Test Hansa 23R

Hansa 23R Hansa 23R

Test Hansa 23R

— 19.01.2009

Wankel-Mut

Unentschlossenheit? Davon kann bei Stefan Janßen keine Rede sein. Seine Devise für den Hansa 23R lautet eher "Mut zum Wankel". Der Hansa 23R ist ein Spaßroadster allererster Güte: hart, ehrlich und extrem agil.

Stefan Janßen gehört eindeutig zu den unheilbaren Befürwortern sportlich trainierter Automobile. Vom Lotus-Virus und Kreiskolben-Syndrom befallen, träumte er schon lange davon, selbst einen individuellen Sportwagen im Sinne des Lotus Elan 26R zu fertigen. 2006 war es dann so weit: Mit einer kleinen Truppe von Wankel-Liebhabern machte er sich an die Umsetzung seines Traums und implantierte – quasi in Heimarbeit – die Technik des Mazda RX-8 in einen aktuellen MX-5.

Karosserie und Qualität

Man sieht dem Spaßmobil erst auf den zweiten Blick an, dass es sich hierbei um einen Exoten handelt. 18-Zoll-Leichtmetallräder bieten schließlich auch andere Vertreter der MX-5-Spezies. Erst bei genauerem Hinsehen verrät die gekonnt zurechtgeschnittene RX-8-Motorhaube, wes Geistes Kind der Hansa ist. Öleinfülldeckel und Ventilkappen signalisieren ebenfalls den ungewöhnlichen Antrieb. Im Innenraum spendet der RX-8 Instrumententräger und Schalthebel. Das griffige Sportlenkrad kommt von Raid.

Fahrfreude und Antrieb

Hansa Mobile pflanzt in Zusammenarbeit mit Rotary Motorsport den 231 PS starken Mazda-Rotationskörper in den MX-5. Befreit von 200 Kilogramm Leergewicht, mutiert das kleine Maschinchen im neuen Umfeld vollends zum Drehzahl-Berserker. Begleitet von markant rotzigem Auspufftrompeten verbeißt sich der 1,3-Liter-Winzling ab 5000 Touren vehement in den Antriebstrang, steigert mit schier unermüdlicher Drehfreude die Frequenz und schmettert zum Finale 9500 Umdrehungen im Fortissimo auf die Exzenterwelle. Über das sauber und leichtgängig zu führende RX-8-Getriebe reicht man dem Spektakel die nächsthöhere Übersetzung.

Fahrleistungen

Erfolgsrezept Drehzahl: Wem es gelingt, den Wankelmotor auf den ersten Metern bei Laune und gleichzeitig den Schlupf an der Hinterachse in Grenzen zu halten, ist in 6,7 Sekunden auf 100 km/h. Einem gemessenen RX-8 nimmt er damit immerhin 0,3 Sekunden ab. Ein serienmäßiger Mazda MX-5 sieht mit 8,1 Sekunden kein Land gegen den 23R.

Fahrwerk und Komfort

Seien wir ehrlich: In einem solchen Spaßroadster hegt niemand große Komfortambitionen. Dafür spielt die Kombination aus direkter Lenkung, straffem Sportfahrwerk und gripfreudigen Yokohama-Reifen in Sachen Dynamik ihre volle Kompetenz aus. Das zackige Einlenkverhalten lechzt geradezu nach verwinkelten Passstraßen. Doch auch auf weiter gesteckten Radien vermag das Setup zu überzeugen. Mit viel Gefühl und sensiblem Gasfuß ringt man dem Hansa 23R irrwitzige Querbeschleunigungen ab. Der Grenzbereich liegt hoch, ist aber auch entsprechend schmal. Grobmotoriker lernen den Roadster daher schnell von seiner biestigen Seite kennen. Kehrseite der sportlichen Reifen: die maue Traktion bei Nässe.

Preis und Kosten

Für einen komplett umgebauten Hansa 23R sind 49.000 Euro fällig. Viel Geld für lediglich 231 PS. In Relation zum enormen Arbeitsaufwand und dem resultierenden Fahrspaß scheint allerdings jeder Cent gerechtfertigt. Am hohen Verbrauch dürften sich echte Wankel-Wankel-Enthusiasten herzlich wenig stören.

Fazit

Der Hansa 23R ist ein Spaßroadster allererster Güte: hart, ehrlich und extrem agil. Sein Wankelmotor begeistert mit bissiger Gasannahme und schier endloser Drehfreude. Im Grenzbereich ist allerdings eine kundige Hand gefragt. Note 2+
Technische Daten Hansa 23R
Motor Zwei-Kammer-Wankel
Hubraum 2 x 654 cm³
Leistung 170 kW (231 PS) bei 8200/min
Literleistung 177 PS/ l
Drehmoment 211 Nm bei 5500/min
Antriebsart Hinterrad
Getriebe 6-Gang
Bremsen vorn Scheiben, innenbelüftet
Bremsen hinten Scheiben, innenbelüftet
Räder vorn/hinten 8 x 18 Zoll
Reifen vorn/hinten 225/40 R 18
Leistungsgewicht 5,1 kg/PS
Messwerte
0–100 km/h 6,7 s
0–200 km/h 28,6 s
60–100 km/h im 4. Gang 7,3 s
80–120 km/h im 5./6. Gang 8,9/11,6 s
Bremsweg aus 100 km/h (k./w.) 35,2/36,4 m
Höchstgeschwindigkeit 234 km/h
Testverbrauch auf 100 km 13,1 l Super
Leergewicht/Zuladung 1181/174 kg
Tuning
Auspuff 590 Euro
Fahrwerk 1140 Euro
Motorhaube 690 Euro
Komplettumbau auf RX-8-Technik 16.900 Euro
Radsatz 2290 Euro
Preis Testwagen 49.000 Euro

Autor: Manuel Iglisch

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