Öko-Label für Neuwagen

Öko-Label für Neuwagen

— 11.04.2011

Triumph der Lobbyisten

"Etikettenschwindel", "Knicks vor der Automobil-Lobby": Das Öko-Label der Regierung stößt auf scharfe Kritik. Dennoch soll der Auto-Energiepass noch 2011 kommen.

Augen auf beim Autokauf! Und Vorsicht vor einem bunten Zettel, der noch im laufenden Jahr 2011 neben dem Preisschild von Neuwagen auftauchen wird: dem Auto-Energiepass. Das von Kühlschränken und Waschmaschinen bekannte Dokument ist das Papier nicht wert, auf dem es gedruckt ist. Denn bei der Suche nach einem umweltfreundlichen Fahrzeug hilft das Öko-Label kaum. "Für den Verbraucher sind keine Vorteile erkennbar", sagt Volker Lange, Präsident des Importeursverbands VDIK. Michael Müller-Görnert vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) spricht von einer "Mogelpackung". Es gehe weniger um Klimaverträglichkeit, sondern um "die Befindlichkeit der deutschen Autoindustrie".

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VDA-Präsident Wissmann (M.) im Kreis von Kanzlerin Merkel (CDU), Wirtschaftsminister Brüderle (FDP; l.) und Verkehrsminister Ramsauer (CSU, r.).

Trotz scharfer Proteste von Politik und Verbänden hat der mächtige Verband der Automobilindustrie beim Bundeswirtschaftsministerium seine Interessen durchgeboxt. Während der geheimen Lobbygespräche machten Deutschlands Autobosse Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) schnell klar, dass prestigeträchtige Fahrzeuge wie zum Beispiel die Mercedes S-Klasse nicht als Verlierer dastehen dürfen, berichtet ein Insider. Grund: Hätte man ausschließlich den CO2-Ausstoß für die Einstufung in eine der acht Kategorien zugrunde gelegt, wären schwere SUV und Limousinen made in Germany schnell im roten Bereich gelandet. Blechsaurier erhalten daher einen Massebonus. Pro Kilo Leergewicht dürfen sie im Verhältnis mehr CO2 ausstoßen als etwa ein Kleinwagen.

Hier finden Sie 160 CO2-Zwerge

Absurd: Theoretisch würden ein paar werkseitig eingebaute, rund 120 Kilo schwere Bleiplatten genügen, um einen BMW X6 xDrive 40d in die nächstbessere Kategorie B zu hieven. Dem Mercedes CLS 250 CDI fehlen etwa 180 Kilo zur Traumnote A+. Nicht gerade ein Anreiz, leichte und verbrauchsarme Autos zu konstruieren. Der Umwelt dürfte es nämlich egal sein, ob ihr das CO2 aus dem Auspuff eines schweren oder leichten Autos zusetzt. Trotzdem wird ein Fiat 500 1.4 16V mit 139 Gramm CO2 nur in Klasse F eingestuft, ein Audi Q7 3.0 TDI dagegen bekommt ein B – obwohl er 50 Gramm mehr ausstößt.

Alle Marken, alle Modelle

Weil die Stinker-Formel vor allem Kleinwagen aus Frankreich und Italien benachteiligt, haben diese Staaten in Brüssel Protest eingelegt. Begründung: Deutschlands Energiepass benachteilige den Wettbewerb innerhalb Europas. Auch die Importeure, mit immerhin 35 Prozent Marktanteil bei Neuzulassungen, fühlen sich in den Gesprächen mit der Politik übergangen: "Eine frühzeitige Einbindung in die Abstimmungsprozesse hätte hier sicherlich für mehr Klarheit gesorgt", so VDIK-Chef Lange. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Jürgen Trittin wird deutlicher: "Die Bundesregierung ist einmal mehr vor der Automobil-Lobby eingeknickt."

Autoren: Claudius Maintz, Frank Rosin

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