Ölwechsel selbstgemacht – so geht's!

Ölwechsel: Kosten, Intervalle und Viskositäten

So läuft es wie geschmiert

Wie oft ist ein Ölwechsel fällig, was kostet er und kann ich das nicht auch selber machen? AUTO BILD erklärt, was man zum Tausch des Motoröls wissen muss.

Video: Ratgeber Ölwechsel (2016)

Ölwechsel selber machen

Im Schnitt fährt jeder Deutsche im Jahr ca. 14.000 Kilometer mit seinem Auto. Auf jedem einzelnen Kilometer wird dem Motor eine Menge abverlangt. Nicht selten fliegen die Kolben mit bis zu 17 Metern pro Sekunde durch die Zylinder und die Kurbelwelle dreht mit 6000 Umdrehungen und mehr in der Minute. Um diese Belastungen über einen längeren Zeitraum zu ermöglichen, ist das Motoröl unverzichtbar. Regelmäßige Öl- und Ölfilter-Wechsel sind daher wichtig. AUTO BILD erklärt, was es zu beachten gilt und wie man sich im Dschungel aus Mineral-, Synthetik-, Leichtlauf- und Longlife-Ölen zurechtfindet.

Darum ist der Ölwechsel so wichtig

Die Aufgaben, die das Motoröl erfüllen muss, sind vielfältig und allesamt ungemein wichtig. So sorgt ein Schmierfilm dafür, dass die beweglichen Motor-Teile nicht aneinander reiben. Ohne den schützenden Schmierfilm würden sich Kolben und Zylinderlauffläche binnen kürzester Zeit festfressen – das hätte einen Motor-Totalschaden zur Folge. Zudem sorgt der Öl-Schmierfilm für positive Nebeneffekte: die Feinabdichtung zwischen dem Abstreifring des Kolbens und der Zylinderlauffläche sowie die kühlende Funktion an thermisch beanspruchten Teilen. Außerdem nimmt es auf seinem Weg Schmutzpartikel wie Verbrennungsrückstände und feinsten metallischen Abrieb mit. Die Rückstände können sich so nicht ablagern und werden beim Ölwechsel mit entsorgt.

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Unterschiede: Das richtige Motoröl finden

Im Zubehörhandel ist das Angebot umfangreich. Die aufwendige Herstellung macht Synthetiköle im Vergleich zum Mineralöl zur teureren Wahl.

Unterschieden wird bei Motorölen primär zwischen mineralischen und synthetischen Ölen. Hergestellt werden beide aus Erdöl. Der Unterschied: Dem Mineralöl müssen nachträglich Additive zugesetzt werden, die dessen Eigenschaften verbessern. Das Synthetiköl wird bereits bei der Herstellung chemisch positiv beeinflusst – die Moleküle werden exakt nach den Vorstellungen der Hersteller zusammengesetzt. Dieser Herstellungsprozess ist aufwendig, weswegen sich der Unterschied zwischen Mineral- und Synthetikölen auch im Preis bemerkbar macht. Mineralöle sind deutlich günstiger als Synthetiköle. Dafür zeigen synthetische Motoröle sowohl bei kalten Temperaturen ein besseres Fließverhalten als auch bei hoher Belastung im Motor mehr Widerstandsfähigkeit: Der Schmierfilm hält höheren Belastungen stand, und die Öle sorgen für eine bessere Kühlung. Mineralöle erhalten diese Eigenschaften teilweise durch das nachträgliche Hinzufügen der Additive im Herstellungsprozess, deren Wirkung lässt aber im Laufe der Zeit nach. Mineralöle behalten ihre Eigenschaften also nicht so lange wie Synthetiköle. Wichtig bei der Auswahl des Öls ist vor allem, auf die Freigaben der Motoröle durch den Hersteller zu achten. Die möglichen Codes wie etwa VW 505.00 oder Mercedes-Benz 229.1 stehen auf der Verpackung. Finden sich keine Herstellerfreigaben, müssen Sie auf die ACEA- oder API-Spezifikationen achten (ACEA steht für "Association des Constructeurs Européens d’Automobiles", API für "American Petroleum Institute"). Entsprechende Angaben zum richtigen Öl finden Sie in der Betriebsanleitung zum Auto. Ist die Verwendung eines Synthetiköls nicht vorgeschrieben, können bedenkenlos auch Mineralöle verwendet werden. Unter den Synthetikölen finden sich viele Spezial-Öle, wie etwa Low-Ash-Motoröle für Dieselmotoren, die fast aschefrei verbrennen. Oder Leichtlauföle, die beim Spritsparen helfen sollen. Wer sich für ein Synthetiköl entscheidet, sollte aber auch beim Nachfüllen ein Öl dieser Art verwenden.

