Mini Cooper F56 (2014): Fahrbericht

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Mini Cooper F56 (2014): Fahrbericht

— 31.01.2014

So fährt der neue Mini

Im 192 PS starken Mini Cooper S werden Erinnerungen an die Pocket Rocket aus den 60er-Jahren wach. Wir sind den coolen Briten bereits gefahren.

Der neue Mini sieht auf den ersten Blick fast so aus wie der alte. Es wurde aber kein Teil übernommen!

Es sind nur zwei kleine Grafiken im Untermenü des Bordcomputers, aber sie sprechen Bände: Wer im neuen Mini den "Driving Mode" auf Sport stellt, der sieht eine kleine Rakete und ein Go-Kart über den Bildschirm flirren. Und wer danach aufs Gas tritt, der weiß, wie ernst es den Briten damit ist. Denn es gibt ganz sicher billigere und bessere Kleinwagen als den Bonsai-BMW aus dem Vereinigten Königreich, es gibt Dutzende von Stadtflitzern die praktischer sind, wertiger, ernsthafter und ergonomischer. Und auch mit seiner kunterbunten Modemasche ist der Mini längst nicht mehr alleine. Doch dieses Gefühl von der Pocket Rocket, jener Rakete für die Westentasche, die wie ein Go-Kart um die Ecken flitzt, das ist auch im neuen Mini unerreicht. Erst recht, wenn zur ersten Ausfahrt vor der Markteinführung im Frühjahr ausgerechnet der Cooper S bereit steht.

Der neue Mini Cooper F56

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Unter seiner knuffigen Haube steckt jetzt ein neuer, zwei Liter großer Vierzylinder aus dem BMW-Regal, dem ein Turbo stolze 192 PS einbläst. Der Motor knurrt schon beim Start laut und vernehmlich und schreit förmlich nach dem ersten Gasstoß, den er mit einem flotten Sprint quittiert. Immerhin mobilisiert er im Overboost 300 Nm, mit denen er die kleine Knutschkugel zur Kanonenkugel macht und in 6,8 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt. Und Schluss ist erst bei 235 km/h.

Scharfe Rezeptur aus drei Töpfen

Im Cockpit ist der Mini erwachsen geworden. Weniger Spielzeug, mehr echtes Auto – und trotzdem mehr Knöpfe als jeder Gameboy.

Aber es ist nicht allein die Längsdynamik, auf die es beim Mini ankommt. Sondern wie eh und je ist der Kleine der König der Kurven, die dem Mini gar nicht eng genug sein können. Das dicke Lenkrad fest in der Hand und die Augen an die Ideallinie geheftet, fühlt er sich tatsächlich an wie das Go-Kart auf dem Display, so rasant rasiert er durch die Radien. Dabei hilft ihm das elektronische Torque Vectoring genauso wie die vom ESP simulierte Differentialsperre oder die neuen Achsen. Natürlich ist der Cooper S vorerst der heißeste Feger in der Flotte. Aber bei allem Vergnügen haben sie die Vernunft nicht vollends vergessen. Denn diesseits des S-Modells bauen die Ingenieure nur noch auf Dreizylinder. So fahren Cooper und Cooper D mit zwei neuen 1,5-Liter-Motoren vor, die auf 136 und 116 PS kommen. Aber aus drei Töpfen serviert Mini eine scharfe Rezeptur: Der Benziner im Cooper mobilisiert 230 Nm, beschleunigt in 7,9 Sekunden von 0 auf 100 und schafft 210 km/h, und für den Diesel im Cooper D weist Mini 270 Nm, 9,7 Sekunden und 205 km/h aus. Obwohl die Motoren durch die Bank mehr Kraft bieten und einen größeren Elan entwickeln, haben sie weniger Durst: Im besten Fall sinkt der Verbrauch um 27 Prozent, so dass der neue Mini jetzt auf Durchschnittswerte zwischen 3,5 und 5,8 Litern kommt.
 

Der Kühlergrill ist, genau wie das ganze restliche Auto, etwas voluminöser geworden.

Nicht nur das Fahrgefühl ist im neuen Mini ganz das alte. Auch am Design hat sich auf den ersten Blick nicht viel geändert. Natürlich ist der Wagen wieder ein paar Zentimeter gewachsen und misst jetzt ziemlich stolze 3,82 Meter, obwohl dem Original vor über 50 Jahren mal 3,06 Meter gereicht haben. Und selbstredend gibt es kein einziges Blechteil, das vom Vorgänger übernommen wurde. Doch die optionalen LED-Brenner mitsamt dem serienmäßigen Tagfahrlicht hin und die schwarze Banderole ums Blech her – dank Knubbelhaube, Kulleraugen und Knackarsch sieht der Neue auf den ersten Blick aus wie der Alte.
 

Das klasische Rundinstrument ist erweitert worden und sitzt jetzt, wie es sich gehört, hinter dem Lenkrad.

Aber man muss nur in den Innenraum schauen, dann sieht man, dass sich die Designer doch keinen ganz so lauen Lenz gemacht haben. Am besten erkennt man das rund um den Fahrersitz. Nicht nur, weil man dort jetzt ein bisschen mehr Platz hat, die Sitze mehr Beinauflage bieten und weiter verstellt werden können. Sondern vor allem, weil das Cockpit jetzt aussieht wie bei einem echten Auto und nicht wie bei einem Spielzeug. Die Schalter sind größer, griffiger und vornehmer geworden und der Tacho endlich dorthin gerückt wo er auch hin gehört: Hinter das Lenkrad. Die schallplattengroße Infofläche über der Mittelkonsole bleibt zwar erhalten, bietet jetzt aber mehr Platz für das deutlich aufgewertete Infotainment mit Online-Anbindung und eigenem App-Store. Dazu gibt es dank drei Zentimetern mehr Radstand (jetzt 2,50 Meter) auch im Fond so viel Platz, dass dort zumindest ein Erwachsener halbwegs bequem sitzen kann – wenn er es denn durch die kurzen Türen und vorbei an den vorderen Sesseln irgendwie auf die Rückbank schafft. Der Kofferraum wächst um stolze 51 auf noch immer nicht so richtig konkurrenzfähige 211 Liter. Die Materialauswahl passt jetzt zumindest in den gehobenen Modellvarianten endlich zu den ambitionierten Preisen der Briten.

Zwischen High-Tech und Music-Box

Was man noch entdeckt bei der ersten Fahrt im neuen Mini, sind ein deutlich verbesserter i-Drive-Controller zwischen den beiden Frontsesseln und viele neue Knöpfe für jede Menge neuer Funktionen. So gibt es den Bonsai-BMW jetzt auch mit einem Head-up-Display, das wie bei Peugeot & Co auf Knopfdruck aus der Cockpitabdeckung klappt, man kann zum ersten mal in dieser Klasse den Charakter der Federung verändern, der Mini hält automatisch Abstand zum Vordermann und es gibt genau wie bei BMW so genannte Drive Modes, die auf Knopfdruck das Temperament beeinflussen und den Mini wahlweise zum Sparer oder Sportler machen. Aber Mini wäre nicht Mini, wenn es nicht auch wieder ein paar Spielereien gäbe: Um das Zentralinstrument gibt es deshalb zum Beispiel Lichtleisten, die bunt schimmern wie bei einer alten Music-Box – und der Startknopf sieht aus wie in einem Starfighter.
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Antrieb und Ambiente sind zwar nagelneu, doch mit seinem behutsam weiterentwickelten Design, dem verspielten Innenleben und vor allem dem unbändigen Fahrspaß bleibt auch der neue Mini ganz der alte. Das gilt übrigens auch für den Preis: Mit einem Grundpreis von aktuell 19.700 Euro für den Cooper kostet die dritte Auflage unter BMW-Regie gerade einmal 50 Euro mehr als ihr Vorgänger.

Autor: Thomas Geiger

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