Mini Paceman/Range Rover Evoque: Test

— 22.11.2012

Der verrückte SUV-Coupé-Check

Was, bitte schön, ist ein SUV-Coupé? Hmm, sicher ein schräger Mix. Wir
starten zur modischen Orientierungsfahrt mit Paceman und Evoque.



Nicht nur das rote Hemd. Der Dresscode der AUTO BILD-Tester passt nicht, wenn Mini seinen Paceman vorstellt. Seinen was? Den Paceman. So heißt die neueste Schrulligkeit der Marke, die es schafft, aus dem gleichen Stoff fünf verschiedene Kleider zu schneidern. Zuletzt Sonderlinge wie Roadster oder Coupé. Die spinnen, die Briten. Noch so eine Schrulle liegt darin, dass ihr meistgekauftes Modell keiner dieser flachen Slipper ist, sondern der erste Gummistiefel: das SUV Countryman. Die Kunden spinnen wohl auch. Wenn also Freude an Unvernunft zur beiderseitigen Zufriedenheit beiträgt, dann erscheint der Paceman geradezu logisch. So heißt das erste SUV-Coupé im Vier-Meter-Format, eine Kreuzung aus Offroad-Optik und schrägem Charme. So ein unvergleichbares Ding verlangt keinen Test im roten Hemd, sondern eine modische Orientierungsfahrt in Sakko und Gummistiefeln. Als Style-Kompass dient uns der unbestrittene Shootingstar dieser boomenden Szene – das Range Rover Evoque Coupé.

Überblick: Alle News und Tests zum Mini Paceman

Video: Mini Paceman vs. Range Rover Evoque

Zwischen Sakko und Gummistiefeln

1. Boulevard:
Die beiden parken auf ihrer Bühne, vorm Straßencafé. Die ersten Passanten bleiben stehen, gucken. Möglich, dass wir mit unseren Gummistiefeln leicht beknackt aussehen, die beiden Hauptdarsteller dagegen genießen sympathische Aufmerksamkeit. Vor allem der Evoque. Man lächelt, nickt. Warum bloß? Der Range Rover kombiniert die breiten Schultern eines Geländetyps mit einem niedrigen Dach, als hätte er seine Schiebermütze tief ins Gesicht gezogen. Ein SUV ohne massiges, kantiges Heck. Dass seine Scheiben Schießscharten gleichen, dass nur zwei Türen unpraktisch sind – das Publikum sieht das. Und übersieht es. Typischer Coupé-Effekt, den wir auch am Paceman erleben. Vorn setzt er optische Mini-Signale wie die runden Kulleraugen oder die A-Säule, die bis ins Radhaus läuft, hinten treibt er die Keilform ähnlich toll wie der Evoque. Ein serienmäßiger Spoiler verlängert das farbig abgesetzte Dach, dazu bekommt die modebewusste Mini-Gemeinde frische Gimmicks: Quer angeordnete Rückleuchten und der Schriftzug auf der Hecktür betonen die Breite, eigene Farben wie das kupferne „Brilliant Copper“ den Abstand zum Countryman. Zudem kostet der Paceman weitere 1200 Euro mehr als der ohnehin nicht billige SUV. Mehr Geld für weniger Nutzwert – die alte Coupé-Maßgabe erfüllt der Paceman selbstbewusst.

Überblick: Alle News und Tests zum Range Rover Evoque

Sein wahrscheinlichstes Habitat ist die Großstadt, aber der Land Rover Evoque ist auch geländetauglich.

2. Gelände:
Ab ins Gelände, wir testen die beiden auf ihr Gummistiefel-Potenzial. Dabei treten diese Schönlinge an, als wollten sie mit Taucherflossen klettern gehen. Auf den 19-Zoll-Rädern mit dem flachen Profil und breiten 235er-Reifen des Testwagens würde unser Evoque nicht weit kommen, wenn es mal dreckiger zuginge. Ansonsten hätte er das Rüstzeug dazu. Als echter Range Rover, jüngster Spross der britischen Offroad-Monarchie, verfügt er über das hauseigene "Terrain Response System", eine Versicherung gegen den größten Schlamassel. Mit einem Schalter kann der Fahrer den permanenten Allrad an jeden Untergrund anpassen oder den Evoque hochpumpen. Stolz nennt Range Rover Zahlen für Böschungswinkel und Bodenfreiheit, unter die Räder nimmt er doch nur Bordsteine. Der Paceman ist 170 Kilo leichter, hat schmalere Räder und kürzere Überhänge. Beste Bedingungen, um das SUV raushängen zu lassen – theoretisch, denn im Vergleich zum Range ist er ein Weichei. Netter gesagt: ein Stadtkind, das nur die Vorderräder antreibt und im Matsch nicht weiterkommt als jeder normale Kompakte. Mini bietet zwar für 1700 Euro einen Allradantrieb, aber den ordern schon beim Countryman nur 25 Prozent aller Kunden. Im Paceman sicher noch weniger. Wer will sich schon die Spoiler zerkratzen? Da ist der Mini mehr Coupé als SUV.

