Tierische Lacktester

Können Katzenkrallen kratzen? Können Katzenkrallen kratzen?

Tierische Lacktester

— 13.02.2003

Können Katzenkrallen kratzen?

Von wegen Samtpfoten. Die Einzelgänger können ganz schön was anrichten, meint die DEKRA und startete einen Kratz-Test.

Test-Tiger: Tapsie mit kräftigen Krallen

Hinter der Eingangstür trifft es dich mit voller Wucht. Feucht und warm schlägt es dir entgegen, und je weiter du den langen, dunklen Flur hinuntergehst, desto strenger wird dieser süßlich-beißende Geruch. Jetzt ganz langsam weiter und bloß nicht zu tief einatmen. Bäh! Wissenschaft kann eine miefige Angelegenheit sein.

Eine verdammt niedliche aber auch: Hinter der nächsten Tür sitzt ein kleines, schwarzweiß geflecktes Fellbündel auf einer silbernen Motorhaube und blickt den Besucher mit großen Augen an. Tapsie heißt dieses Fellbündel, ist sieben Jahre alt und, was in diesem Fall viel wichtiger ist, Tapsie hat Krallen. Kräftige Krallen. Genau um die geht es bei dem Experiment, das die DEKRA hier im Katzenhaus des Gießener Tierheims durchführt: Die Sachverständigen wollen endlich Klarheit in einer uralten Streitfrage zwischen Katzen- und Autoliebhabern: Können die Vierbeiner mit ihren Krallen Lackschäden verursachen? (siehe auch AUTO BILD Urteilsdatenbank, Stichwort Katze)

"In der Fachliteratur gibt es bislang keine klaren Aussagen", sagt Ortger Wiegand (43), Leiter für Gutachterwesen bei der DEKRA Gießen. Tapsie und ihre 40 Artgenossen im Katzenhaus sollen das Lack-Rätsel endlich lösen: Seit vier Wochen dürfen sie sich auf der silbernen Motorhaube eines Opel Astra und auf den blauen Kotflügeln von VW Lupo und BMW 5er austoben. Spielen, schlafen, jagen, fressen alles auf den Autoteilen und ohne Rücksicht auf Verluste. Ein wahrer Katzenhimmel.

Durch Polieren geht fast alles weg

In der Praxis sieht das so aus: Wiegand stellt einen Plastiknapf mit Futter auf die Motorhaube, schon setzen Tapsie und Konsorten zum Sprung an. Die Krallen bleiben dabei zwar eingefahren, der Satz auf die Motorhaube aber nicht ohne Folgen: Eine kleine Schliere ist auf dem Lack zu sehen. "Solche Spuren hinterlassen Katzen bei der Landung: fein gegliedert, gerader Verlauf", analysiert Wiegand. Und der größere Kratzer weiter oben? "So sieht es aus, wenn Katzen Krallen einsetzen: kürzer, aber tiefer." Die Samtpfoten können also Spuren hinterlassen.

Doch im Labor gibt DEKRA-Lackexperte Josef Usler (47) zumindest teilweise Entwarnung: "Durch Polieren haben wir fast alles wieder wegbekommen. Drei Stellen sind zwar übrig geblieben, doch die erscheinen mir eher untypisch. Vielleicht haben die Katzen da nach dem Spielzeug geschlagen, das wir an den Autoteilen befestigt hatten." Damit wäre der Sache im Grunde Genüge getan. Doch die tierischen Lacktester haben nicht nur auf der Motorhaube Spuren hinterlassen: Ein Student der Gießener Fachhochschule ist von dem Thema so angetan, dass er jetzt seine Diplomarbeit darüber schreiben will. Tapsie und Co müssen also bald wieder ran. Im Dienste der Wissenschaft.

Schutz vorm Stubentiger Katzen sind dickköpfig und lassen sich nur schwer von warmen Motorhauben abhalten. Meist hinterlassen die Samtpfoten nur Abdrücke, nur ungeschütztem Lack drohen kleine Kratzer. Regelmäßige Pflege schützt. Wird eine Hartwachspolitur aufgebracht, haben kleine Steinchen an den Tatzen oder Krallen keine Chance. Willkommener Nebeneffekt: Katzen mögen den frischen Wachsgeruch nicht und scheuen die glatte Oberfläche. Tipp für den Sommer: Den Wagen mit einem Wasserzerstäuber besprühen; Nässe und die kühlere Oberfläche halten Katzen fern.

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