Porträt Jochen Arden

Der König der Katzen Der König der Katzen

Porträt: Jochen Arden

— 23.04.2002

Der König der Katzen

In seinem Wappen zeigt Jochen Arden Raubtier und Burg. Beide will er zusammenführen - als Krönung seiner Tuner-Kunst.

"Von Haus aus sollte ich Bauer werden"

Wer zu Jochen Arden möchte, muss nach oben. Eine enge, aber edle Wendeltreppe führt in sein Reich: die Stufen aus hellem Marmor, das Geländer grün lackiert. In Britisch Racing Green natürlich. Denn der 51-Jährige hat sich englischen Autos verschrieben. Da fiel die Wahl der Hausfarbe nicht schwer. Im gleichen Ton ist sein Briefkopf gestaltet. "Arden Automobilbau" steht da. Darunter der Zusatz: England, Japan, USA. Klingt nach weiter Welt. Doch das Herz der Firma schlägt in Krefeld.

Gleich neben der Treppe links sitzt der Chef von 20 Mitarbeitern in einem großen Büro. Durch das Fenster blickt er auf die qualmenden Schlote einer Chemiefabrik. Gegenüber wirbt ein Reifenhändler: "Zugreifen: 185/65/15 nur 25 Euro." London, Tokio und New York finden nur auf dem Schreibtisch des Geschäftsführers statt.

Doch in der Brust des Jochen Arden schlagen zwei Herzen. "Eigentlich bin ich Techniker", sagt er. "Und von Haus aus hätte ich Bauer werden müssen. Meine Eltern hatten Landwirtschaft." Statt über Felder schaut er heute auf Umsatzzahlen.

Wer zu Arden will, muss nach oben. Auch gedanklich. Anders als Mercedes oder BMW führt Jaguar ein Nischendasein im automobilen Oberhaus. Nur wer über so profanen Dingen wie Image und Statusdenken steht, kann es sich leisten, einen Jaguar von Arden zu fahren.

Jaguar: gute Grundlage zum Veredeln

"Mein Kunde ist kritisch, das Geschäft extrem beratungsintensiv", erklärt Arden. Bis es zum Vertragsabschluss kommt, vergehen oft mehrere Monate. Das war 1982 nicht anders. Da wurde er Jaguar-Vertragshändler und präsentierte sein erstes Tuning-Modell: einen XJ mit leistungs-gesteigertem V12-Motor. Diese Limousine erhielt den Namen AJ 1. AJ für Arden Jaguar, die Eins zur chronologischen Identifizierung. Heute ist die Firma der weltweit führende Jaguar-Tuner. Und beim AJ 14 angelangt.

Jochen Arden ist der König der Katzen: 14 Autos in 20 Jahren, macht jedes Jahr 0,7 Modelle. Da dürften Großserienhersteller neidisch werden. Am Zeichenbrett wechselt Arden in sein liebstes Element: Konstruieren, Entwerfen, Modifizieren. "Die Autos von Jaguar bieten eine gute Basis, auf der wir aufbauen können", sagt er mit diplomatischem Geschick. Heißt doch eigentlich: Jaguar vom Band sind schlecht, oder? Nein, so würde er das nie formulieren. "Sie sind eine gute Grundlage für Verbesserungen."

Wer zu Arden will, muss nach oben. Auch preislich. Denn seine Autos spielen technisch und optisch in der Tuning-Topliga. Ob aufwändige Hubraumerweiterung oder komplizierte Getriebemodifikation, ob akribische Innenraum-Veredlung oder windkanalerprobte Aerodynamikteile - für Arden ist das Beste gerade gut genug.

Erst zufrieden, wenn alles perfekt ist

Ein Unternehmer zweifellos, der immer neue Aufgaben suchte: Schiffs-Charter, gepanzerte Limousinen, andere Marken. Heute alles Vergangenheit. "Das alles gehörte zu meinem Betrieb", sagt er und geht die Treppe nach unten in den Verkaufsraum. Das Erdgeschoss hat er einem Audi-Händler vermietet. Gesundschrumpfen nennt er das. "Man sollte nicht zu viel bewegen wollen. Ich will mich endlich wieder auf meine eigentliche Aufgabe konzentrieren: das Veredeln und Verkaufen von Jaguar-Modellen und den Bau exklusiver Kleinserien."

