murciélago mit 640 bis 670 PS starkem Ur-V12. Der Landmaschinenhersteller Same fusionierte 1995 mit der deutschen Deutz-Fahr-Gruppe, heute werden die großen Lamborghini-Traktoren in Lauingen nordöstlich von Ulm gefertigt – praktisch als edle Design-Alternativen zu den technisch identischen Deutz-Modellen. Ferruccio Lamborghini sollte die Erfolge seiner ehemaligen Marken nicht mehr erleben: Er starb 1993 mit 76 Jahren.
Service-Links