Gebrauchtwagen-Check Renault Mégane II

Gebrauchtwagen-Check Renault Mégane II (seit 2002) Gebrauchtwagen-Check Renault Mégane II (seit 2002)

Renault Mégane II (seit 2002)

— 19.01.2006

Der hat ein Strom-Problem

Dieser Mégane ist viel besser als sein Vorgänger – doch die Elektrik spinnt beim extravaganten Franzosen noch immer.

Ohne Licht ausgebremst

Erinnert sich eigentlich noch jemand an den ersten Renault Mégane? Ja, genau der, der uns mit seinem braven Styling eher langweilte und chronisch auf den hinteren Plätzen der einschlägigen Pannenstatistiken parkte. Der aktuelle Nachfolger ist in beiden Punkten viel besser. Sein Design ist erfrischend anders, und seine allgemeine Zuverlässigkeit liegt mittlerweile im grünen Bereich. Was aber keineswegs bedeutet, daß weniger Mängel auftreten. Die sind vor allem bei der Elektrik zu finden und beim Fahrwerk. In Bereichen also, in denen Renault die letzten Jahre offenbar wenig dazugelernt hat.

Auch die Bremse gehört dazu. So eine Scheibenbremse muß heutzutage nicht mehr neu erfunden werden. Trotzdem hat der aktuelle Mégane wieder eine bekommen, die vielen Kunden Ärger bereitet. In unserem Dauertest hielten die Beläge zwar 60.000 Kilometer, viele Leser mußten aber schon nach 20.000 Kilometern Klötze und Scheiben erneuern. Grund: Hinter der Bremsscheibe wurde das Abdeckblech eingespart. Vor allem in ländlichen Gegenden wird die Bremse daher vom Schmutz zerrieben. Obendrein scheinen die Bremsscheiben aus besonders rostfreudigem Gußeisen zu bestehen. Und müssen dazu oft wegen Riefen vorzeitig erneuert werden.

Wie die Sensoren der automatischen Leuchtweitenregulierung, Serie bei Xenonlicht. Deren durchschnittliche Haltbarkeit liegt nur um die 30.000 Kilometer. Dann ist die Abdichtung hinüber, und Nässe dringt ein – Ende.

Elektrik und Motoren

Die Sensorik ist ohnehin ein Schwachpunkt des Mégane. Der Regensensor zum Beispiel arbeitet wie beim Dauertestwagen eher unzuverlässig, schaltet die Scheibenwischer entweder dauernd oder gar nicht ein. Wenn sie nicht ohnehin streiken, denn Wischermotor und Wischergetriebe gehören ebenfalls zu den anfälligen Stromverbrauchern. Die Liste ließe sich fortsetzen – bis hin zum letzten Elektromotor im Mégane. Etwa Fensterheber und Zentralverriegelung. Oder der Anlasser, der häufiger mal das Ankurbeln verweigert.

Ebenso überrascht seine Besitzer ein unwilliges "Handsfree Entry & Drive", wie Renault das schlüssellose Schließsystem des Mégane nennt. Wird versäumt, die Batterie in der etwas klobigen Chipkarte rechtzeitig zu erneuern, macht der Mégane erst mal gar nichts. Allerdings sei gesagt, daß die Wegfahrsperre in manchen Fällen auch ohne erkennbaren Grund das Starten verweigert.

Kommt der Diesel nur zögernd in Fahrt, kann das auch an der Einspritzung liegen. Mangelnde Leistung bei heftigem Auspuffqualm deutet auf eine defekte Common-Rail-Pumpe hin. Starker Spritgeruch im Fahrzeug dagegen eher auf undichte Injektoren. Und vereinzelt kommt es zu Motorschäden wegen übergesprungener oder gerissener Zahnriemen sowie defekter Turbolader. Kaum noch eine Rolle spielen hingegen Ölverlust oder Getriebeschäden – die wenigen registrierten betreffen sämtlich die Sechsgangausführung der stärkeren Dieselversionen.

Unterm Strich sind trotzdem deutliche Fortschritte beim Mégane zu verzeichnen. Schade nur, daß die Neuwagenkäufer davon wenig wissen wollen. Die stören sich ausgerechnet am Design, besonders am extravaganten Schrägheck. Gebrauchtkäufer indes kann das nur freuen – denn geringe Nachfrage bedeutet sinkende Preise für ein aktuelles Auto.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte:10/02 Einführung des neuen Mégane, zunächst nur mit Schrägheck. Benziner von 98 bis 135 PS, zwei Common-Rail-Diesel mit 82 und 120 PS. Modellabhängig bis zu neun Airbags, ESP Serie • 1/03 neuer 1,4-l-Benziner, 82 PS • 9/03 Stufenheckmodell und Kombi Grandtour neu im Programm, Vorstellung des Cabrio-Coupés4/04 Einführung Mégane Sport, 224 PS • 5/04 Zweiliter-Turbo-Benziner, 163 PS • 7/05 1,9-l-Diesel (130 PS) mit Partikelfilter.

Schwachstellen: Die Elektrik ist die Achillesferse auch dieses Renault. Hauptursache ist die schlechte Abdichtung der zahllosen Sensoren und Kabelverbindungen, die bei Feuchtigkeit zu Fehlfunktionen führt. Aber auch Komfortextras wie Fensterheber, Zentralverriegelung und das Keyless-Entry-System sind immer für (böse) Überraschungen gut. Die Bremsanlage ist eine weitere typische Renault-Schwäche. Vor allem auf verschmutzten Straßen gibt es viele Probleme mit verrosteten Bremsscheiben und hohem Belagverschleiß. Dazu neigt der Mé.gane zum Quietschen. Das Fahrwerk poltert oft mit den Stoßdämpferlagern, zeigt in Einzelfällen frühzeitigen Verschleiß an den Traggelenken.

Reparaturkosten: Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer beim Renault-Vertragshändler am Beispiel Mégane 1.5 dCi, 74 kW/101 PS, Baujahr 03. Die Teilepreise bewegen sich auf normalem Niveau der Kompaktklasse, die Kunststoffkotflügel sind sogar recht günstig.

Fazit und Modellgeschichte

Fazit von Hendrik Dieckmann, AUTO BILD-Autor und Kfz-Mechaniker: "In der Werbung stellt Renault die Sicherheit in den Vordergrund, und das Crashverhalten des Mégane ist unbestritten erstklassig. Trotzdem müssen auch elektrische Komponenten wie Regensensoren, Scheibenwischer und Beleuchtung zuverlässig funktionieren – und den Fahrer von vornherein davor bewahren, in kritische Situationen zu kommen. Immerhin hat Renault die mechanische Zuverlässigkeit verbessert, Liegenbleiber sind eher selten."

Modellempfehlung: Renault Mégane 1.5 dCi (74 kW/101 PS)Steuer/Schadstoffklasse: 207 Euro im Jahr/Euro 3 Testverbrauch: 5,9 Liter. Werksangabe: 4,5 Liter (Diesel) Versicherung: Vollkasko (15/500 Euro SB): 476 Euro. Teilkasko (20/150 Euro SB): 138 Euro. Haftpflicht (17): 635 Euro (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Hamburg, 100 Prozent) Inspektion: 30.000 Kilometer. Kosten: etwa 200 bis 400 Euro Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 45 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 1000 Euro Verlust.

Autor: Hendrik Dieckmann

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.