Mercedes ML 250 CDI Bluetec: Fahrbericht

Mercedes ML 250 CDI Bluetec Mercedes ML 250 CDI Bluetec

Mercedes ML 250 CDI Bluetec: Fahrbericht

— 12.07.2011

Das Sechsliter-SUV

Der neue Mercedes ML 250 CDI Bluetec soll sich mit sechs Litern Diesel zufriedengeben. Um das zu überprüfen, schickte AUTO BILD das SUV auf Langstreckenfahrt.

Ein SUV als Spritsparer, das klingt erst mal paradox. Daimler behauptet, den Verbrauch des Mercedes ML 250 CDI auf bis zu 6,0 Liter gedrückt zu haben. AUTO BILD wollte wissen, ob die Praxis hält, was der Prüfstand verspricht: Kommen wir bei der ersten Langtsreckenfahrt mit dem ML 250 Bluetec tatsächlich mit einer Tankfüllung von Spanien nach Stuttgart? Los geht es am Ende der Ramblas von Barcelona, mitten in der Rushhour. Die Start-Stopp-Automatik verhindert zwar die ärgsten Ausreißer im neuen Spritspar-Display auf dem Navi-Monitor, doch mit einem Verbrauch von neun Litern und einer Reichweite von 900 Kilometern liegen noch Welten zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Hatte Baureihenchef Uwe Ernstberger für den OM651 im ML 250 nicht 6,0 Liter und mehr als 1500 Kilometer Reichweite versprochen? Na, ja: Geben wir dem Mann eine Chance, knallen den Tank am Stadtrand noch einmal richtig voll und machen uns auf den Weg nach Stuttgart. Das sind 1248 Kilometer, die wir wie sparsame Selbstzahler angehen wollen: Nicht verbissen und spaßfrei im Windschatten eines Trucks. Aber auch nicht mit Bleifuß und Lichthupe auf der linken Spur.

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Als würde jemand während der Fahrt Sprit nachkippen: Der Monitor zeigt vierstellige Reichweiten-Werte an. 

Der Blick auf den Bordcomputer macht mir Mut: Eben noch versaut vom Stadtverkehr, geht der Verbrauch jetzt Stück für Stück nach unten und zeigt an erster Stelle die Sechs, die uns für den Rest des Weges begleiten wird. Im Gegenzug steigt natürlich die Reichweite. Als würde jemand während der Fahrt Sprit nachkippen, weist der Monitor plötzlich vierstellige Werte aus. Irgendwo nahe der Grenze zu Frankreich, nach mittlerweile über 200 Kilometern, gipfelt die Anzeige bei 1479 –  rein rechnerisch gibt der Tank bei dieser Fahrweise also fast 1700 Kilometer her.

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Als wir über die deutsche Grenze fahren, ist noch immer ein Viertel im Tank.

Dass unter der Haube des ML 250 nur ein Vierzylinder steckt, habe ich da schon fast wieder vergessen. Klar klingen 2,2 Liter Hubraum und 204 PS bei mehr als zwei Tonnen nicht nach einem Geschwindigkeitsrausch. Doch bei maximal 500 Nm muss man das Gaspedal eigentlich nur streicheln, wenn man das Tempolimit einhalten will. Es geht hinauf in die Pyrenäen, hinunter in die Camargue und weiter ins Rhonetal. Bei Montpellier bewegt sich doch tatsächlich zum ersten Mal die Tankuhr. Aber lange vor der Halbzeit bei Lyon stehen schon wieder 6,7 Liter auf dem Schirm. Zwischen Besancon und Dijon haben wir die Hälfte des Sprits verfahren, bei Socuax sind zwei Drittel weg, und als wir nach dem Stau um Straßburg endlich bei Rastatt über die deutsche Grenze fahren, ist noch ein Viertel im Tank.

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Nach Stuttgart sind es da noch gute 100 Kilometer, und so langsam wächst in uns der Übermut: Einfach mal Gas geben und ausprobieren, wie wahr die anderen Werte im Datenblatt sind? Immerhin soll der Zweitonner in neun Sekunden auf Tempo 100 stürmen und 210 km/h erreichen. Schon der Gedanke macht mir ein schlechtes Gewissen. Längst geht es nicht mehr um Fahr-, sondern um Sparspaß – und der Ehrgeiz ist viel zu groß, als dass ich mir den guten Wert versauen würde.

Auch die Verlängerung nach München oder Frankfurt verkneifen wir uns – obwohl noch genügend Sprit im Tank wäre. Wir haben schließlich einen Termin mit einem Tankwart in Stuttgart: Dort füllen wir die M-Klasse wieder randvoll und erleben nach exakt 1269 Kilometern eine angenehme Überraschung: 80,2 Liter laufen in den Tank, und der Taschenrechner straft den Bordcomputer Lügen: Nicht 6,4, sondern 6,3 Liter haben wir auf 100 Kilometer verbraucht. Auch das ist zwar etwas mehr, als die Ingenieure versprochen haben. Doch waren wir nicht wie bei der NEFZ-Messung nur 20 Minuten im Labor, sondern am Ende ziemlich genau 13 Stunden auf der Autobahn. In der Zeit haben wir gelernt, dass der Normwert nicht nur Prüfstandsprosa ist. Und was die kleine Abweichung angeht, wird der sparsame Schwabe eben zum Kölner: Man muss auch jönne könne.

Autor: Thomas Geiger

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