Spritspartricks extrem

Fotos: AUTO BILD baut Vier-Liter-Auto Fotos: AUTO BILD baut Vier-Liter-Auto

Spritspartricks extrem

— 12.05.2011

AUTO BILD baut das Vier-Liter-Auto

BlueMotion, Efficient Dynamics und Co: Wir haben die intelligenten, aber teuren Spartricks der Hersteller ausprobiert. An einem alten Golf, in Heimarbeit – und ganz radikal. Also nicht alles nachmachen!

Die Flex kreischt, Kollege Bernd Volkens geht einen Schritt zurück, sucht Deckung hinter der Hebebühne. Fotograf Sven Krieger hält schützend seine Hand vor die Kameralinse. Gleich sackt die Golf-Karosserie ein Stück herunter. Rums, schon passiert. Hinten rechts ist der IIIer jetzt fünf Zentimeter tiefergelegt. Gefährlichen Pfusch am Fahrwerk würden aufrichtige Kfz-Mechaniker wohl nennen, was wir hier treiben. Egal, die Hinterachse muss Federn lassen. Genauer: eineinhalb Windungen, die kurzerhand per Winkelschleifer amputiert werden. Um es gleich mal deutlich zu sagen: Was hier passiert, ist nichts zum Nachmachen. Wir experimentieren, wollen in einem Extremversuch einem Golf III mit 75 PS das Saufen abgewöhnen.

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Simpler Spritspar-Tipp für alle: Gewicht sparen, wo es nur geht. Überflüssiges Gepäck muss raus.

Bei 200.000 Kilometern auf dem Tacho und müdem 1.8er-Benziner unter der Haube ist das ein mächtig schwieriges Unterfangen – also ist uns hier jedes Mittel recht. Und: Wir haben keine Zeit, kein Geld, keine Ahnung, ob es klappt. Dafür höchstintelligente Vorbilder. BlueMotion, Efficient Dynamics und Co treiben uns zu diesen radikalen Schrauberaktionen. Wir wollen die schlauen Spartricks der Hersteller nachahmen, ganz handfest auf den ollen Golf übertragen. Beispiel Aerodynamik: Beim 3er-BMW glätten Verkleidungen am Unterboden Luftwirbel, vor dem Kühler leitet eine bewegliche Jalousie den Fahrtwind über die Front, kürzere Fahrwerkfedern lassen den Wagen geduckter (ergo windschlüpfiger) über die Straße huschen. Für unseren Golf heißt das: Sperrholz am Unterboden, Klebeband vor die Lufteinlässe, Flex-Kur fürs Fahrwerk.

Edding-Schalthinweise

Kurz: Baumarktutensilien ersetzen Ingenieur-Logik. Ob es das bringt? Wir werden sehen. Vor unserer Radikaldiät schluckt der ausgenudelte VW 8,5 Liter Super auf 100 Kilometer. Da bleibt reichlich Luft nach unten. Aber nicht nur die Aerodynamik ist dran. Wir kopieren wie die Chinesen – lieber billig als lange geplant. Elektronische Schaltanzeige? Edding-Markierungen auf dem Tacho müssen reichen. Intelligente Lichtmaschinen-Regelung – also ein Generator, der beim Beschleunigen Pause macht? Bei uns muss er ganz aussetzen. Wir haben ihn demontiert, die am Abend aufgeladene Batterie liefert schließlich genug Zünd- und Benzinpumpenstrom, um über den nächsten Tag zu kommen. Genauso erging es der Servopumpe. Heutzutage sind Nebenaggregate bedarfsgeregelt. Heißt: Bei Geradeausfahrt, wenn keine Servounterstützung benötigt wird, hat die Pumpe Pause. Bei uns auch. Und zwar für immer.

Radikale Diät

Das Teil fliegt raus, den nun zu langen Antriebsriemen für die Wasserpumpe ersetzen wir durch Draht und Isolierband – das hält tatsächlich bis rund 2000 Motor-Touren. Mehr wird der Golf eh nicht erleben, schließlich passen wir auch die Fahrweise extrem an. Dazu wenden wir weitere Spartricks an: Leichtlaufreifen mit einer Extraportion Luft (vier Bar!), dünnflüssige Öle für Motor und Getriebe, Luftfilter raus, Zündkerzen neu. Und das Gewicht muss runter. Dazu haben wir den Innenraum entkernt, Tank und Batterie gegen kleinere Exemplare getauscht, den Waschwasserbehälter entsorgt. Armer Golf. Vor allem aber: armer Tankwart. Auf 4,5 Liter kommt unser BlueMotion für Arme. Operation also gelungen. Und der Patient? Fährt! Nur in den Straßenverkehr darf er so nicht ...

Oben in der Bildergalerie: Die konkreten Schritte der Radikal-Diät!

Jan Horn

Jan Horn

Fazit

Ziemlich extrem, was wir dem Golf hier angetan haben – aber dafür ist auch das Ergebnis extrem (niedrig). 4,5 Liter genügen dem VW-Opa am Ende für 100 Kilometer – vor dem Umbau schluckte der Golf III noch fast das Doppelte. Einige Spartipps (Reifen, Öl etc.) kann jeder nachmachen – völlig legal. Schließlich zählt jeder Zehntelliter!

Autoren: Jan Horn, Bernd Volkens

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