Skoda: Vorschau

Skoda Fabia Skoda Octavia

Skoda: Vorschau

— 07.09.2010

Die Volks-Wagen von morgen

Skoda verkaufen sich blendend – auch auf Kosten anderer Modelle im VW-Konzern. Das missfällt den Planern in Wolfsburg. Die tschechische Marke wird künftig noch mehr auf Preis und Platz setzen.

VW baut das Auto. Sagt zumindest der Slogan, der das Wesen der Marke möglichst attraktiv auf den Punkt bringen soll. So steht Audi im großen Konzern für den "Vorsprung durch Technik" und Seat für – bitte anschnallen! – "auto emoción". Skoda dagegen, die stille, aber erfolgreiche Tochter aus Tschechien, begnügt sich weiter mit dem nicht mehr ganz frischen Sprüchlein "simply clever". Eine treffende Untertreibung, betrachtet man die Erfolgsgeschichte der Ost-Marke. Unterm Wappen des geflügelten Pfeils bekommt der Kunde aktuelle VW-Technik mit leichtem Preisabschlag und sauberem Design. Wolfsburgs böhmisches Schnäppchen-Label verkauft sich damit prima – wirklich clever. Doch das früher so bescheidene Mädel stiehlt der Konzernmutter immer öfter die Schau, glänzt mit noch höheren Zuwachsraten, überzeugt durch zunehmend anspruchsvolle technische Inhalte, gewinnt einen Vergleichstest nach dem anderen – selbst gegen VW und Audi.

Überblick: News und Tests zu Skoda

Der Fabia steht künftig nicht mehr auf der Plattform des Polo, sondern basiert auf einer weniger aufwendigen Version.

"Wir werden Skoda an eine kürzere Leine nehmen müssen", sagt Konzernchef Martin Winterkorn. "Ich gönne ihnen den Erfolg, aber wir können uns nicht selbst schwächen." Daher wird das Nice-Price-Sortiment in den kommenden Jahren neu sortiert. Motto: Weniger Pfiff, dafür noch mehr Auto fürs Geld. Wie das aussehen soll, zeigen am besten die Nachfolger der aktuellen Bestseller. Der Fabia steht nicht mehr auf der Plattform des Polo, sondern basiert auf einer weniger aufwendigen Version, die in der Produktion weniger kostet, ohne dass der Kunde es spüren soll. Der kleine Tscheche trägt ab 2014 wieder den selbstbewussten Grill und eine markante Schulterlinie, soll aber dank eines auf 2505 Millimeter verlängerten Radstands mehr Platz bieten. Das Schrägheck spielt den jugendlichen Charmeur, auf Wunsch mit farbig abgesetztem Dach, während der Kombi seinen Nutzwert durch einen vergrößerten Kofferraum nochmals erweitert.

Überblick: Erlkönige bei autobild.de

Den Radstand des Octavia streckt Skoda um zehn Zentimeter. Folge: fürstliche Platzverhältnisse für Limousine wie Kombi.

Vor allem Größe und Platzangebot sollen die Neuheiten von ihren VW-Schwestermodellen unterscheiden. Skoda verwendet daher in jedem Segment die günstigste Plattform und setzt den größtmöglichen Hut drauf. So wächst der neue Octavia fast auf Passat-Format, den Radstand strecken die Tschechen um zehn Zentimeter auf 2,68 Meter. Folge: fürstliche Platzverhältnisse für Limousine wie Kombi, die 2015 auf den Markt kommen sollen. Sollte Skoda jedoch am Ziel festhalten, mit dem Preis noch immer dicht am Golf zu liegen, geht der Kampf gegen den VW-Bestseller munter weiter. Was Skoda (und damit die Konzernführung) bei der bisherigen Produktplanung falsch gemacht haben, entlarvte Dacia. Der Erfolg von Renaults rumänischer Billigmarke beruht darauf, die Technik von gestern zu Preisen von vorgestern zu verkaufen. Dass Sandero, Logan oder Duster meist der aktuelle Schleuderschutz ESP fehlt, verschmerzen die zahlreichen Käufer angesichts der kleinen Zahlen auf dem Zettel.

Als ersten Dacia-Jäger rollt Skoda 2012 den neuen Felicia in die Verkaufsräume. So hieß bis in die 90er-Jahre das letzte Billigmodell der Tschechen, dessen Tradition fortgesetzt werden soll: Für rund 14.000 Euro will Skoda ein neues Volumenmodell anbieten, das mit 2,63 Meter Radstand sogar geräumiger ausfällt als der aktuelle Octavia. Der Felicia entsteht als baugleicher Zwilling des neuen Seat Toledo – beide zielen mit Stufenheck und großem Kofferraum auf das gesamteuropäische Taxi-, Mietwagen- und Flottengeschäft. Als Schwestermodell soll der VW-Jetta-Nachfolger aus Mexiko Teile beisteuern und die Entwicklungszeit verkürzen. Geschicktes Jonglieren im Konzernbaukasten verhilft Skoda zum neuen Kleinwagen. Geplant ist ein Ableger des VW up, der als Drei- und Fünftürer ab 2012 einen längeren hinteren Überhang und eine raumsparende Sitzanlage bekommt. Während der kleine Sparer das Programm nach unten ausweitet, müssen die Nachfolger der aktuellen Nischenmodelle Einschnitte hinnehmen.

Vorschau: VW Polo SUV und Audi Q1

Bestes Beispiel ist der Roomster, der mit ungewöhnlicher Optik aus der Skoda-Palette herausragt, ohne entsprechende Verkaufserfolge zu erzielen. Der nächste Roomster fällt konventioneller aus und reiht sich mit fast unverändertem Radstand von 2,63 Metern ab 2013 im Konzern unterm VW Touran ein. Der Yeti-Nachfolger steht noch ebenso in den Sternen wie ein neuer Superb. Für das SUV bietet sich die Technik des nächsten Suzuki SX4 an, bei Konzept und Design sind keine dramatischen Änderungen zu erwarten. Über dem nächsten Superb, den Skoda zusammen mit dem kommenden Seat Exeo planen könnte, steht wie ein Fragezeichen das Diktat des Konzernchefs: "Skoda wird die Palette nach oben nicht beliebig ausbauen", so Martin Winterkorn. "Wir wollen dort neue Akzente setzen, wo die Konkurrenz aus Fernost heute noch den Ton angibt."
Georg Kacher

Georg Kacher

Fazit

Skoda weiß, was die Marke braucht. Aber VW bestimmt, was die Marke darf. Zum Beispiel günstige Technik nutzen, die durch Kooperationen mit Seat und Suzuki vorhanden ist – so soll Skoda als Schnäppchen- Label stark bleiben. Simplere Technik ist okay, wo sie der Kunde nicht sehen und spüren kann. Gefahr der neuen Einfachheit: Allzu groß darf der Abstand zu VW nicht sein – der Käufer hat sich an das recht hohe Skoda-Qualitätsniveau gewöhnt.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung