Porsche 718 Cayman/Boxster FL (2016): Mitfahrt

Porsche 718 Boxster FL (2016): Mitfahrt

— 15.12.2015

So fährt der geliftete Boxster

Im gelifteten 718 Cayman und Boxster baut Porsche künftig Vierzylinder mit Turbo ein. Spürt man den Unterschied? Mitfahrt!

Alles neu bei Boxster und Cayman. Nicht nur, dass sie künftig den Beinamen 718 tragen werden, auch technisch haben die Ingenieure die beiden Zweisitzer gründlich angepackt. Im kanadischen Eis geht AUTO BILD bei einer Mitfahrt im Boxster auf Tuchfühlung.
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20 Mann in acht Autos plus zwei Mechaniker testen die gelifteten Modelle in Schnee und Eis.

Im Frühjahr 2016 kommt zunächst der Roadster Boxster (hier finden Sie die Vorstellung) auf den Markt, der entsprechend überarbeitete Cayman folgt sechs Monate später. Mit der Typbezeichnung 718 nimmt Porsche eine Anleihe beim Leichtbau-Roadster gleichen Namens, der als puristische Fahrmaschine zwischen 1957 und 1964 Rennsiege im Akkord einfuhr. Wichtiger als der Schriftzug ist die neue Positionierung: Boxster und Cayman tauschen preislich den Platz, das Coupé ist künftig etwa 1500 Euro günstiger als der Roadster, vorher hatte die offene Version den niedrigeren Preis. Mit diesem Schachzug will der Vertrieb den Cayman-Absatz deutlich erhöhen. Leicht wird das vermutlich nicht, denn im Rahmen der Modellpflege gehen zwei Zylinder verlustig. Stattdessen ist ein Turbolader neu an Bord.

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Der GTS soll rund 365 PS bekommen

"Die Ausgangslage war komplex", erinnert sich Projektleiter Jan Roth. "Zum einen ging es darum, den Abstand zwischen den Mittelmotor- und Heckmotor-Sportwagen zu vergrößern. Zum anderen hätte der Sechszylinder-Turbo im 718 gar keinen Platz gehabt. Es war schon schwierig genug, den Vierzylinder so unterzubringen, dass sich der Lader und sein Umfeld nicht zu sehr aufheizen. Ein zweiter Lader stand daher nie zur Diskussion." Die neueste Kreation der Weissacher Faustkämpfer-Abteilung ist ein Turbo-Direkteinspritzer, der zunächst in zwei Ausführungen angeboten wird. Das 2,0-Liter-Aggregat mobilisiert 300 PS und 360 Nm, der größere 2,5-Liter-Treibsatz des S-Modells bringt es auf 340 PS und über 400 Nm. Später soll der rund 365 PS starke GTS das Duo zum Trio machen.
So schlägt sich der Boxster als Gebrauchter

"Die Vorteile der Downsizing-Strategie liegen klar auf der Hand", glaubt Matthias Hofstetter, der für den Antrieb zuständig ist. "Der Vierzylinder schickt bis zu 100 Nm mehr Drehmoment in Richtung der neuen Zweischeiben-Kupplung. Gleichzeitig sinkt der Normverbrauch im Schnitt um einen Liter." Auch die Fahrleistungen profitieren von der Herztransplantation. Der Boxster S soll in 4,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h sprinten und über 280 km/h schnell sein. Das Einstiegsmodell verliert beim Beschleunigungsduell nur eine halbe Sekunde und ist kaum zehn km/h langsamer.
Erlkönigbilder vom gelifteten Cayman

Die Stoßfänger sind neu gestaltet worden, die Rückleuchten erstrahlen in LED-Optik.

Außerdem haben wir den 2,0-Liter als besonders mitreißenden Straßenmusikanten erlebt – kehlig, kernig, krawallig, mit Unterstützung des optionalen Sportauspuffs noch stimmgewaltiger. Die 2,5-Liter-Maschine klingt dumpfer und voller, aber weniger variantenreich. Den Gänsehaut-Vergleich im Gehörgang verliert sie nur denkbar knapp. Selbst auf Schnee und Eis merkt der Beifahrer zwischen den zwei Modellen keinen Leistungsunterschied. Rein subjektiv wirkt der kleine Vierzylinder agiler und spontaner, aber auch etwas ruheloser. Der große Bruder kommt trotz der einheitlich variablen Ladergeometrie etwas später zur Sache, trumpft jedoch jenseits von 4000 Touren groß auf. Beide Motoren sind in Kombination mit dem Sport Chrono-Paket allzeit bereit für einen spontanen Ausflug ins Dynamik-Land. Ein Druck auf den schwarzen Sport Response Button genügt, und die Software schaltet für maximal zwanzig Sekunden auf Sport Plus. Gleichzeitig wird die Höchstdrehzahl kurzfristig angehoben.

