Opel Zafira im 100.000-Kilometer-Dauertest

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Opel Zafira: 100.000-Kilometer-Dauertest

— 12.12.2015

Der große Entschleuniger

Lange Reisen genießen! Dieser Opel hilft gegen Stress, nervt aber mit Kleinigkeiten: 100.000-Kilometer im Opel Zafira 2.0 CDTI.

Schweigen sagt manchmal mehr als tausend Worte. Der Opel Zafira machte seine Dauertestfahrer sprachlos. Sie steigen ein, fahren, auch weite Strecken, stellen ihn ab, ohne einen Kommentar im Begleitheft zu hinterlassen: 18 verschiedene Fahrer, kein einziges Wort. Vielsagend. Erst nach 16.050 Kilometern findet sich die erste Klage – über Peanuts wie den Kollisionswarner. Die Sprachlosigkeit lässt sich nur damit erklären, dass Opels Van sich selbst erklärt: bekannter Name, bekannte Variabilität, fünf Sitze, Platz ohne Ende. Aus dem Rahmen fällt nur der exotische Diesel, den Opel inzwischen gestrichen hat: ein knurriger, bärenstarker Biturbo, dessen 199 PS – wie am Testende gemessen – den immerhin 1776 Kilo schweren Kasten zum Reiseriesen veredeln. "Der schiebt ohne Turboloch, dreht bis an die 5000 Touren und hat auch jenseits der 160 km/h noch reichlich Schub", lobt Redakteur Martin Puthz. Allerdings treiben Bleifuß­-Orgien den Dauertestschnitt auf 8,8 Liter hoch, womit die Reichweite auf gut 650 Kilometer sinkt – wenig für einen Diesel. Das Sechsganggetriebe hakelt mit zunehmender Laufleistung stärker, beim Hinaufschalten in den vierten und fünften Gang lässt die exakte Führung des Schalthebels nach.
Mehr zum Thema: Die Dauertest-Rangliste mit allen Testergebnissen

Schlechte Straßen weiß der Zafira auszubügeln

Beruhigend im Geradeauslauf, effektiv beim Bremsen, straffes Fahrwerk: Der Zafira vermittelt Sicherheit.

Trotzdem bleibt der Opel 100.000 Kilometer lang der große Entschleuniger: beruhigend im Geradeauslauf, effektiv beim Bremsen. Das Fahrwerk (Grundnote: deutsch­-straff) hält auch grobe Straßensünden von den Insassen fern und wiegt die meisten Fahrer in Sicherheit. Nur Chefdrifter Dierk Möller bekommt auf einer flotten Etappe durch die Kasseler Berge feuchte Hände, als der Zafira leicht um die Längsachse taumelt. 199 PS sind wohl doch zu üppig. Vielleicht hätte Möller besser auf das Murren der Familie gehört, die sich bis dahin an Bord wohlfühlte. Hoch sitzen wie im SUV, aber hinter großen Fenstern mit bestem Ausblick – das bietet eben nur ein Van. Opels AGR­-Sitze ("Aktion Gesunder Rücken") sind Vorbild in Sachen Rückenhalt und Reisekomfort. So sähen Urlaubsträume aus, würden nicht mehrfach kleine Ärgernisse die Entschleunigung unterbrechen.
Im Überblick: Alles Infos zum Opel Zafira

Dem Zafira fehlt der Feinschliff

Minuspunkt: Das Cockpit der tausend Knöpfe ist zu unübersichtlich, die verschiebbare Mittelkonsole (FlexRail) war labil und wackelig.