3. Straße: Deshalb lässt Mini im ersten Testwagen den "All4"-Antrieb weg und spart so 65 Kilo Gewicht, was die 184 PS vorn noch schärfer macht. Der 1,6-Liter-Turbo streut seinen Pfeffer genau dort, wo man sich im Alltag am meisten bewegt – bei mittleren Drehzahlen. Dann wird der Paceman seinem Namen gerecht. Nach 7,8 Sekunden stehen 100 km/h auf dem Pizza-Tacho, mit dem serienmäßigen Sportfahrwerk rückt er der Straße wieder zehn Millimeter näher. Das Fahrgefühl? Irgendwo zwischen Countryman mit mehr Testosteron oder Clubman mit zu wenig Luftdruck, um mal in Mini-Kategorien zu sprechen. Natürlich bleibt es physikalischer Unsinn, den größten Vorteil eines Mini, seinen tiefen Schwerpunkt, in einem SUV erst herzuschenken, um ihn im Paceman häppchenweise zurückzuerobern. Dann doch gleich das Coupé? Nicht ganz, der Neue ist praktischer – und reizt zugleich, lieber einen Benziner zu bestellen. Der Dieselanteil dürfte weit niedriger liegen als beim SUV.

Im Evoque hat der Zweiliter-Benziner ähnlichen Raritäten-Status wie Trompeten im Dudelsack-Orchester. Klingt gut, geht auch, aber für die gleichen Fahrleistungen wie der Paceman braucht der Range schon 240 PS – und ein paar Liter Sprit mehr. Auf der Rennstrecke hat sein Fahrwerk schon mal bewiesen, wie viel Sporttalent in ihm steckt, aber die Reifen taten uns nachher leid. Nein, er ist mehr der Dieseltyp, in dem der Besitzer lieber schönen Luxus und die vielen Range-Rover-Schriftzüge genießt. Der Evoque tritt eine ganze Spielklasse höher, edler und teurer an als der Paceman. Sozusagen in Gummistiefeln mit Fell-Einsatz.

Technische Daten Mini Paceman Cooper S All4 Vierzylinder, Turbo, vorn quer • Hubraum 1598 cm³ • Leistung 135 kW (184 PS) bei 5500/min • max. Drehmoment 260 Nm bei 1700/min • Allradantrieb • Sechsganggetriebe • L/B/H 4115/1786/1522 mm • Kofferraumvolumen 330–1080 l • 0–100 km/h in 7,8 s • Spitze 212 km/h • Verbrauch EU-Mix 6,7 l Super • CO2 157 g/km • Preis ab 29.300 Euro.

Technische Daten Range Rover Evoque Coupé Si4 Vierzylinder, Turbo, vorn quer • Hubraum 1999 cm³ • Leistung 177 kW (240 PS) bei 5500/min • max. Drehmoment 340 Nm bei 1750/min • Allradantrieb • Sechsstufenautomatik • L/B/H 4355/1965/1605 mm • Kofferraumvolumen 550–1350 l • 0-100 km/h in 7,6 s • Spitze 217 km/h • Verbrauch EU-Mix 8,7 l Super • CO2 199 g/km • Preis ab 41.300 Euro.

Zwischen Sakko und Gummistiefeln

Der vollständige Artikel ist ab sofort in unserem Online-Heftarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden.
Mini Pacman, Range Rover Evoque

Veröffentlicht:

16.11.2012

Preis:

1,00 €


Joachim Staat

Joachim Staat

Fazit

Mini- und SUV-Hasser werden murren: Der Paceman sieht gut aus und trägt das SUV-Coupé in die kleine Klasse. Design, Image und Glamour zählen mehr als Nutzen und Vernunft – siehe Range Rover Evoque.

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