Neben Jaguar möchte er auch Range Rover treu bleiben. 1997 hatte er bereits ein Sondermodell mit Navigations- und TV-System kreiert. "Nun ist gerade ein nagelneues Modell eingetroffen. Für den werden wir uns sicher ein paar nette Ideen einfallen lassen", erklärt Arden. Welche das sind, verrät er allerdings nicht. Stattdessen sitzt er mit leicht geöffnetem Hemd hinter seinem Schreibtisch und sieht irgendwie ein bisschen aus wie TV-Star Tom Selleck: lockiges Haar, dichter Schnauzer, athletische Figur. Arden ist tatsächlich ein Magnum. Ein Arbeitstier. Einer, der erst zufrieden ist, wenn alles perfekt ist.

Doch die Wochenenden gehören seiner Frau und den drei Kindern. "Ich bin ein Familienmensch." Kein Wunder also, dass der Hobbygolfer kaum Zeit findet, sein mäßiges Handicap 35 zu verbessern. "Aber dazu habe ich auch nicht den nötigen Ehrgeiz", sagt er. Der bleibt im Büro. Da kann es schon mal vorkommen, dass die Mitarbeiter ihren Chef abends unbemerkt einschließen und er den Wachdienst zu seiner Befreiung rufen muss. So eifrig feilt er an neuen Projekten.

Wo Arden ist, ist oben

Jüngstes Vorhaben ist die Sanierung der Wasserburg Zelem im niederrheinischen Kraneburg. Das fast 1000 Jahre alte Gemäuer befand sich schon früher einmal im Besitz der Familie Arden. "Hier verbrachte ich einen Teil meiner Jugend. Jetzt konnte ich die Anlage zurückkaufen", sagt der frisch gekürte Burgherr.

Wie war das noch mit dem Konzentrieren aufs Kerngeschäft? "Die Burg gehört dazu", kontert Arden. Sein Plan: In ein paar Jahren möchte er das Anwesen nutzen, um seine Autos im exklusiven Rahmen an die Kunden auszuliefern. Neben einem Restaurant und Übernachtungsmöglichkeiten soll es dann auch ein kleines Automuseum geben. Dafür sammelt er schon fleißig, hauptsächlich die schnellen Katzen aus dem eigenen Haus. Dazu vielleicht einige Fremdfabrikate, die Arden im Laufe der Zeit gekauft hat: einen Ferrari GTO beispielsweise, F40 oder 512 BB. Außerdem gehört ihm ein Mercedes 500 SEC Werksrallyewagen, natürlich ein Jaguar E-Type sowie gleich zwei Exemplare seiner Jugendliebe Honda S800.

Aber darüber spricht er nicht so gern. Im Gegenteil: Wenn der Chef abends nach Hause fährt, setzt er sich wie einst in seinen dezent getunten Mini Cooper. Wo Arden ist, ist oben. Aber er muss es nicht unbedingt jedem zeigen.

Biographie: Vom Rennwagen ins eigene Auto

Sein erstes Auto, einen Glas 1004, fuhr Jochen Arden gleich auf die Rennstrecke. Später brachten ihn BMW 2002ti und Porsche 911 E aufs Siegertreppchen. So oft, dass er ein Angebot als Werksfahrer auf Triumph Dolomite bekam. "Das war zu abenteuerlich", sagt Arden. Stattdessen gründete er lieber seine eigene Firma.

Aber warum Jaguar? "Schuld am englischen Virus war wohl mein erster Mini Cooper." Und der Jaguar E-Type. "Das Größte für mich." Die wunderschönen Autos standfest zu bekommen, weitete sich schnell zur Marktlücke. 1985 wurde Arden als Fahrzeughersteller beim Kraftfahrt-Bundesamt eingetragen. Satte 200.000 Mark kostete das AJ 2 Cabrio mit E-Verdeck (Basis XJS) damals.

Bis heute hat Arden rund 1000 eigene Autos auf die Räder gestellt. Der Expansion in den 90er Jahren (eigener Rennstall, Schiffs-Charter, Mercedes-Kooperation bei der Panzerung von Limousinen) folgte ein radikaler Schnitt. Heute konzentriert er sich wieder auf das, was ihn groß gemacht hat.

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