Sexy Tips aus dem Navi

Sexy Ansagen aus dem Navi Sexy Ansagen aus dem Navi

Sexy Tips aus dem Navi

— 28.04.2006

"Sie haben Ihr Ziel erreicht!"

Navigationsgeräte finden nicht nur von A nach B, sondern auch den schnellsten Weg ins Rotlicht-Milieu. Unter der Rubrik Sonderziele wird Nachtleben schnell zum Nacktleben.

Manch fragwürdige Adresse

Claudia kommt gleich zur Sache: "Na, Süßer, möchtest du dich mal richtig verwöhnen lassen? 30 Minuten 60 Euro." Bei der forschen Anmache fällt mir fast das Clausthaler aus der Hand. Aber was soll man auch anderes erwarten in einem schummrigen Nachtclub namens "Relax"? Darunter verspricht ein Schild zwischen zwei roten Laternen: "Für die schönen Stunden". Wer rein will, muß klingeln.

Der Tip mit dem Relax kommt nicht von einem Taxifahrer oder dem diskreten Hotelportier, sondern von BMW. Kein Witz: Navigationssystem und Telematik bieten neben Stau- auch Verkehrsmeldungen der etwas anderen Art. Fast alle Geräte verfügen heute über sogenannte Sonderziele, unter denen sich im Untermenü Unterhaltung, Freizeit oder Nightlife manche fragwürdige Adresse versteckt.

Wie zum Beispiel im rassigen Z4. Auf der Autobahn kurz vor Bremen erscheint in der Kategorie Clubs und Discos "The First" am Hillmann-Platz. Und der Navigator liefert sogar noch eine Beschreibung von Stadtplanspezialist Falk mit: "Der Club bietet ein niveauvolles Showprogramm. Piano-Bar, Cocktails, Table Dance und Go-go-Girls garantieren Nightlife mit Stil." Aber hallo!

Per Notruf in den siebten Himmel

Wer bei BMW den Telematikdienst Online abonniert (175 Euro pro Jahr, erstes halbe Jahr gratis), bekommt ein Branchenbuch mit 35 Millionen Adressdaten ins Auto geliefert. Auch hier ist der Weg ins Rotlicht-Milieu schnell gefunden. In ein paar Schritten entdecke ich unter Dienstleistungen die Auswahl "Erotik-Betriebe". Das Verzeichnis ist leer. Macht nichts, BMW hat noch mehr auf Lager. Für nochmals 175 Euro pro Jahr gibt es den Dienst Assist – eine persönliche Rund-um-die-Uhr-Notruf-Zentrale.

Na, wenn das kein Ernstfall ist. Aufgeregt drücke ich den Knopf. Es meldet sich eine freundliche Frauenstimme: "Wie kann ich helfen?" Ich: "Mein Wochenende beginnt. Ich möchte mich amüsieren. Was empfehlen Sie?" BMW-Stimme: "An was dachten Sie? Tanz, Restaurant, Bar?" Ich: "Na, Sie wissen schon ..." Pause. Dann sagt die Frau ruhig: "Sie meinen Nachtleben mit ..." Ich: "... genau, mit Damenunterhaltung."

Sie legt nicht auf – ein echter Profi, sachlich, cool. BMW-Stimme: "Woll'n mal sehen, was wir für Sie haben. World of Sex, Sexy Devil, Jungblut" – jetzt muß sie doch kichern, und es platzt aus ihr heraus: "Was sind das nur für Namen!" Ich: "Bitte was Niveauvolles." BMW-Stimme: "Über die Angebots-Art habe ich keine Infos." Ich: "Schade." BMW-Stimme: "Sie sind im Stadtteil St. Pauli." Ich: "Woher wissen Sie das?" BMW-Stimme: "Ihr Standort wird mir mittels GPS angezeigt." Ich: "Ach so." Pause. Tastaturgeklapper. Ein Seufzer. BMW-Stimme: "Jetzt hab ich was für Sie. Seven's Heaven klingt doch gut, oder? Viel Spaß."

Humor haben die ja bei BMW. Sekunden später landet die Adresse von Seven's Heaven auf dem Monitor. Ich kann sie per Knopfdruck als Navigationsziel übernehmen. Sie ist auf der Reeperbahn, Nummer 89 – ein grelles Sexkino mitten auf dem Kiez. Mein siebter Himmel sieht jedenfalls anders aus.

Bei Mercedes macht Versuch klug

Nicht nur die Premium-Hersteller mit ihren festeingebauten Routenführern lotsen gelangweilten Autofahrer in rotilluminierte Amüsierlokale. Für Becker-Nachrüstradios mit Navigtionsfunktion gibt es beispielsweise den "Night Guide" mit 10.000 Adressen aus dem deutschen Nachtleben (39,90 Euro, www.ipublish.de).

Kurios: Bei Mercedes wird selbst der Großstadtcowboy in seinem SUV fündig, wie ein Versuch im Herzen Hamburgs beweist. Im silbernen Mercedes ML 320 CDI fahre ich an der Alster entlang. Es war ein harter und langer Tag. Entspannung ist angesagt. Hilfe dabei kommt aus dem Bordmonitor. Erst Sonderziele aufrufen, dann Positionsumgebung, schließlich das Saxophon-Symbol, hinter dem vielversprechend Nightlife steht.

Gespannt wie ein 14jähriger beim ersten Discobesuch studiere ich die Vorschläge: Dennis Swing Club, Dschungel Bar, Safari Cabarett, Club d'Amour. Headbangers Ballroom ist noch das harmloseste, was der virtuelle Stadtführer zu bieten hat – und ich stelle mir vor, wie der ortsfremde ML-Eigner sein 60.000-Euro-Auto auf St. Pauli parkt, um in einem runtergekommenen Hafenschuppen bei voller Metallica-Dröhnung abzurocken.

Titty Twister und Crazy Boys sagen mir nichts. Also verrückte Jungs auswählen und los: "Links abbiegen, rechts abbiegen, geradeaus fahren", der elektronische Lotse lenkt mich zielstrebig ins schäbige Bahnhofsviertel. Vor mir eine schäbige Fassade mit schwarzverklebten Scheiben. "Crazy Boys", das war einmal. Jetzt heißt der Laden "New Man Club", Kino und Shop. Ein Typ mit Ledermütze kommt raus. Die weibliche Navigationsstimme meldet: "Sie haben Ihr Ziel erreicht."

So kommen die Informationen ins Auto

Museen, Denkmäler, Restaurants, Golfplätze, Schlittschuhbahnen – moderne Navigationssyteme verfügen über eine Fülle von Sonderzielen (POI: Points Of Interest). BMW- und Opel-Routenführer beispielsweise bieten derzeit rund 430.000 POI aus 15 europäischen Staaten in fünf Sprachen.

Die Daten kaufen die Autohersteller bei Fachverlagen wie Falk-Marcopolo-Interaktive ein, ohne auf den Inhalt Einfluß zu haben. In diesem Fall stammen alle Informationen aus dem Autorennetzwerk der Mair-Gruppe, die traditionell gedruckte Reiseführer herstellt.

BMW ist darüber hinaus Vorreiter bei Telematikdiensten. Hier kommen die Daten von Partnern wie dpa, Telegate, den Michelin-Führern, Magicmaps und der Deutschen Börse Group. Außerdem betreiben die Bayern ein eigenes Callcenter in Düsseldorf, das BMW-Fahrern rund um die Uhr für Anfragen aller Art zur Verfügung steht.

Autor: Jörg Maltzan

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