Porsche Cayenne V6 gegen VW Touareg V6

Die V6-Brüder: Porsche Cayenne und VW Touareg Die V6-Brüder: Porsche Cayenne und VW Touareg

Porsche Cayenne V6 und VW Touareg V6

— 10.03.2004

Gleiches Herz, andere Form

Mit sechs Zylindern beginnt bei Touareg und Cayenne der Einstieg in die Königsklasse der SUVs. Welcher der Brüder ist der bessere?

Porsche fahren zum halben Preis

Cayenne und Touareg, das riecht nach Pfeffer und Abenteuer. Porsches dritte Baureihe "mit Lieferanteneingang" (Werbetext) führt die Liga der SUVs an, zumindest was Preis (100.024 Euro) und Fahrleistung (265 km/h) betrifft. VWs Luxus-Offroader wartet dafür mit dem stärksten Pkw-Diesel der Welt auf, einem V10 mit 313 PS. Auch der hat seinen Preis: 71.800 Euro. Beide demonstrieren Männlichkeit, Erfolg, Souveränität, Macht, Potenz – und eben Exklusivität. Welcher Normalsterbliche hat schon so viel Geld für ein Auto auf der hohen Kante?

Doch jetzt besteht immerhin Hoffnung. Die Offerte lautet: Porsche fahren zum halben Preis. Bei 47.952 Euro beginnt nun der Einstieg in die Cayenne-Welt, 39.950 sind es beim Touareg. Aus der Sicht von oben quasi Schnäppchen.

Die schlechte Nachricht: Unter den Hauben arbeiten dann "nur" V6-Motoren, und es muss per Hand geschaltet werden. Die gute: Optisch gleichen beide den Großen. Klebt kein Typenschild dran, jeder könnte denken, da stehen die ganz fetten Geräte. Doch welchen wählen? Und aufgrund welcher Kriterien? Weil der Porsche 30 PS mehr und Leder serienmäßig hat? Wohl kaum.

Cockpit-Ambiente wie im Phaeton

Wie so oft werden letztlich Aussehen, Image und Marke kaufentscheidend sein. Touareg und Cayenne sind im Grunde genommen Zwillinge, mit gleichen Plattformen, sogar mit weitgehend gleichen Motoren. Beide Karosserien entstehen bei VW im slowakischen Bratislava. Lackiert und vormontiert reist der Cayenne dann per Bahn nach Leipzig, um im Porsche-Werk Motor, Antrieb und Achsen zu erhalten.

Die erste Überraschung: Steigt man in den Touareg, empfängt dieser seinen Fahrer eine Spur luxuriöser als der Cayenne. VW hat geschickt das Cockpit-Ambiente seines Flaggschiffs Phaeton in den SUV übertragen. Porsche setzt mehr auf Sport. So gibt es keine Chromringe für die Instrumente. Klar hängt davon die Seligkeit nicht ab. Doch selbst Ex-VW-Chef Ferdinand Piëch scheint vom Porsche-Cockpit nicht so überzeugt zu sein. Man erzählt sich, er habe in seinen Cayenne das Cockpit des Touareg einbauen lassen.

Was das Platzangebot betrifft, schenken sich bis auf wenige Zentimeter beide nichts, sowohl vorn wie hinten. Es herrscht mehr als ausreichend Bewegungsfreiheit. Was man bei Autos dieser Dimension auch erwarten darf. Ebenso wie reichlich Gepäckraum, wobei der VW hier den Porsche leicht übertrifft.

Porsche-Fahrer werden was vermissen

Dies gilt nicht für die Fahrleistungen. Dennoch: Auf heißblütiges Temperament sollte der Porsche-Fahrer beim V6 nicht hoffen. Eher schwerfällig überschreitet der Cayenne die Marke von Tempo 200. Für einen SUV sicherlich mehr als okay, doch Porsche-Piloten sind anderes gewohnt – dazu haben Cayenne S und Turbo mit ihrem unschlagbaren Überholprestige die Messlatte zu hoch gelegt.

Dem V6 fehlt trotz 250 PS und 310 Newtonmetern die nötige Power, auf der Autobahn souverän vorbeizuziehen. Das sieht dann so aus: Der Vordermann macht bei 150 km/h Platz, du trittst aufs Gas – und schiebst dich dann gaaanz langsam vorbei. Irgendwie unangenehm. Noch schlimmer trifft es den Touareg (220 PS). Der VW-Bulle ist eher Typ Gleiter. Viel mehr als 190 km/h mit ausreichend Anlauf sind nicht drin. Jeder moderne Golf Diesel ist da flotter.

Fazit und Bewertung

Dafür verwöhnen sowohl Touareg als auch Cayenne mit hoher Sitzposition, viel Komfort und sehr guter Elastizität. Beide können schaltfaul durch die Stadt bewegt werden. Selbst bei 20 km/h im dritten Gang murren die Motoren nicht – allenfalls der Besitzer, sobald es an die Säule geht. 15,5 bzw. 16 Liter sind der Tribut für immerhin 2,4 Tonnen Automasse. Da fiele der minimale Mehrverbrauch für ein Automatikgetriebe nicht mehr ins Gewicht. Denn selbst wenn sich beide Sechsganggetriebe recht gut schalten lassen, so richtig harmonisch wirkt dies alles nicht. Kurzum: In solche Fahrzeuge gehört einfach eine Automatik. So viel Luxus muss sein.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Michael Specht Der Punktestand nach diesem Vergleich zeigt deutlich: So richtig besser ist keiner von beiden. Klar, da sind ein paar Zehntel auf dem Papier, die der Porsche schneller ist, aber was zählt das schon im Alltag? Viel wichtiger ist – wieder einmal – das Image, die Marke. Wer sich für den Cayenne entscheidet, kann eben sagen, er fährt Porsche, selbst wenn es nichts mehr mit dem klassischen 911er zu tun hat. Dennoch fiele meine Wahl auf den Touareg. Der VW wirkt weniger aufdringlich, in der Form harmonischer, und hinter seinem Lenkrad fühle ich mich einfach wohler.

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