Opel Astra Sports Tourer: Fahrbericht

Opel Astra Sports Tourer Opel Astra Sports Tourer

Opel Astra Sports Tourer: Fahrbericht

— 04.11.2010

1000 und eine Fracht

Acht kompakte Kombi-Generationen hat Opel erfolgreich an den Start gebracht – die neunte soll alle übertreffen. Wie gut der neue Astra Sports Tourer wirklich ist, klärt der erste Fahrbericht.

"Zupackender Athlet" haben die Text-Akrobaten der Opel-Marketingabteilung dem neuen Astra Sports Tourer mit auf den Weg gegeben – und leisten sich mit dem Untertitel gleich einen ebenso unsinnigen wie unnötigen Patzer. Denn der einst als Caravan gestartete Nutzwert-Kadett ist auch als Astra Sports Tourer einfach nur ein richtig guter Kombi – wenn man mal die ganze PR- und Lifestyle-Schminke abgekratzt hat. Eine Überraschung ist das ganz sicher nicht. Nehmen die Rüsselsheimer doch für sich in Anspruch, den ersten kompakten Kombi überhaupt im Angebot gehabt zu haben, der als Pkw und nicht als Nutzfahrzeug angeboten wurde. Und dann sind da ja auch noch die Technik-Klamotten des Astra-Fünftürers, die der Sports Tourer aufträgt. Quasi eine Garantie für ein sehr fein abgestimmtes Fahrwerk, das gegen Aufpreis (FlexRide-Fahrwerk, 980 Euro ab Edition) auch noch mit jeder Menge Hightech aufgemotzt werden kann.

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Alles richtig gemacht also? In Sachen Fahrwerk auf jeden Fall. Das wissen sie auch in Rüsselsheim und schicken den Sports Tourer ganz selbstbewusst rund um Istanbul auf Testfahrt. Im Umland der türkischen Gigapole gibt es die Art von Straßen, die nur Fakiren Spaß macht – und die der Astra lässig überrollt. Selbst im Sport-Modus halten sich die Volltreffer im Rücken der Passagiere in Grenzen. Klapper- oder Quietschgeräusche? Schnee von vorgestern. Wer auf kommodes Abrollen Wert legt, kann sich die 980 Euro fürs FlexRide-Fahrwerk allerdings sparen, ebenso wie die 900 Euro für 18-Zoll Alus. Einziger Kritikpunkt bei der Fahrt über die türkischen Rumpelpisten: die Lenkung, die vor allem in schnellen Kurven nicht ganz so viel Rückmeldung von der Fahrbahn übermittelt, wie man sich das in solchen Situationen wünscht.

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Der Kofferraum des Astra Sports Tourer ist kleiner, als es die Fahrzeuggröße verspricht.

Mit beinahe jeder Transport-Situation klarkommen soll der Laderaum des Astra Sports Tourer, meint Opel – und hat damit ganz sicher nicht unrecht. 1550 Liter Laderaumvolumen sind ein Wort, aber kein Rekord. Den hält nach wie vor der Vorgänger, bei dem 40 Liter mehr mit auf die Reise durften. Unterm Strich also schon eine kleine Enttäuschung. Immerhin hat der Kombi-Astra 18 Zentimeter an Länge zugelegt. Wo also ist der Platz hin? Vorne wie hinten ist man selbst als Lulatsch gut untergebracht. Das war aber auch schon beim Astra Caravan so. Der kam allerdings mit einem schlichten, auf maximale Raumausnutzung optimierten Design daher. Opels neuer Look ist da ganz anders. Aggressiv, dynamisch und unverwechselbar soll er aussehen, der Astra. Eine flache Frontscheibe, die abfallende Dachlinie und die flache Heckscheibe – das macht was her, frisst aber Platz. Ob sich die Kombi-Kundschaft dran stört, wird sich zeigen.

Das Gejammer sollte sich in Grenzen halten. Denn trotz fehlender Rekord-Abmessungen kann der Kofferraum überzeugen. Was an solch feinen Details wie einer ebenen Ladefläche mit doppeltem Boden (Serie), zahllosen Haken und Ösen, einer auf Berührung nach oben gleitenden Laderaumabdeckung und dem coolen FlexFold-System liegt. Ein Knopfdruck – und schon machen sich die Rücksitze klein. Ohne Gefummel an den Kopfstützen, ohne Montiererei an der Sitzfläche. Der eine oder andere asiatische Konkurrent kann das schon eine Weile, bei den Europäern hat Opel damit aber die Nase meilenweit vorne. Kleiner Wermutstropfen: Die FlexFold-Sitze gibt's erst ab der Sport-Ausstattung (21.740 Euro) serienmäßig. Edition-Kunden gucken da genau so in die Röhre, wie Käufer der Selection-Ausstattung.

Das Basis-Modell des Astra Sport Tourer ist ab 18.000 Euro zu haben

Ein Frage der Ausstattung: Für das Basismodell Selection gibt es kaum bestellbare Extras.

Letztere ist unbedingt wörtlich zu nehmen. Klimaanlage, Radio, Chrom-Zierleisten, FlexFold – im ab 18.000 Euro günstigen Basis-Sports Tourer findet sich praktisch keinerlei Sonderausstattung. Was grundsätzlich kein Problem wäre, wenn man den Kassen-Kombi entsprechend aufmotzen könnte. Kann man aber nur sehr eingeschränkt. Ein echter Fauxpas, den die Opel-Verkäufer im Gespräch mit den Kunden werden ausbaden müssen. Dabei könnten sie über so viel Erfreulicheres sprechen. Über den bissigen 160-PS-Diesel (2.0 CDTI) zum Beispiel. Oder den kleinen 1,3-Liter-CDTI (95 PS), mit dem ab Januar 2011 ein Start-Stopp-System debütieren wird. Oder über 50.000 Sports Tourer, die Opel 2011 verkaufen will, AFL-Lichtsysteme, Straßenschilderkennung und 57 Prozent Kombi-Anteil in Deutschland. Vielleicht auch über das Ziel, die Marktführerschaft im Kompakt-Kombi-Segment zu übernehmen. Ach, alles Märchen aus 1000 und einer Nacht, meinen Sie? Das sehen die Opelaner aber ganz anders!
Jochen Knecht

Fazit

Opel macht endlich wieder Spaß. Der Sports Tourer setzt vor allem in Sachen Flexibilität und Fahrwerk Bestmarken im Kombi-Segment, ist solide verarbeitet und steckt voller Innovationen. Alte Opel-Qualitäten in neuem Glanz. Also alles richtig gemacht. Fast. Denn der im Vergleich zum Vorgänger kleinere Kofferraum ist peinlich für ein Auto, das fast 4,7 Meter lang ist! Neue Designsprache hin oder her – wer bei einem Kombi so leichtfertig Stauraum verschenkt, spielt mit der Zuneigung der Kunden!

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