Opel Astra A Caravan (1991-1998)

Gebrauchtwagen Opel Astra A Gebrauchtwagen Opel Astra A

Opel Astra A Caravan (1991-1998)

— 25.02.2002

Wie geht's dem Sorgenkind?

Eltern haften für ihre Kinder – beim ersten Astra hatte Opel Gelegenheit dazu. Und kurierte viele Kinderkrankheiten bereits im Jugendalter.

Verarbeitung und Karosserie

Leicht hat es der Astra nie gehabt. Vor sechseinhalb Jahren trat der Kompakte in die Fußstapfen des Quotenkönigs Kadett und sollte endlich den Golf vom Thron stoßen Doch der Serienstart mißriet gründlich, viele Pannen verärgerten die Kunden. Jedoch: Weder zahlreiche Rückruf-Aktionen noch die anfangs schlechte Rostvorsorge schadeten Opels Sorgenkind nachhaltig. Zumal der Astra im Laufe seines Lebens viele seiner Kinderkrankheiten auskurieren konnte.

Dazu gehören Klappergeräusche des Armaturenbretts, die Opel seit 91 erfolgreich mit Silikon bekämpfte, wackelnde Vordersitze sowie die Laderaumabdeckung vom Caravan. Ins traurige Kapitel Verarbeitungsmängel fallen ebenso unsauber eingebaute Verkleidungen wie ungleiche Spaltmaße an Türen und Hauben. Damit nahm Opel es erst ab 94 genauer. Auch vor Wassereinbruch im Kofferraum blieben Astra-Besitzer bis Modelljahr 93 nicht verschont. Die Dichtungen an Heckklappe und Leuchten wurden danach geändert.

Zuwenig Wasser legt dafür oft den Heckwischer lahm – die Spritzwasserleitung reißt mit schöner Regelmäßigkeit. Allen noch in Erinnerung: der Tankstutzen-Skandal mit anschließendem Rückruf. Statische Aufladung konnte zu Stichflammen führen. Eine neue Manschette beseitigte das Problem – für Gebrauchtkäufer in jedem Fall ein Prüfpunkt. Die größte Sorge bei alten Astra sollte indes der Rostvorsorge gelten. Braun blüht es oft an der Heckklappe, am Tank, am Türschließblech und nahe den Fensterdichtungen. Schnell wird aus der Kinderkrankheit ein Altersleiden: Die Blechfalze des Unterbodens spreizen sich bei vielen Astra auseinander, verraten so versteckte Rostnester.

Technik und Innenraum

Opel-zuverlässig geben sich allegemein die Motoren. Freilich nur unter der Voraussetzung, daß der Zahnriemen alle 60.000 Kilometer getauscht wird. Sonst droht ein teurer Motorschaden. Anfällig sind nach Meldung unserer Lesertester außerdem die Zylinderkopfdichtung und, wie könnte es anders sein, die verdammte Wasserpumpe. Wann Opel dieses Problem wohl endlich löst?

Beliebt und verbreitet ist die 1,6-Liter-Maschine (71 oder 75 PS), der beim AUTO BILD-Dauertest im Mittel 8,1 Liter Super reichten. Zu schwach, laut und rauh sind die alten Saugdiesel mit 57 und 60 PS (bis 95). Die neueren Turbodiesel sind entschieden kräftiger. Flinker geht es mit den Benziner-Varianten (90 und 115 PS) zur Sache. Und das Pendant zum GTI heißt GSi und stürmt mit 125, 136 oder gar 150 Pferden vorwärts.

Über den üppigen Innenraum gäbe es fast nur Erfreuliches zu berichten, wenn, ja, wenn nicht wieder mal Kleinigkeiten Astra-Fahrern das Leben schwermachten. Fensterheber, Zentralverriegelung und Spiegelverstellung gehen gerne mal in unbefristeten Streik. Und beim seit 94 serienmäßigen Doppelairbag mußte Opel erneut nachbessern: Wegen einer möglicherweise lockeren Steckverbindung wurden alle Astra in der Werkstatt überprüft.

Fahrverhalten und -komfort im frontgetriebenen Astra sind ausgewogen. Minimale Lastwechselreaktionen, stabil in fast jeder Kurvenlage, solide Federung. ABS ging im Sommer 96 in die Serie. Trotz aller Sorgen – das Astra-Kind ist für Opel ein Erfolgsauto, wie die Stückzahlen beweisen. Und diese Beliebtheit hat ihren Preis, der auch unter dem Druck des Nachfolgers nur ganz langsam bröckeln wird. Besonders der begehrte Caravan erweist sich als Preisgarant, während das Stufenheck weniger Freunde findet. Trotzdem: Empfehlenswert sind erst Astra ab Modelljahr 95, bei denen das Scheckheft verrät, daß die Sorgenkinder zumindest mit viel Liebe aufgezogen wurden.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 9/91 Modellstart des Astra (A, aber intern F genannt, weil der letzte Kadett-Code E hieß) als Drei- und Fünftürer sowie Caravan • 4/92 viertürige Stufenheck-Variante 3/93 Cabriolet auf Basis der Stufenheck-Version lieferbar 5/93 ABS bei CD-Modellen Serie 8/93 1,6- und 1,8-l-Vierventiler 6/94 Fahrer-Airbag serienmäßig 8/94 Modellpflege, weiße Blinkleuchten, neue Außenspiegel 2/95 neue 1,8- und 2,0-l-Motoren 2/96 neue Ausstattungsvarianten: Motion und Dream 9/97 Astra B (G) wird auf der IAA vorgestellt, aus Qualitätsgründen aber erst im März 98 ausgeliefert.

Schwachstellen •Zylinderkopfdichtung aus Kork brennt häufiger mal durch oder schwitzt Öl aus • Wasserpumpe defekt • Rostnester in Trägern und Blechfalzen, auch unter den Dichtungen der Heckklappe und unter den Fenstern sowie den Schwellern • Bremsscheiben schnell verschlissen • quietschende Keilriemen bis Modelljahr 93 (danach geänderter Riemen und automatische Spannrolle) • Zahnriemen reißt bei vernachlässigter Wartung • Elektrik (Zentralverriegelung, Zündanlage, Lichtmaschine)

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel eines Opel Astra 1.4 GL, 44 kW/60 PS, Baujahr 1994. Vertragswerkstatt-Ersatz ist günstig, aber noch billiger kann es der freie Teilehandel.

Fazit und Urteil

Fazit Wer sich einen jugendlichen Astra kauft, kann kaum danebenliegen. Ab 95 wurde die Verarbeitungsqualität besser, Mängel der ersten Serie wie quietschende Keilriemen abgestellt und vor allem der Rostschutz gründlicher. Schwachstellen sind nach wie vor die oft schwitzenden Kopfdichtungen und anfällige Wasserpumpen. Bei gebrauchten Astra sollte auf jeden Fall der Zahnriemen gecheckt werden, der nach etwa 60.000 Kilometern erneuert werden muß.

Ebenso prüfen: Wurden die Rückruf-Aktionen an Tankstutzen, Airbag und Kabelbaum dokumentiert? Und ein Tip für die Rostsuche: Auch unter den Dichtungen nach Rostnestern fahnden. Der 60-PS-Basismotor ist vor allem für den Kombi zu schwach, spritziger und zugleich sparsam sind die 75- und 90-PS-Benziner. Für Vielfahrer empfiehlt sich der neuere Turbodiesel mit 82 PS, die alten Saugdiesel sind zu schlapp und rauh.

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