Video: Seat Arona (2017)

Der Fahrbericht zum Arona

Sie kennen Arona nicht? Die Stadt liegt auf Teneriffa, der gleichnamige Seat irgendwo im Nirgendwo: zwischen dem kürzeren, flacheren Ibiza und den längeren Kompakten Leon und Audi Q2. Arona werden wir bald besser kennenlernen, weil die Spanier im Konzern den Vorreiter spielen dürfen – mit der gleichen Technik folgen demnächst einige Neuheiten, darunter Anfang 2018 der Polo-SUV namens T-Cross. Das macht diesen Test so spannend.

Seat kommt spät in den Markt der Mini-SUVs

Seat Arona
SUV im stadtfreundlichen Format: Der Seat Arona ist 4,14 Meter lang, man sitzt 61,5 Zentimeter hoch.
Bild: Uli Sonntag
Was für Seat Neuland ist, haben Renault Captur oder Peugeot 2008 längst erobert: das Revier der Mini-SUVs, die zu heiß gewaschenen Kopien der beliebten Hochsitze. Der Arona nimmt deren Optik (Planken, Bullennase, Reling) und schrumpft sie auf stadtfreundliche 4,14 Meter Länge. Was noch viel wichtiger ist: Der Fahrer sitzt 61,5 Zentimeter hoch, das sind fünf höher als im Ibiza, aber 2,5 tiefer als im Captur. Ist der kleine Seat am Ende nur ein halbes SUV? Jedenfalls bringt er moderne Kleinwagen-Gene mit: Die Basis des neuen Ibiza, der bei AUTO BILD begeistert hat, ist an jeder Ecke zu spüren. Da passen die straffen Sitze, die Verarbeitung wirkt solide, und das Cockpit gefällt mit (fast) problemloser Bedienung. Herzlich willkommen ist der gute alte Handbremshebel – doch warum steckt nun der Instrumentendimmer tief im Untermenü?
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Vom Dieselmotor sollte man die Finger lassen

Seat Arona
Der 1.6 TDI ist sauber dank SCR-Kat, fällt aber leider in ein Turboloch und lässt Laufkultur vermissen.
Bild: Uli Sonntag
Die SUV-Form entspannt nicht nur die Sitzposition, sondern allgemein die Platzverhältnisse und Stimmung an Bord. Man atmet gelassen aus. Das höhere Dach erleichtert den Einstieg und schafft Luft auf der Rückbank – dort finden selbst Große genug Platz. Auch der Kofferraum (400 bis 1280 Liter) hat ein reisetaugliches Format wie sonst erst eine Klasse höher. Die tiefen Seitenfenster schenken schöne Sicht, aber nach hinten, wo Seat den modischen Knick in den Dachholm gezogen hat, bieten erst Parkpiepser (260 Euro Aufpreis) echte Orientierungshilfe. Eine Unsitte bei diesen Stadtautos, das macht die Konkurrenz kaum besser. Zur Strafe sollten Designer 500-mal rückwärts einparken. Die Ultraschallsensoren sind erst ab "Excellence", wie im Testwagen, serienmäßig.
Den ersten Arona hat uns Seat leider als 1.6 TDI geliefert – und sich damit keinen Gefallen getan. Der kleine Diesel hat mit der AdBlue-Kur – jetzt reinigt ein SCR-Kat das Abgas – leider an Laufkultur verloren und fällt wie früher böse ins Turboloch. Ein Motor, der die aktuelle Dieselphobie nur verstärkt. Einziger Vorzug: Seine 5,3 Liter Testverbrauch erreichen die drei angebotenen Benziner (95 bis 150 PS) nur mit einem Gasfuß aus Watte.

In Sachen Fahrwerk macht der Arona alles richtig

Seat Arona
Alle Fahrkomponenten sind sauber aufeinander abgestimmt – nur die 18-Zöller passen nicht.
Bild: Uli Sonntag
Wenden wir uns also der Fahrdynamik des Arona zu. Und die liefert erfreulicherweise, was bei den Mini-SUVs bislang gefehlt hat: ein ausgereiftes Gesamtpaket, bei dem alle Fahrkomponenten sauber aufeinander abgestimmt sind. Da passt die feine, schön proportionale Lenkung zu einer Vorderachse mit viel Grip und Rückmeldung, die straffe Grundfederung zum gelassenen Ausschwingen von langen Wellen. Nur die harten 18-Zoll-Räder vermasseln den Abrollkomfort – hier gilt wie beim TDI: Hände weg! Der Arona fährt so unauffällig (manche werden sagen: langweilig), dass man bald vergisst, eine halbe Etage höher zu sitzen als im Ibiza. Sicher, mit dem höheren Schwerpunkt geht er nicht so zackig ums Eck, steht aus Tempo 100 gut zwei Meter später und kostet mindestens 750 Euro mehr als der Kleinwagen. Dafür gibt es serienmäßig 16-Zoll-Räder, die geteilte Rücksitzlehne und das Gefühl, modemäßig vorn mitzufahren. Arona? Das wird noch richtig bekannt.

Fazit

von

Joachim Staat
Der Arona bringt erstmals VW-Gene in die Zwergen-SUVs: Sitzen, Lenken und Fahren fühlen sich an wie im Ibiza. Den Diesel können wir schnell vergessen, den Seat nicht: Denn auf halbem Weg zum großen Hochsitz ist das Auto sparsamer, wendiger und modischer.