Motoröl-Abkürzungen

SAE-Klasse

Die Angabe 5W-40 auf der Dose kennzeichnet die SAE-Klasse ("Society of Automotive Engineers"). Sie beschreibt die Viskosität. Das ist das Maß für die Fließeigenschaften des Öls. Die vor dem Buchstaben "W" (für Winter) gekennzeichnete Zahl beschreibt die Fließeigenschaften bei Kälte. Je kleiner die Zahl, desto schneller und besser fließt das Öl bei Kälte an die wichtigen Schmierstellen im Motor. Die Zahl ohne "W" beschreibt das Fließverhalten bei einer Temperatur von 100 Grad.

15W-40

Motoröl mit der Viskosität 15W-40 ist die heute übliche Standardqualität. In der Regel für viele ältere Motoren geeignet. Im Winter einsetzbar bis zu minus 20 Grad.

10W-40

 Diese Öle bieten einen kostengünstigen Einstieg in die Leichtlaufklasse. Sie sind im Winter ohne Probleme bis zu einer Temperatur von minus 25 Grad einsetzbar.

5W-40

 Teil- oder vollsynthetisch hergestellt, bietet dieses Öl verbesserte Kaltstarteigenschaften im Winter bis zu minus 30 Grad. Außerden kann es beim Spritsparen helfen.

0W-40

 Vollsynthetisches Motoröl mit niedrigstmöglicher Viskosität bei Kälte – bis zu minus 35 Grad – und optimaler Schmierfähigkeit im oberen Temperaturbereich.

5W-30

 Hochleistungs-Leichtlauföl für Motoren mit langen Ölwechselintervallen. Im Winter nicht zu dick-, im Sommer nicht zu dünnflüssig. Auch für Diesel mit Partikelfilter erhältlich.

Ölwechselintervall: Wie oft Ölwechsel sein müssen

Welches Motoröl benötigt wird und wann ein Wechsel fällig ist, verrät die Betriebsanleitung.

