Seat Mii/Kia Picanto: Test
— 13.02.2012
Großer Kampf in der kleinen Klasse
Mit dem Mii wagt sich Seat nach acht Jahren wieder in die Klasse der 10.000-Euro-Autos. Ein erster Vergleich mit dem Kia Picanto zeigt, wie gut sich der Spanier mit den VW-Up-Genen behaupten kann.
Nein, leicht haben es ihm die Strategen von Volkswagen nicht gemacht. Als
Seat im August den
Mii präsentierte, hatte die Fachwelt bereits monatelang über den
VW Up berichtet. Hier ein Cockpitbild, da eine neue Außenansicht, dort noch ein technisches Detail. Nicht einfach, da noch Interesse für den spanischen Bruder aufzubringen. Völlig zu Unrecht. Technisch unterscheidet ihn nichts vom
VW, nur beim Preis hält er den gewohnten Respektabstand. Zwar hat der Vertrieb die genauen Kurse noch nicht festgezurrt, klar ist aber: Der Mii mit 75 PS soll bei uns rund 9500 Euro kosten – 900 Euro weniger als das Original von VW.
Überblick: Alle News und Tests zum Seat Mii
Video: Seat Mii
Sparen auf Spanisch
Damit begibt sich Seat in eine automobile Klasse, die seit Jahren fest in der Hand der Koreaner ist. Die
Twingo,
Aygo und
Pixo dieser Welt gibt es zwar auch, sie sind aber entweder hoffnungslos veraltet oder spielen auf dem Mark nur Nebenrollen. Und so stellt AUTO BILD im Rahmen von "Test the Best" dem Mii einen
Kia Picanto für einen ersten Schlagabtausch entgegen. Gleich im Karosseriekapitel muss der Seat die ersten Tiefschläge einstecken. Ihn gibt es zunächst nur mit drei Türen, während der Picanto als Fünftürer antritt. Mit seinem mühelosen Zugang zur Rückbank kann der Koreaner entscheidende Punkte sammeln. Zumal es der Mii seinen Passagieren unnötig schwer macht. "Wie bei einem zehn Jahre alten Japaner werden die Vordersitze mit einem groben Hebel entriegelt, der Sitz rastet danach nicht wieder in der ursprünglichen Position ein", merkt Razvan Magureanu, Chefredakteur AUTO BILD Rumänien, an. Punkten kann der Mii aber beim Kofferraum: Während der
Kia mit gerade mal 200 Litern den klassischen Kleinwagen gibt, lassen sich im Seat (251 Liter) Getränkekisten und Einkäufe besser unterbringen.
Überblick: Alle News und Tests zum Kia Picanto
Video: Kia Picanto
Modern und mehr
Hier zeigt sich jedoch die Knauserigkeit der Spanier: Während der Kia-Kofferraum vollständig mit Teppich ausgekleidet ist, wartet im Mii nacktes Blech darauf, vom Gepäck verschrammt zu werden. Auch bei der Gestaltung des Cockpits haben die Koreaner mehr auf die Feinheiten im Detail geachtet. Wo der Mii betont nüchtern wirkt, versucht Kia, mit hochwertigen Oberflächen und lackierten Blenden einen Hauch Wohnlichkeit in die kleine Hütte zu zaubern. Zumal die hochwertige Spirit-Ausstattung (Serie beim 1,2-Liter-Motor) mit netten Details wie Sitzheizung, CD-Radio und Klimaanlage verwöhnt. So relativiert sich der Preisunterschied von 3100 Euro zum Mii. Ausstattungsbereinigt dürften beide auf einem ähnlichen Niveau liegen. Auch beim Antrieb liegt der Kia vorn. Schon beim Start fällt auf, dass der Vierzylindermotor des Picanto laufruhiger ist als der Dreizylinder des Seat, der im Leerlauf mit Vibrationen auf sein Bauprinzip aufmerksam macht.
Und auch in Fahrt zeigt der Motor des Kia die feineren Manieren. Er beschleunigt mit seinen zehn Mehr-PS besser und bietet dank des Viertelliters Hubraumplus einen kräftigeren Durchzug. "Der Seat muss, um ähnliche Fahrleistungen wie der Kia zu bieten, hoch gedreht werden – und fällt dann mit seinem rauen Klang unangenehm auf", sagt Javier de la Calzada, Chefredakteur der spanischen AUTO BILD. Unterm Strich kann sich der Kia mit dem feineren Innenraum und laufruhigeren Motor gegen den Mii durchsetzen. Was nicht bedeutet, dass der ein schlechtes Auto wäre. Ganz im Gegenteil, er gehört zur Spitze der Kleinstwagen-Klasse. Kein Wunder, dass die VW-Strategen ihm den Start schwer gemacht haben.
