Opel Corsa E (2014): Erster Fahrbericht

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Opel Corsa E (2014): Erster Fahrbericht

— 04.06.2014

So fährt der neue Opel Corsa

Wie der neue Corsa aussieht, will Opel noch nicht verraten. Doch wie er sich anfühlt, darauf sind die Hessen stolz. So sehr, dass sie uns ein halbes Jahr vor dem Start ans Steuer lassen. Erster Fahrbericht im Prototyp.

"Finger weg!" Normalerweise sind Ingenieure wie Werner Joeris ziemlich pingelig, wenn es um die Tarnung geht. Denn der Opel-Mann ist Projektleiter für den neuen Corsa und will eigentlich noch gar nichts verraten über das Auto mit dem Projektcode 4500, an dem seine Mannschaft die letzten Jahre gearbeitet hat. Die dicken schwarzen Stoffmatten, die mit Klettband und zum Teil gar mit Kreuzschlitzschrauben rigoros ins Cockpit geschraubt wurden, sollten deshalb unberührt bleiben. Eigentlich. Doch dummerweise ist Joeris so stolz auf sein Auto, dass er es gern jedem zeigen möchte. Schließlich sind es vor allem die inneren Werte, mit denen der Corsa nach der Weltpremiere auf dem Pariser Ausosalon  im Oktober 2014 noch vor dem Jahreswechsel verlorenen Boden gegenüber VW Polo und Ford Fiesta gutmachen soll.  Fotografieren dürfen wir den nackten Innenraum zwar noch nicht. "Aber zwischendurch mal den Schleier zu lüften, das ist schon ok", gesteht Joeris zu.

Opel Corsa E: Erlkönig

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Fahren erlaubt, aber die Form bleibt verhüllt.

Bevor er es sich wieder anders überlegt, nutzen wir die Gelegenheit und schauen in ein glänzendes Cockpit, das endlich wieder die Liebe zur Feinarbeit in die Großserie tragen soll: Wie sonst nur im flippigen Adam gibt es Klavierlack, Chromleisten und sauber vernähten Lederbesatz noch und noch, und obwohl die Prototypen noch von Hand gedengelt wurden, passen Fugen und Übergänge schon auf den Millimeter genau. Selbst die leider ziemlich große Kunststofffläche bis zur weit nach vorn gezogenen Scheibe. Die Türtafeln und die Ablage auf dem Mitteltunnel fühlen sich schon weich und vornehm an, obwohl den Oberflächen noch die finale Narbung fehlt. Was stört es da, dass man die Schalter der Fensterheber schon vom Vorgänger kennt oder die Sitzheizung nur eine Stufe hat? Nur die altbackenen Lenkstockhebel hätten die Hessen allmählich ausmustern können. Der im Prinzip aus dem Adam bekannte IntelliLink-Touchscreen mit Navi-App hätte ein Stück weiter nach oben gehört. Und dem Infodisplay zwischen den klassischen Rundinstrumenten hätten ein paar zusätzliche Pixel und auch Farben nicht geschadet.
Erlkönig erwischt: Adams großer Bruder

Wer denkt sich solche Tarnung aus?

Joeris entschuldigt das mit den begrenzten Mitteln, die ihm im hart umkämpften Segment der Kleinwagen zur Verfügung stand. Schließlich will Opel den Preis von aktuell 11.890 Euro halten oder im lieber noch ein bisschen nach unten korrigieren, um sich so einen Tausender Vorsprung vor dem Polo sichern. Doch dass Joeris kein Knauser ist, merkt man spätestens beim Blick auf die Optionsliste. "Wir bieten mehr Assistenzsysteme denn je", sagt der Projektleiter und verspricht viel Technologie aus Astra und Insignia. Das beginnt bei der Kamera, die nach der Spurführung schaut und vor einem Auffahrunfall Alarm schlägt und reicht bis zur Einparkautomatik, die den Corsa zum König der City machen soll.

Die Rückbank zeugt von kleiner Klasse

Nur beim Platz darf man keine Wunder erwarten: Während man sich vorne fast besser aufgehoben fühlt als im Astra, wird man auf der Rückbank schnell wieder in die kleine Klasse versetzt: Bei unverändertem Radstand und minimal veränderten Abmessungen tut sich für die Knie nicht viel. Beim Dreitürer muss man deshalb ordentlich kraxeln und beim Fünftürer zumindest ein bisschen den Kopf einziehen, bis man auf der Rückbank seine Position gefunden hat.

Das Testgebiet? Psst, geheim!

Der Corsa fühlt sich auch in Kurven wohl.

