Opel Astra H: Gebrauchtwagentest

Opel Astra H Opel Astra H

Opel Astra H: Gebrauchtwagentest

— 27.04.2010

Ein Opel für die Ewigkeit

Opel Astra, der ewige Zweite. Doch es ist nicht alles Golf, was in der Kompaktklasse glänzt. Der Opel Astra H überzeugt durch Qualität und Zuverlässigkeit. Und: Die Preise stimmen.

Fußball ist ein Spiel von 22 Leuten, die rumlaufen, den Ball spielen, und am Ende gewinnt immer Deutschland. Das Zitat von Englands Kicker-Legende Gary Lineker ist ein Satz für die Ewigkeit. Was das mit Autos zu tun hat? Kompaktklasse ist, wenn Astra, Focus und Co um Kunden kämpfen, und am Ende siegt immer der Golf. Ja, ja, der Golf. Vielleicht hat es sich noch nicht herumgesprochen, dass auch andere gute Gölfe bauen. Opel zum Beispiel. Der Astra H, 2004 vorgestellt, ist ein richtig gutes Auto. Es gibt ihn als fünftürige Limousine, als Dreitürer namens GTC, als Caravan, als Klappdach-Cabrio Astra TwinTop sowie höchst selten und auch erst seit 2008 mit Stufenheck. Warum den Astra kaufen? Weil der jetzt günstig ist. Mit 1,4 Litern und 90 PS gibt es einen knapp sechs Jahre alten Astra der allerersten Serie schon für 6500 Euro.
Technische Daten Opel Astra H
Motor Reihenvierzylinder/vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2
Hubraum 1598 ccm
kW (PS) bei U/min 77 (105)/6000
Nm bei U/min 150/3900
Höchstgeschwindigkeit 185 km/h
0-100 km/h 12,3 s
Getriebe/Antrieb Fünfgang/Vorderrad
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 52 l/Super
Kofferrauminhalt 350-1300 l
Leergewicht/Zuladung 1285/475 kg
Länge/Breite/Höhe 4249/1753/1460 mm

Die Materialien im Cockpit zeigen auch im Alter kaum Abnutzung.

Dann hat der Opel 100.000 Kilometer runter, aber noch ein langes Leben vor sich. AUTO BILD hat das getestet. Der Astra H war nach dem 100.000-km-Dauertest so gut drauf, dass wir ihn noch mal über die gleiche Distanz schickten. Am Ende des Tests stand dann folgendes Fazit: "Opel scheint wieder auf dem richtigen Weg zu sein." Bei Kilometer 47.094 sorgte ein Plastikstück im zentralen Kupplungsausrücker für einen Liegenbleiber, nach 186.369 km war ein defekter Nockenwellensensor (13,20 Euro) schuld, dass sich der Astra 1.9 CDTI nicht mehr starten ließ. Innen sah man dem Astra die 200.000 km nicht an, Armaturenträger, Teppich und Sitze zeigten kaum Abnutzungserscheinungen. Ein Opel für die Ewigkeit?
Kosten für die empfohlene Motorvariante 1.6 (105 PS)
Unterhaltskosten
Testverbrauch-CO2 8,2 l S/100 km-190 g/km
Inspektion 200 bis 450 Euro
Haftpflicht (15)* 476 Euro
Teilkasko (16)* 76 Euro
Vollkasko (15)* 445 Euro
Kfz-Steuer (Euro 4) 108 Euro
* Onlinetarif der HUK24-Versicherung, Zulassung in Hamburg, Fahrer: Versicherungsnehmer und Partner (25 Jahre alt), jährliche Fahrleistung 15.000 km, Beitragssatz 100 Prozent
Ersatzteilpreise**
Lichtmaschine 910 Euro
Anlasser (AT) 340 Euro
Wasserpumpe 190 Euro
Zahnriemen 200 Euro
Endschalldämpfer 255 Euro
Kotflügel vorn, lackiert 455 Euro
Bremsscheiben und -klötze vorn 410 Euro
** inklusive Lohnkosten und 19 Prozent Umsatzsteuer

Die AUTO BILD Probefahrt

Problematisch: undichte Antriebswellenmanschetten und ausgeschlagene Spurstangenköpfe.

