Opel Omega B (1994-2003)

Opel Omega B Opel Omega B

Opel Omega B (1994-2003)

— 25.10.2002

Oberklasse zum Golf-Tarif

Großes Auto zum kleinen Preis – wer will das nicht? Drei Jahre Wertverlust – und ein Opel Omega wird plötzlich richtig interessant.

Je größer das Auto, desto heftiger der Wertverlust – eine alte Weisheit. Dass es aber auch innerhalb der jeweiligen Klasse Unterschiede gibt, wissen vor allem Opel-Besitzer, die zumindest in diesem Punkt neidisch auf Mercedes und BMW schauen. Und natürlich Interessenten. Für Schnäppchenjäger ist der Omega ein heißer Tipp, denn Oberklasse zum Golf-Tarif ist selten. Konkret: Ein Golf IV aus dem Baujahr 99 mit drei Türen und 75 PS steht mit 8850 Euro in der Liste. Exakt diesen Betrag führt Schwacke auch für den Omega Voyage 2.0 mit 136 PS als Limousine aus dem gleichen Baujahr an. Ein Angebot, das Kilometerfresser anspricht.

Überblick: Alle Marken, alle Modelle

Im Tacho zählt noch eine Walze die Kilometer, die Schalter erinnern an eine Zeit ohne Euro und Kabelfernsehen. Doch die Verarbeitung ist topp.

Vor dem Start fällt auf, dass die Sitze zwar großzügig dimensioniert, allerdings von kräftigeren Personen rasch durchgesessen sind. Die Schalter und Tasten sind relativ dünn mit weißem Lack bedruckt. Blättert der Aufdruck an einzelnen Stellen ab, sollte der Tacho mehr als 100.000 Kilometer zeigen. Ansonsten lieber die Laufleistung kritisch hinterfragen. Eine Klimaanlage ist in dieser Klasse einfach ein Muss; Fahrzeuge ohne Klima werden mit bis zu zehn Prozent unter dem Listenpreis gehandelt. Sie sollte einwandfrei funktionieren, Reparaturen kommen – je nach Defekt – sehr teuer.

Bei manchen Ausstattungspaketen lockte Opel mit einem elektrischen Schiebedach. Bei der Probefahrt zeigen schlechte Straßen, ob es in geöffnetem Zustand klappert. Kommt Wasser durch die Dachöffnung, liegt es an den verstopften Abflussleitungen. Komplizierter wird es, wenn die Kraftstoffleitung leckt, wie es beim 2.0 16V bis zum Modelljahr 96 gelegentlich zu beobachten ist. Bevor der Sprit auf die Straße tropft, sollte die Leitung getauscht werden.

Motor und Technik

Eine große Schwäche ist die wenig haltbare Auspuffanlage, bereits nach drei Jahren muss häufig ein neues Teil montiert werden. Dabei fallen die günstigen Opel-Preise angenehm auf, 213 Euro für den Auspuff-Endtopf eines Oberklasse-Autos sind ein guter Preis. Am Abgas-Rohr kann ein begabter Bastler noch selbst Hand anlegen, Arbeiten am Motor erledigt aber besser der Marken-Mechaniker. Gefürchtet ist der Zahnriemenschaden, der bei den V6-Motoren oft die Folge gebrochener Nockenwellenräder ist.

Auch der Sechszylinder-Diesel, eine Organ-Spende von BMW, kann zu Problemen führen, etwa wenn der Luftschlauch sich vom Turbolader löst. Hier kommt Abhilfe günstig: Einfach einen stärker dimensionierten Schlauchbinder nehmen – und schon passiert die Panne nicht noch mal. Weniger günstig sind Reparaturen an der Lenkung. Sämtliche Gelenke scheinen für das hohe Fahrzeuggewicht nicht ausreichend dimensioniert zu sein, weshalb der TÜV bereits bei den Dreijährigen öfters die rote Karte zieht, noch häufiger werden die Fünfjährigen beanstandet. Weitere chronische Kritikpunkte: Heckbeleuchtung und Blinker, doch damit ist die Liste der typischen Omega-Mängel auch schon beendet.