Die meisten Änderungen sieht man erst auf den zweiten Blick

Die Schalttafel wurde neu entwickelt, um den Lüftungsdüsen das Zischen abzugewöhnen.

Wer unbedingt einen Sechszylinder will, muss schnell zugreifen oder auf den Elfer umsteigen. Intern heißt der 718 nicht mehr 981, sondern 982. Damit wollen die Techniker ausdrücken, dass sie ein neues Auto auf die Räder gestellt haben und nicht nur ein braves Facelift. Porsche hat es wieder einmal geschafft, dass selbst Kenner die meisten stilistischen Änderungen erst auf den zweiten Blick registrieren. Eine neue Schalttafel zu entwickeln, nur um den Lüftungsrosetten das Zischen abzugewöhnen – so viel budgetäre Freiheit muss man erst einmal haben. Ebenfalls neu sind beide Stoßfänger, die Räder, die markante LED-Technik für Scheinwerfer und Rückleuchten sowie alle Außenbleche abgesehen vom hinteren Kofferraumdeckel. Auf Nettigkeiten wie Matrixlicht, Head-up Display und ein intuitiveres Bedienkonzept müssen wir dagegen noch bis Ende 2020 warten, wenn die Projektnummer 983 in Serie geht.

Sechs Sportler im Vergleich

Die Lenkung ist jetzt mit 2,5 Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag zehn Prozent direkter ausgelegt. Die kräftigeren Vorderradbremsen des Boxster S stammen aus dem Teileregal des 911, das Basismodell erhält die Stopper aus dem Sechszylinder-S. Der Hinterwagen musste umkonstruiert werden, damit sich der neue Motor auch in Extremsituationen thermisch wohlfühlt. Maschine und Getriebe sind jetzt vier- statt dreifach gelagert, auf Wunsch sogar hydraulisch und schaltbar, was Lastwechselschläge und Schaltrucke mindert.

Das Basisfahrwerk ist sehr ausgewogen

AUTO BILD Mitarbeiter Georg Kacher konnte bereits auf dem Beifahrersitz im gelifteten Boxster Platz nehmen.

Schon das Basisfahrwerk ist erstaunlich ausgewogen und gegenüber Unebenheiten jeder Wellenlänge nahezu immun. Kurze Anregungen kann dagegen die adaptive PASM-Hardware nachhaltiger wegbügeln, wobei selbst ein Druck auf die Sporttaste keine größeren Beben auslöst. Geschmeidigkeit und Stabilität sind die Schlüsselworte aus Sicht des interessierten Beobachters. Selbst im lockeren Tiefschnee, entlang vereister Spurrinnen und auf ungleichmäßig festgefahrener Schneedecke bestimmt ein in sich gefestigter Wiegeschritt den Bewegungsfluss.

Porsche 718 Cayman (2016): Erlkönig

Schalter oder PDK? Die kommunikative Kupplung und der flinke Schalthebel könnten kaum besser auf die Erwartungshaltung des linken Beins und der rechten Hand abgestimmt sein. Trotzdem ist PDK auf Schnee klar die erste Wahl, denn nur so bleiben beide Hände am Lenkrad, und das Heck quittiert die kurze Zugkraftunterbrechung statt mit einem Ausfallschritt mit beiläufigem Schulterzucken. Der Adrenalinfluss von Antrieb und Fahrwerk lässt sich per Drehregler am Lenkrad in vier Stufen verstellen. Die Null steht für Komfort, Sport schaltet alle wichtigen Reflexe auf Habacht, Sport Plus ist wegen der hypernervösen Schaltstrategie ein Sonderfall für die Piste, Individual mixt ganz nach Belieben das Ansprechverhalten von Motor, Getriebe und Dämpfern. Ganz wichtig und total Porsche-like: Die Lenkung bleibt für die Regelsysteme tabu und reagiert immer gleich, die Fahrhilfen spielen sich nie in den Vordergrund, der Mensch hat noch die Hoheit über die Maschine.

Porsche 718 Cayman/Boxster FL (2016): Mitfahrt

Autor: Georg Kacher

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