| Fahrzeugdaten |
Kia |
Seat |
| Motor |
Vierzylinder, vorn quer |
Dreizylinder, vorn quer |
| Ventile/Nockenwellen |
4/2 |
4/1 |
| Hubraum |
1248 cm³ |
999 cm³ |
| kW (PS) bei 1/min |
63 (85)/6000 |
55 (75)/6200 |
| Nm bei 1/min |
120/4000 |
95/3000 |
| Getriebe |
Fünfgang manuell |
Fünfgang manuell |
| Antrieb |
Vorderrad |
Vorderrad |
| Länge/Breite/Höhe |
3595/1595/1480 mm |
3557/1641/1478 mm |
| Kofferraumvolumen |
200 l |
251 l |
| Bremsen vorn/hinten |
Scheiben/Scheiben |
Scheiben/Trommel |
| Testwagenbereifung |
175/50 R 15 H |
185/55 R 15 T |
| Reifen |
Hankook Kinergy Eco |
Continental Premium Contact 2 |
| Abgas CO2 |
108 g/km |
108 g/km |
| Verbrauch* |
5,5/3,9/4,7 l |
5,9/4,0/4,7 l |
| Tankinhalt |
35 l/Super |
35 l/Super |
| 0–100 km/h |
11,4 s |
13,2 s |
| Vmax |
171 km/h |
171 km/h |
| Leergewicht |
930 kg |
940 kg |
| Leistungsgewicht |
14,8 kg/kW |
17,1 kg/kW |
| zulässiges Gesamtgewicht |
1370 kg |
1290 kg |
| Zuladung |
440 kg |
340 kg |
| Radstand |
2385 mm |
2420 mm |
| Spurweite vorn/hinten |
1409/1412 mm |
1428/1424 mm |
| Preis |
ab 12.790 Euro |
ab circa 9600 Euro |
| *innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km |
Autor:
Stefan Voswinkel
Fazit
Der Seat Mii ist ein talentierter Kleinstwagen – aber nicht der Überflieger, für den die VW-Strategen ihn uns verkaufen wollen. Dafür leistet er sich zu viele funktionale Schwächen im Alltag. Im Vergleich zum Kia Picanto fallen zudem der brummige Dreizylinder und die rustikale Verarbeitung negativ auf. Der Koreaner überzeugt mit seinem fein gemachten Innenraum und einem laufruhigen Motor. Das alles aber kostet, der Kia ist kein Sonderangebot mehr.
Kommentare zum Artikel (63)
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Der neue Kia Picanto fährt sich prima und ist das ideale Stadtauto. Design und Preis-Leistung absolut top.
Verhältnis VW_Up/ Seat_Mii außer acht: Toyota Aygo 5-türer stets zuverlässig,Parkplatzgarantie in DUS. Hintensitzende klagten nie über Platz,realistisch kein E-Klasse-Taxi. Nerventod Aygo-Hutablage u Feuchte in Rückbank. Taster für FH in der jeweiligen Tür blieb nur FIAT Cinquecento erspart,Patentschutz Mittelkonsole? Ausstellfenster in Fondtüren vermeiden Zugluft,eFH hinten nicht gg. Aufpreis in Kleinstwagen. Makel osteuropäischer Löhne für VW-Konzern = arg. 3-Zylinder sind bei Asiaten längst Alltag u keine Meldung zu Innovations-/ Entwicklungskosten wert,wie bei Opel Corsa u Lupo3L.
Wenn man nicht auf irgendwelchen Heckmeck steht, sondern beispielsweise ergonoische Sitze für wichtiger hält als Cupholder, wenn man Qulität höher schätzt als Gewährleistung (auf billige Teile), führt kein Weg am Seat vorbei.
Ich habe mit Produkten der Volkswaen-Gruppe immer nur beste Erfahrungen gemacht und die häufig wesentlich länger als mir irgend ein Hersteller mir Garantie einräumt. Also, was soll das Gerede?
Ob man eher auf zeitloses Design oder das faltige Gesicht eines Asiaten steht ist eine Frage des Geschmacks!
Also um zusammenzufassen:
Der Kia Picanto:
- fährt sich besser als die VW-UP-Konsorten-Konkurrenz (VW, Skoda, Seat)
- ist besser ausgestattet bei
- ist billiger bei gleicher Ausstattung eines VW Ups oder den anderen Konsorten
- hat längere eine längere Hersteller Garantie
- sieht besser aus (Geschmackssache, aber der VW Up und seine Brüder haben den Charme eines Daihatsu Curore)
ich verstehe nur nicht warum das Cockpit im Mii und Citigo als Billig bezeichnet wird und im Up! als Designrevolution gefeiert wird....