Technisch ausgereift, aber optisch veraltet – der Opel Omega B.

Ob Kompakter oder Oberklasse ist wohl auch eine Frage der laufenden Kosten, denn eine große Limousine verlangte schon immer mehr Geld. Vor allem wenn der V6 unter der Haube werkt, denn das anfällige Triebwerk fällt mehr mit Defekten als durch Fahrvergnügen auf. Sportlich klingt die Wiege des BMW-Diesel mit 130 PS und 2,5 Litern, Laufruhe und Durchzug sind allerdings nicht mit dem empfehlenswerten DTI-Selbstzündern vergleichbar. Diese leisten 100 beziehungsweise 120 PS. Wer lieber Benzin tankt, findet vielleicht am 2.0 mit 136 PS Gefallen. Ein Sportwagen ist auch dieser Vierzylinder nicht, dafür erinnert sein Verbrauch von weniger als zehn Liter schon an die Kompaktklasse. Oberklasse oder Kompakter – leicht macht der Omega die Wahl wirklich nicht.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 10/86 Neueinführung des Omega A, er löst den Opel Rekord ab 3/94 Der Omega B tritt die Nachfolge des A an. Motoren mit 115 PS (2.0 i), 136 PS (2.0 16V), 2.5i V6 (170 PS), 3.0 (210 PS). Diesel: 2.5 Turbo (130 PS) 8/97 Serienmäßige Seitenairbags, pyrotechnische Gurtstraffer, dritte Bremsleuchte, Xenonlicht für MV6 und Sport Serie, für andere Modelle gegen Aufpreis 9/99 Modell 2000: überarbeitete Front, neues Cockpit, neuer Diesel-Direkteinspritzer 2.0 DTI mit 100 PS 6/03 Produktionsende ohne direkten Nachfolger

Schwachstellen Die Lenkung scheint für das hohe Fahrzeuggewicht nicht ausreichend dimensioniert zu sein, hier gibt es oft Probleme • ärgerlich, wenn die schwache Batterie im Zündschlüssel mal wieder nicht die Fernbedienung der Zentralverriegelung mit Strom versorgt, dann blockiert auch die Wegfahrsperre, und nichts geht mehr • bei älteren Fahrzeugen verliert die Klimaanlage häufig Kühlmittel • teuer kommt ein gerissener Zahnriemen. Wird er nicht regelmäßig kontrolliert und getauscht, könnte ein Motorschaden das Haushaltsbudget belasten • Rost ist mittlerweile nur noch an der Auspuffanlage ein Problem, die gesamte Karosserie wurde gut gegen die braune Pest geschützt

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Opel Omega 2.0 16V, Baujahr 97. Der Omega kann auch ambitionierten Heimwerkern empfohlen werden, hier können sie noch viele Arbeiten selbst erledigen. Nur der Motor braucht einen Mechaniker.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Der Opel Omega B stellt bei unseren Hauptuntersuchungen seinen Vorgänger in den Schatten, vor allem gegen Korrosion an Rahmen und tragenden Teilen wurde gut vorgesorgt. Rost sehen wir meistens nur an der Auspuffanlage, hier aber überdurchschnittlich oft. Das Lenkungsspiel wird von den Prüfern regelmäßig moniert, ebenso die anfällige Handbremse. Die Fußbremse ist da wesentlich solider, ebenso die beiden Antriebswellen." Gunnar Dahm, Gutachter TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg

Modellempfehlung Opel Omega 2.0 16V (100 kW/136 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 102 Euro im Jahr/D3 Testverbrauch: Werksangabe 9,6 Liter, gemessen 10,2 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (18/500 Euro SB): 935 Euro. Teilkasko (29/150 Euro SB): 206+ Euro. Haftpflicht (16): 894 Euro (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 15.000 Kilometer, etwa 200 bis 300 Euro Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 61 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 1300 Euro Verlust.

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