Statt einer Bank gibt es jetzt drei schieb-­ und klappbare Einzelsitze in Reihe zwei, selbst in der hintersten Position bleibt aber eine Lücke im Ladeboden. Den billigen Teppich hat in Rüsselsheim wohl niemand Probe gesaugt, auch der Kunststoff zeigt Sparen an der falschen Stelle: So sind die Einstiegsleisten nach nur 30.000 Kilometern zerkratzt wie anderswo am Testende. Dass die verschiebbare vordere Armlehne knarzt, ist angesichts der vielen Scharniere fast zu erwarten. Doch schlimm wird es, wenn bei der Bedienung noch veraltete Hardware (wie pixelige Displays) und verworrene Funktionen hinzukommen. So sind Navi­-Befehle im Dauertester nicht über den großen Drehknopf zu bestätigen, sondern über dessen fitzeligen Außenring. Zudem stürzt das Navi mehrfach ab, ebenso die Bluetooth-­Verbindung oder der Kollisionswarner, der ohnehin nicht den besten Ruf genießt. Kaum verwunderlich, wenn der Assistent vor Autos auf der falschen Spur warnt. Auch der Regensensor dürfte wachsamer sein. Die Wischautomatik gönnt sich gerne eine störende Schrecksekunde, genau wie das Start­-Stopp-­System.

Alles Dinge, die der Opel als kleine Geburtsfehler mit auf den Weg bekam. Das kriegt keine Werkstatt hin, aber die defekten Vibrationsdämpfer an der Hinterachse müssten aufmerksame Mechaniker schneller entdecken. Bei Kilometer 29.781 quietscht der Opel beim Rückwärtsfahren so stark, dass wir zur Untersuchung fahren. "Nichts gefunden!", heißt es. Das gleiche Ergebnis bei der folgenden Inspektion. Erst bei Tachostand 35.261 werden die Teile gewechselt, was die Testnote auf 2– drückt. Da hätte dem großen Entschleuniger mehr Tempo mal gutgetan.
Wertung: Opel Zafira Tourer
Zuverlässigkeit
Liegenbleiber 0 x 15 0
Motor-/Getriebeschaden 0 x 15 0
Defekte Antriebs-/Funktionsteile 1 x 5 5
Zusätzlicher kurzer Werkstattbesuch 1 x 3 3
Zusätzlicher mehrtägiger Werkstattaufenthalt 1 x 5 5
Defekte und Sonderarbeiten (Radio/Navi/Flüssigkeiten etc.) 1 x 2 2
Defekte Kleinteile (Lampen etc.) 0 x 1 0
Langzeitqualität (aus Demontage)
Karosserie (Konservierung, Lack, Teppiche, Verkleidungen) 0–5 1
Motor (Leistung, Dichtigkeit, Ablagerungen, Laufspuren) 0–5 1
Getriebe (Dichtigkeit, Abrieb, Zustand, Kupplung) 0–5 0
Abgasanlage (Zustand, Kat, Aufhängung, Abschirmbleche) 0–5 0
Fahrwerk (Achsen, Federung, Lenkung, Befestigung) 0–5 0
Elektrik (Kabel, Stecker, Steuergeräte, Sicherungen) 0–5 0
Alltagswertung/Fahren
Ergibt sich aus den Eintragungen im Fahrtenbuch 0–10 3
Gesamtpunkte 20
Note: 2-
0 Punkte: 1+; 1–4 Punkte: 1; 5–8 Punkte: 1-; 9–12 Punkte: 2+; 13–16 Punkte: 2; 17–20 Punkte: 2-; 21–24 Punkte: 3+; 25–28 Punkte: 3; 29–32 Punkte: 3-; 33–36 Punkte: 4+; 37–40 Punkte: 4; 41–44 Punkte: 4-; 45–48 Punkte: 5+; 49–52 Punkte: 5; 53–56 Punkte: 5-; ab 57 Punkte: 6.
In der Bildergalerie erfahren Sie, was während des Tests und bei der Demontage des Testwagens nach Erreichen der 100.000 Kilometer außerdem aufgefallen ist. Den vollständigen Artikel mit allen Daten und Tabellen gibt es im Online-Artikelarchiv als PDF-Download.

Opel Zafira im 100.000-Kilometer-Dauertest

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Lars Busemann

Lars Busemann

Fazit

Ein echter Familienfreund bleibt der flotte, relaxte Zafira – obwohl ihm effektive Modellpflege fehlt. Mit starkem Diesel, komfortablem Fahrwerk und guter Ausstattung liefert der Van viel Auto fürs Geld: einer der überzeugendsten Opel im Programm. Im Dauertest landet er hinter dem moderneren Alhambra und vorm Kia Carens – wie bei den Käufern.

Autoren: Lars Busemann, Joachim Staat

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