Nazi-Aufmarsch bei Autotreffen

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Nazi-Aufmarsch bei Autotreffen

— 06.06.2013

Wer stoppt den braunen Mob?

Auf dem größten VW-Treffen in Deutschland geben Neonazis den Ton an. Echte Autofans fühlen sich zurückgedrängt. Der Verfassungsschutz ist alarmiert!

Neonazis unterwandern die Autotreff-Szene in Deutschland. Vor allem in Ost-Deutschland nutzen die Rechten die Veranstaltungen für die Zurschaustellung ihrer Ideologie und Symbole. Bestes Beispiel ist das diesjährige VW-Pfingsttreffen in Bautzen, das nach Veranstalterangaben 32.000 Leute besuchten.

Aktuell: Der Staatsanwalt ermittelt!

AUTO BILD begleitete dabei einen dunkelhäutigen Franzosen bei einem Gang über die Veranstaltung. Die Reaktionen vieler Besucher erschrecken: "Ein Schwarzer!", brüllen sie ihm hinterher; "Neger!"; "Allahu akbar", den muslimischen Gebetseinstieg; Affenschreie. Manche lachen ihn aus.

NSU-Oldtimer-Fans werden als Nazis diskriminiert

NSU-Oldtimer-Fans werden als Nazis diskriminiert Manfred Schiemer (53), NSU Prinz 4 von 1969 Jochen Zieher (69) und Annika (5), NSU Sportprinz von 1965

Hoch die Fahne: Die Reichskriegsflagge ist vor allem abends ein gängiges Accessoire.

Auch sonst kann man den rechten Symbolen bei dem Autotreffen nicht entgehen: Kleidung von Thor Steinar, Reichsadler, rechtslastige Autokennzeichen. Auf Flecktarnzelten liegen Handtücher in den alten Reichsfarben Schwarz-Weiß-Rot. Auf der Flaniermeile tragen Teilnehmer T-Shirts mit Eisernem Kreuz und der Inschrift "Gestapo" oder schwarze Kapuzenpullis mit Hassparolen in Frakturschrift. Aus den Lautsprechern in den Autos schallen Lieder von rechtslastigen Bands wie Freiwild und verbotenen Gruppen. Dann kommen die Reichskriegsflaggen. Als Umhang, an den Wagen, vor Zelten. In einem Autokorso fährt ein mattschwarzer T3 Bulli, Aufschrift auf der Frontscheibe: "VW-Crew Sächsische Schweiz".

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Von Dach und Pritsche zeigen 15 Mann nach Belieben den Hitlergruß – und einer dabei das Hakenkreuz in seiner Achselhöhle. "Wie selbstverständlich hier strafrechtlich Relevantes zur Schau gestellt wird, ist erschreckend", sagt Michael Nattke, der Nazis im Auftrag der Hilfsorganisation Kulturbüro Sachsen beobachtet. "Hier wollen Neonazis zeigen, dass sie die Kontrolle übernommen haben."

Am Bulli dieser VW-Fans fuhren die Nazi-Autos immer wieder vorbei. Die Gruppe will sich den Spaß trotzdem nicht verderben lassen.

Echte Autofans stehen dem rechten Andrang ratlos gegenüber: "In diesem Jahr ist es mit den Nazis richtig schlimm geworden", sagt ein Autofreund gegenüber AUTO BILD. "Im Partyzelt war die Stimmung schon immer etwas aggressiv, aber dass sie hier auf dem Platz so offen auftreten, ist neu", heißt es an anderer Stelle. "Bei einem Großteil der Besucher scheint das Problembewusstsein zu fehlen, es vielleicht sogar Zustimmung zu geben", sagt Frank Metzger vom Antifaschistischen Pressearchiv. Rassismusforscher Andreas Hieronymus fragt sich, ob es sich um eine zufällige Ansammlung oder eine gezielte Unterwanderung handelt: "Dafür bräuchte man Leute, die für Agitation anfällig sind. Die gibt es hier. Und dazu strategisch denkende Akteure, die versuchen, sie beispielsweise durch bewusst geschickte Agitatoren weiter anzustacheln." Sachsens Verfassungsschutz will den Hinweisen von AUTO BILD jetzt nachgehen.

Die rechte Szene nutzt eine eigene Zahlen-Symbolik: 18 steht zum Beispiel für "Adolf Hitler".

Der Veranstalter glaubt derweil nicht, dass sich Neonazis in großem Stil auf dem Gelände breitmachen: "Wir distanzieren uns von jeglicher Art von rechtsradikalem Gedankengut und würden eine Präsentation, egal in welcher Form, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln unterbinden", antwortet die Firma Idecon auf Nachfrage. Möglicherweise wissen das nicht alle 130 Ordner. Manche nähren mit Springerstiefeln oder Tätowierungen den Verdacht, dem rechten Rand Kameradschaftsdienst zu leisten. Und während sie lauter Musik oder Lagerfeuern unnachgiebig entgegentreten, bleiben die rechten Symbole unkommentiert. "Wir sind zu wenige. Ich bin schon zufrieden, wenn sie langsam fahren, damit niemand verletzt wird", sagt einer.

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