Aber Opel belässt es nicht nur bei der Sitzprobe, beim Tasten, Drücken und dem neckischen Blick hinter die Tarnung des Erlkönigs. Sondern irgendwo in der entlegensten Ecke der Republik lassen uns die Hessen sogar schon ans Steuer des Hoffnungsträgers. Schließlich macht der neue Corsa auch in Fahrt eine gute Figur, verspricht Joeris. Er fühlt sich erwachsener an, ist nicht nur leiser und gediegener. Sondern hat mit seinem niedrigeren Schwerpunkt auch einen besseren Stand: Die überarbeitete Vorderachse knüpft eine engere Verbindung zwischen Fahrer und Fahrbahn und mit der neu programmierten Lenkung schnürt man schnittig durch die engen Kurven im deutsch-französischen Grenzgebiet. Während man im Astra allerdings das Set-up auf Knopfdruck ändern kann, muss man sich im Corsa künftig wieder vorher entscheiden: Will man gediegenen Kompaktklasse-Komfort im kleinen Format oder lieber das spürbar strammere Sportfahrwerk, das es auf Wunsch auch mit bis zu 17 Zoll großen Rädern gibt. Entweder, oder. Beides in einem geht nicht, das war Joeris in diesem Segment zu aufwändig.

Opel Astra Erlkönig (2015)

Muntere Ecotec-Mechanik unter der Haube des Corsa.

Egal, welchen Prototypen wir auch nehmen: Unter der Haube steckt immer der neue Ecotec-Turbo. Der 1,0 Liter große Dreizylinder, der seinen Einstand nach den Sommerferien im Adam gibt, ist zu Recht der ganze Stolz der Entwicklungsmannschaft. Denn er dreht nicht nur munter und treibt den Corsa mit 115 PS und 170 Nm auch so flott durchs Hügelland, dass der alte 1,4-Liter mit 120 PS kaum hinterher kommt. Sondern vor allem klingt er einfach klasse. Statt des nervigen Schnatterns, das Dreizylindern sonst zu eigen ist, hört man nur ein kerniges Knurren und bisweilen das Surren des Turbos. Und von lästigen Vibrationen und dem gefürchteten Schüttelfrost der Sparmotoren ist auch nichts zu spüren. Da hat sich das Geld gelohnt, das die Hessen in die Ausgleichswelle und die dicke Dämmung gesteckt haben. Neben dem neuen 1,0-Liter, den es auch als 90-PS-Variante geben wird, kommen wohl mindestens ein 1,1-Liter-Vierzylinder mit 75 PS und zwei Diesel mit etwa 75 und 95 PS. "Und natürlich werden wir irgendwann auch wieder die Tradition des OPC-Modells fortsetzen", verspricht Joeris.

Der Komfort der sechs Gänge

Selbst die Heckleuchten der Prototypen wurden foliert.

Neben der Laufkultur des neuen Motors fällt auch die Geschmeidigkeit des neu konstruierten Sechsgang-Getriebes auf: Die Gänge flutschen nur so durch die engen Schaltgassen. Doch ansonsten sind die Hessen mit Durchschnitt zufrieden. "Beim Verbrauch orientieren wir uns am Wettbewerb," sagt Joeris und meint damit im Klartext um die drei Liter für den Diesel und gute vier Liter für den Benziner. Weniger ist offenbar nicht drin. Denn außer Start-Stopp für alle Modelle und einen geringeren cw-Wert durch die geduckte Silhouette ist bislang von Spritspartechnik keine Rede. Selbst der Diät-Erfolg dürfte sich in Grenzen halten, wenn Opel schon froh ist, dass der neue Corsa nicht mehr wiegt als der alte. Kunststück: Bis auf zwei Zentimeter mehr Länge für den Fußgängerschutz hat er ja auch das gleiche Format.

Große Hoffnungen begleiten das kleine Auto

Dass Opel schon jetzt über den neuen Corsa spricht, hat einen einfachen Grund: "In Europa ist das mit Abstand unser wichtigstes Auto", sagt Joeris mit Blick auf bislang vier Generationen und über zwölf Millionen Autos, die seit 1982 den Namen Corsa tragen. Der kunterbunte Adam hat die Marke zwar aus dem Imagetief geholt und der pfiffige Mokka kam genau zur richtigen Zeit. Doch spielen diese beiden Erfolgsmodelle nur in der Nische und können Opel nicht alleine in der Spur halten. "Deshalb wollen wir diesen Drive jetzt zum ersten Mal in ein großes Segment bringen," hofft Joeris und lässt uns dafür bei seinem Baby auch mal genau hinschauen. So gerne er vom Corsa erzählt und mit uns Testern durch den Innenraum krabbelt, so gut kann der Projektleiter aber auch Geheimnisse für sich behalten. So will er zum Design partout nichts verraten. Ein bisschen spannend soll es bis zur Premiere ja noch bleiben.

Opel Corsa E (2014): Fahrbericht

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Autor: Thomas Geiger

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