In welchen Abständen ein Ölwechsel nötig ist, steht im Bordbuch des jeweiligen Fahrzeugs. Es nennt die Laufleistung oder den Zeitraum, in dem das Öl gewechselt werden sollte – beispielsweise alle 15.000 Kilometer oder einmal im Jahr. Wer viel kurze Strecken fährt und dem Wagen auch in kaltem Zustand gerne mal die Sporen gibt, der ist gut beraten, diese Intervalle etwas kürzer anzusetzen. Der Motor wird bei dieser Fahrweise zusätzlich beansprucht, das Öl infolgedessen auch. Für welches Öl man sich bei einem sogenannten festen Intervall entscheidet, hängt neben der Freigabe für den Motor auch stark von den persönlichen Prämissen ab. Übrigens: Unabhängige Tests haben gezeigt, dass auch preiswerte Motoröle aus dem Supermarkt oder vom Discounter taugen. Es muss also nicht zwangsläufig ein teures Markenöl verwendet werden.
Wer laut Fahrzeug-Handbuch auch ein sogenanntes dynamisches Wechselintervall wählen kann, der ist in diesem Modus hingegen zwingend an das vorgeschriebene synthetische Longlife-Öl mit vom Hersteller festgelegten Spezifikationen gebunden. Normalerweise ist ein Longlife-Öl gleichzeitig ein sogenanntes Leichtlauf-Öl mit einer SAE-Norm von zum Beispiel 0W40. Bei einem dynamischen Wechselintervall berechnet der Bordcomputer aus Parametern wie Ölstand, Bremsenverschleiß, Geschwindigkeit, Verbrauch und Drehzahl, wann ein Ölwechsel fällig ist und weist den Fahrer in der Anzeige darauf hin. Je nach Fahrweise sind so Intervalle von bis zu 30.000 Kilometern bei Benzinern und bis zu 50.000 Kilometern bei Diesel-Motoren möglich. Doch Vorsicht: Auch beim Nachfüllen muss das spezielle Longlife-Öl verwendet werden. Man sollte also immer etwas Öl zum Nachfüllen dabei haben. Die Ölmenge, die bei einem Wechsel eingefüllt werden muss, hängt primär vom Hubraum des Motors ab und steht detailliert im Bordhandbuch. Im Schnitt beträgt die Füllmenge bei modernen Motoren zwischen vier bis sechs Liter Motoröl. Wird der Ölfilter mit gewechselt, steigt die Füllmenge um ein paar hundert Milliliter, da sich auch im Filter noch Öl befindet. Hubraumstärkere Aggregate benötigen teilweise bis zu zehn Liter. Teuer wird es bei ganz großen Motoren: So besitzt der Audi A8 6.0 quattro (W12) einen Motorölinhalt von rund 13 Litern.

Ölfilter beim Wechsel nicht vergessen

Bei jedem Ölwechsel sollte auch der Ölfilter mit gewechselt werden. Er kostet meist nur wenige Euro.

Wichtig: Bei jedem Ölwechsel sollte auch der Ölfilter gewechselt werden. Er filtert Schmutzpartikel und Metallabrieb aus dem Öl und setzt sich mit der Zeit zu. Den Ölfilter unabhängig vom Öl zu wechseln ist im Umkehrschluss allerdings nicht ratsam, da das nichts daran ändert, dass das Öl altert und sich die enthaltenen Additive abbauen. Aus diesem Grund sollte auch das Öl in einem möglicherweise installierten Ölkühler gewechselt und in diesem Zusammenhang der Ölkühler gleich entlüftet werden.

AUTO BILD erklärt die Öl-Codes

Ölwechsel selber machen: Tipps

Je nach Fahrzeug kann man beim selbst durchgeführten Ölwechsel bis zu 150 Euro sparen.

Wer den Ölwechsel selber vornimmt, kann Geld sparen. Im Zubehörhandel ist das benötigte Werkzeug für einen Ölwechsel schon ab zehn Euro zu haben, ein Ölfilter mit Dichtungen kostet ebenfalls etwa zehn Euro. Auch Longlife-Markenöle (benötigt werden meist zwischen 3,5 und sieben Liter) kosten im Fachhandel durchschnittlich ab zehn Euro pro Liter. Dort kann im Anschluss an den Ölwechsel auch das abgelassene Altöl kostenlos zur Entsorgung wieder abliefert werden. Empfehlenswert ist auch der Besuch einer Selbsthilfe-Werkstatt. Hier stehen nicht nur Hebebühnen zur Anmietung zur Verfügung. Kundiges Personal kann mit Rat und passendem Werkzeug behilflich sein, und das abgelassene Altöl kann vor Ort (gegen Gebühr) fachgerecht entsorgt werden. Übrigens: Bei einer hohen Laufleistung empfiehlt sich auch der Wechsel des Getriebeöls. Zwar geben Hersteller auf das hier eingefüllte Öl, das die im Getriebe arbeitenden Zahnräder schmiert, eine lebenslange Garantie, doch natürlich sammelt sich auch im Getriebeöl Metall-Abrieb an. Wir raten daher, bei einer Inspektion nicht nur die Füllmenge, sondern auch die Qualität des Getriebeöls prüfen zu lassen.