So sieht ein Opel der Vernunft aus: Unser Astra H hat einen 1,6-Liter-Benziner mit 105 PS unter der Haube und 68.500 km auf dem Tacho. Die "Elegance"-Ausstattung mit Velourssitzen und Holz-Dekorleisten ("Brasilia") in Instrumententafel und Vordertüren ist Geschmackssache. Wer so was geordert hat, der schreckt auch vor einer Schrankwand in Eiche rustikal nicht zurück. Ansonsten ist alles da, was man braucht: Paket "Cool" mit Klimaanlage und CD-Radio, 16-Zoll-Aluräder, der Lack glänzt in Silbermetallic, sogar eine Anhängekupplung (nachträglich montiert, nicht abnehmbar) ist dabei. Und ein lückenlos geführtes Serviceheft, immer vom gleichen Autohaus.

Gut 21.000 Euro hat der Opel mal gekostet, Dello in Hamburg will 8490 Euro, 840 Euro über EurotaxSchwacke. Fünfeinhalb Jahre hat der Astra auf dem Buckel. Man merkt es nicht. Klappergeräusche, Knarzen? Nichts da, der Astra fühlt sich an wie ein Jahreswagen. Und fährt sich auch so, das Fahrwerk gehört noch immer zum Besten, was es in dieser Klasse gibt, die Lenkung reagiert spontan auf kleinste Impulse. Auch auf der Hebebühne macht dieser Astra Spaß: null Rost, kein Ölverlust, eben werkstattgepflegt. 840 Euro über dem von EurotaxSchwacke ermittelten durchschnittlichen Verkaufspreis – hier sollte noch was gehen. Mit diesem Auto macht man jedenfalls nichts falsch.

Das macht Ärger

Lenkungsspiel: Eigentlich schneidet der Astra im AUTO BILD TÜV-Report 2010 passabel ab. Aber in einem Kapitel gibt’s die Rote Karte: Das Lenkungsspiel ist zu groß, viele Lenkgetriebe zeigen viel zu früh Verschleiß. Unter Ölverlust leiden einige der geprüften Astra H, die Mängelquote ist aber im Vergleich zum Durchschnitt nicht extrem hoch. Ein weiterer Kritikpunkt der TÜV-Prüfer ist der hohe Bremsscheibenverschleiß. Alles keine Macken, die richtig ins Geld gehen. Wenn unter der Haube ein Benziner arbeitet, besteht ohnehin nur ganz selten Anlass zur Sorge. Der 1.6er mit 105 PS zum Beispiel gilt als Dauerläufer, dessen Zahnriemen erst nach zehn Jahren oder 150.000 km gewechselt werden muss.

Inkontinent: Der TÜV stellt schon bei der ersten Prüfung erhöhten Ölverlust am Antrieb fest.

Etwas Aufmerksamkeit sollte man den Spurstangenköpfen widmen, die sehr oft ausgeschlagen sind. Wenn die Klimaanlage nicht mehr die gewünschte Wirkung erzielt, kann das zwei Gründe haben: fehlendes Kühlmittel, oder der Klimakompressor hat schlappgemacht. Das passierte im AUTO BILD-Dauertest nach 170.000 km. Kosten: knapp 1800 Euro. Im AUTO BILD-Kummerkasten sind Klagen über ausgeleierte Keilriemen-Spannvorrichtungen bekannt. Und: Augen auf bei Astra-H-Modellen der ersten Serie. Durch einen Montagefehler rissen häufiger die Manschetten der Antriebswellen. Spinnt die Elektronik, kann das an korrodierten Massepunkten liegen. Aber, wie gesagt: Einen richtigen Mängelschwerpunkt gibt es beim Astra H nicht.
Andreas May

Andreas May

Fazit

Warum muss es immer Golf sein? Opel baute mit dem Astra H ein richtig gutes Auto, einen Kompakten, der gebraucht viel günstiger ist als der Wolfsburger Bestseller. Wer ein haltbares Auto zum attraktiven Kurs sucht, sollte aber Folgendes beachten: Viele Astra, vor allem mit Dieselmotor, wurden im Flottenbetrieb heruntergeritten. Daher mein Tipp: Ein Benziner sollte es sein, gern der 1.6er. Schon für 7000 Euro ist der zu haben, die Mängel sind überschaubar. Ein Opel für die Ewigkeit? Zumindest für viele Jahre.

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.