Mercedes: CarPlay-App bringt iOS vom Handy ins Auto

Mercedes: App bringt iOS vom Handy ins Auto

— 03.03.2014

Apple kommt auf die Räder

Das Auto wird zum iPhone – zumindest ein bisschen. Apple wird dafür Anfang März 2014 ein neues System präsentieren, das wohl "CarPlay" heißen wird. BILD hat die Weltneuheit exklusiv ausprobiert.

Das ist wirklich kinderleicht: iPhone rein und los geht's!

Unter dem Namen "iOS in the car" kündigte Apple im Juni 2013 an, sein Smartphone für die Einbindung ins Auto fit zu machen. In der neuen C-Klasse von Mercedes wird das Ergebnis (wird wohl "CarPlay" heißen) nun erstmals erlebbar. Apple rüstete dafür sein Betriebssystem entsprechend auf: Aus iOS 7 wird iOS 7.1 (Anfang März). Mit diesem Update ist es für den Nutzer erledigt: Das iPhone lässt sich vom Auto aus steuern. Alles Weitere, was dazu nötig ist (nämlich ein sogenanntes "Interface" im Auto), liefert Mercedes. Diese Schnittstelle zwischen Telefon und Auto macht die iPhone-Welt erstmals auf dem Auto-Display erlebbar.

Neuheit wird auf dem Genfer Autosalon vorgestellt

Nein, nicht mit dem Handy. Mit diesem Dreh-Drück-Schalter wird die Benutzeroberfläche auf dem Bildschirm bedient.

Sie holt Musik, Programme, Nachrichten herein, sperrt Unerwünschtes aus (per Firewall). Allerdings: Die Apple-Anwendungen lassen sich bei Mercedes nicht wie gewohnt per Touchscreen steuern, sondern durch ein Rädchen, den sogenannten Dreh-Drück-Steller ("Controller") und ein berührungsempfindliches Touchpad in der Mittelkonsole. Was kann dieses neue System? Es nutzt die Apps, die schon auf dem iPhone installiert sind. Zunächst erlaubt es vier Grundfunktionen: Musik, Telefon, Karten, Nachrichten. Zwei davon gehorchen der Sprachsteuerung "Siri". Wenn Apple die Neuheit auf dem Genfer Autosalon (6. bis 16. März) präsentiert, werden schon weitere Programme nutzbar sein.

Keine Videostreams während der Fahrt

Der Homescreen von CarPlay. Simpel, einfach, übersichtlich. Wie das iPhone-Menü eben auch.

Zunächst bleibt es aber bei "audiobasierten" Apps, also Internetradio wie Spotify. Welche Apps anderer Anbieter ein Teil von "CarPlay" werden, entscheidet Apple und greift dabei auf Mercedes-Know-how zurück. Denn die Programme dürfen den Fahrer natürlich nicht ablenken. Deshalb wird es zum Beispiel keine Videostreams wie auf Youtube während der Fahrt geben. Auch Facebook und Twitter bleiben draußen. Sie lassen sich aber begrenzt über das Mercedes-System "Comand Online" nutzen (etwa Standort posten). Mercedes plant aber auch eigene Apps freizugeben, etwa "Carfinder" (hilft beim Wiederfinden des Autos), Infos zu Kilometerstand und Tankfüllung (wichtig z. B. für Flottenbetreiber).

"CarPlay" startet wohl noch 2014

So sieht es aus, wenn jemand anruft.

Ist "CarPlay" verkehrssicher? Ja, sagen Mercedes und der Gesetzgeber. Der Fahrer hat ein großes Display im Blickfeld, die Bedienung ist ergonomisch, einfach und intuitiv. Wann startet das System? Die Sonderausstattung (Preis unklar – wohl einige Hundert Euro) wird wahrscheinlich noch 2014 angeboten. Mercedes will sie möglichst schnell für alle Autos verfügbar machen. Für Smart-Fahrer wird der Service zunächst nicht zu haben sein. Das dürfte sich aber ändern, wenn im Laufe des Jahres die neue Smart-Generation startet. Nach und nach wird das Angebot wohl auch in die Ausleih-Flotte von "car2go" einziehen.

Sobald Google nachzieht, wird auch deren Betriebssystem Android (z. B. für Samsung-Smartphones) im Mercedes nutzbar gemacht. Ein weiterer Schritt hin zur totalen Kontrolle? Nein, sagt Mercedes. Nach dem Nutzen bleiben im Auto keinerlei Informationen über den Fahrer zurück. Und auch an Apple oder Dritte wie Facebook gehen keine Informationen raus. Bleibt noch das Warum? Oder eben die Gegenfrage: "Warum nicht?", entgegnet Mercedes. Viele Kunden nutzten ihr iPhone und die vielen Apps in jeder Lebenslage – und wollten auch während der Fahrt nicht mehr darauf verzichten.

Digitalisierung: Hier spielt die Musik

Alle verfügbaren Apps im Listenformat.

Ein Mercedes-Ingenieur erzählt vom Käufer eines Mercedes SLS AMG (225.000 Euro) aus den USA, der beim Abholen des Autos sagte: "Wenn darin nicht mein Lieblings-Musikdienst läuft, werde ich das Auto nicht kaufen." Mercedes bekam es hin, der Kunde kaufte seinen Sportwagen. Die Episode zeige: Vor allem in den USA und Deutschland werde die iPhone-Einbindung zum Verkaufsargument. Man werde das Zubehör in einigen 100.000 Autos verkaufen. iPhone im Auto nutzen – das gab's doch schon, oder? Richtig, und zwar auch bei Mercedes. Im Handschuhfach verstaut, per "Digital DriveStyle App", ließ sich aufs iPhone zugreifen. Und zwar auf alle wesentlichen Funktionen, allerdings auf dem Display optisch verpackt ins Mercedes-Design. Wer aber lieber in der Apple-Designwelt lebt, der muss sie mit "CarPlay" nun auch im Auto nicht mehr verlassen.

Autor: Markus Abrahamczyk

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