Ölwechsel in zehn Schritten erklärt

Schritt 1: Motor warm fahren. So wird das Öl dünnflüssiger und fließt besser ab, zudem werden Verunreinigungen im Motor gelöst. Das Öl hält die Partikel in der Schwebe, sie werden beim Ölwechsel mit rausgeschwemmt.
Schritt 2: Wagen von unten zugänglich machen. Das kann entweder durch eine Grube unter dem Wagen oder eine Hebebühne geschehen. Ein vorderes Aufbocken ist nicht sinnvoll, da der Wagen waagerecht stehen muss. Vor der Arbeit unter dem Auto das Fahrzeug entsprechend sichern.
Schritt 3: Öldeckel im Motorraum öffnen, damit im Motor kein Unterdruck entsteht. Wenn nötig, Unterbodenverkleidung unter dem Motor abbauen.
Schritt 4: Auffangbehälter für Altöl unter der Ölauslassschraube der Ölwanne positionieren.
Schritt 5: Öffnen der Ölablassschraube. Dabei am besten Handschuhe benutzen, um das Verbrennungsrisiko zu minimieren. Achtung: Schon bei leicht herausgedrehter Schraube beginnt das Öl herauszulaufen. Alternativ kann man auch eine Absaugpumpe verwenden. Sie ist ab rund 30 Euro zu haben und pumpt über ein langes Rohr das Altöl über die Öffnung des Ölpeilstabs ab.
Schritt 6: Ölfilter wechseln. Noch während das Öl abfließt, kann der Ölfilter mit einem Filterschlüssel abgedreht werden. Achtung: Prüfen, ob auch die Gummidichtung des Ölfilters mit entfernt wurde.
Schritt 7: Neue Gummidichtung mit etwas Öl benetzen und einsetzen. Dann den neuen Ölfilter von Hand festschrauben. Er muss zwar fest sitzen, doch mit Gewalt darf er nicht festgezogen werden.
Schritt 8: Nachdem das Öl abgeflossen ist, wird die Ablassschraube der Ölwanne zusammen mit einer neuen Dichtung wieder festgeschraubt. Hierbei empfiehlt es sich, einen Drehmomentschlüssel zu verwenden.
Schritt 9: Jetzt kann das neue Öl eingefüllt werden. Um die exakte Menge einfüllen zu können, empfiehlt sich die Verwendung eines Messbechers. Wie viel Öl der Motor benötigt, steht im Bordhandbuch des Autos.
Schritt 10: Nach dem Befüllen wird der Öldeckel geschlossen und der Motor gestartet, um das Öl zu verteilen. Nun kann mit dem Ölmessstab kontrolliert werden, ob die korrekte Menge eingefüllt wurde. Im Zweifel muss nachgefüllt oder abgelassen werden.

Das kostet ein Ölwechsel in der Werkstatt

Wo man einen Ölwechsel durchführen lässt, oder ob man ihn selbst macht, ist eigentlich nur eine Frage des Geldbeutels und der eigenen Fähigkeiten. Denn selbst während der Garantiezeit ist es nicht zwingend notwendig, den Ölwechsel in einer Vertragswerkstatt machen zu lassen. In jedem Fall lohnt es aber, im Vorfeld in der Werkstatt nach den Preisen der verwendeten Öle zu fragen. Oft werden hier deutlich höhere Preise verlangt als im Zubehörhandel. Daher der Tipp: Öl selber kaufen und zur Werkstatt mitbringen. Allerdings sperren sich nicht nur Vertragswerkstätten oft dagegen, da sie mit dem selbst berechneten Öl einen zusätzlichen Gewinn machen. Der Preis für den Ölwechsel in der Werkstatt wird durch drei Faktoren bestimmt: Einfüllmenge, Literpreis des Öls und Arbeitslohn. Die beiden letzten Faktoren sind im Grunde variabel, doch viele Werkstätten berechnen den Lohn für den Wechsel auch pauschal. In einer Vertragswerkstatt wird ein Ölwechsel etwa ab 100 Euro angeboten. Freie Werstätten sind meist günstiger.
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Autor: Jan Kriebel

Stichworte:

Motoröl

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