Touran gegen Vaneo und Zafira

Vergleich: VW Touran gegen Mercedes-Benz Vaneo und Opel Zafira Vergleich: VW Touran gegen Mercedes-Benz Vaneo und Opel Zafira

Touran gegen Vaneo und Zafira

— 07.04.2003

Der neue Maßstab?

Die Letzten werden die Ersten sein – stimmt dieses Sprichwort, so müsste der VW das Feld der Kompakt-Vans von hinten aufrollen.

Alle mit Platz für sieben auf einen Streich

Mensch, du hast es weit gebracht. Unsere Handys übertragen nun auch Bilder, der Heimtrainer lässt sich für spannenderes Strampeln mit dem Videospiel verkabeln, und das Navigationsgerät im Auto gehorcht aufs Wort. Nicht schlecht. Doch bei all den Geistesblitzen wird es in Zukunft immer schwieriger, wirklich neue Maßstäbe zu setzen.

Ein Problem, das auch der brandaktuelle Kompaktvan von VW noch zu spüren bekommen dürfte. Möglicherweise sogar gleich hier und gleich jetzt. Denn für den ersten Vergleich mit dem Touran 1.6 FSI haben wir den frisch gelifteten Bestseller Opel Zafira 1.8 16V und den überarbeiteten Mercedes-Benz Vaneo 1.9 eingeladen. Alle drei mit Platz für sieben auf einen Streich, dazu 115 bis 125 PS.

Auch wenn der Touran so brav und bieder aussieht, als hätte er die Klasse der Kompaktvans schon vor Jahrzehnten gegründet, startet er auf den Vaneo mit zwei und auf den Zafira mit immerhin vier Jahren Verspätung. Zeit, die in Wolfsburg offensichtlich gut genutzt wurde. Auch wenn der Volks-Van mit seinem Konzept wahrlich keine Revolution anzettelt, hat er die guten Gedanken der Konkurrenz aufgegriffen – und meist noch ein wenig verfeinert.

Achtung, Gefahrenzone dritte Sitzreihe

So zaubern die Wolfsburger bei fast gleicher Außenlänge ein deutlich gemütlicheres Raumangebot als die Rüsselsheimer, das auch vom deutlich kürzeren Mercedes-Benz mit den bequemen Schiebetüren überflügelt wird. Jedenfalls in den ersten beiden Reihen. Ganz hinten geht es im Zafira am entspanntesten zu. Auch wenn hier ohnehin nur Kinder- oder Kurzstreckenverkehr stattfinden sollte.

Was bei allen dreien Angst macht: Die letzte Reihe steht so dicht an der Heckklappe, dass Eltern ihre lieben Kleinen dort eigentlich gar nicht sehen möchten. Zwischen Sitzlehne und Heckscheibe bleiben im Vaneo minimal 11,5 (Touran/Zafira 15) Zentimeter. Da fährt auf jeden Fall immer das schlechte Gefühl mit, dass selbst ein leichter Auffahrunfall schlimme Folgen haben könnte. Also klappen wir die Sitze Nummer sechs und sieben, die nur im Opel Zafira ohne Aufpreis mitfahren (Touran 595, Vaneo 766 Euro), einfach zu Boden. Was in keinem der Vans technische Spezialkenntnisse oder Bärenkräfte verlangt, im Mercedes-Benz Vaneo mitunter aber etwas hakt.

Echter Sitz-Simsalabim erwartet uns dagegen in Zafira und Touran. Mit einem Handgriff verschwindet die dritte Reihe im Kofferraumboden, als wäre sie nie dagewesen – einfach genial. In der Mitte kopiert VW dann nicht den deutschen Nachbarn, sondern den französischen Erfinder der Klasse, den Scénic (Debüt Herbst 1996). Drei Einzelsitze laden hier zum fröhlichen Stühlerücken. Längs verschieben, zum Tisch falten, aufstellen oder komplett ausbauen – fehlt nur noch, dass sich die knapp 16 Kilo schweren Möbel auch noch zum Liege- oder Schaukelstuhl umbauen lassen.

Einziges Manko: Weil wir im Touran etwas tiefer sitzen als im Zafira, hocken lange Kerls bei VW eher wie Hühner auf der Stange. Außerdem bietet die Bank im Zafira mehr Sitzkomfort als die schmalen Solo-Sessel des Wolfsburgers.

Der Vaneo erweist sich als Mogelpackung

Trotzdem betrachten wir die zweite Reihe im Zafira mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Die Lehne klappt seit dem Facelift in drei Teile, die Sitzfläche lässt sich aufstellen, die ganze Bank nach vorn verschieben. So entsteht ohne umständliches Ausbauen und Zwischenlagern ein stattlicher Laderaum – im Namen unserer Bandscheiben: Danke. Vor den wirklich großen Herausforderungen eines Baumarkt-Besuches muss der Zafira aber kapitulieren. Die zweite Sitzreihe bleibt anders als beim Vaneo, wo die Bank sich vielfältig klappen und ausbauen lässt, immer drin. Und steht damit im Zweifelsfall auch immer im Weg.

So schneidet der Zafira beim maximalen Möbel-Maß am schlechtesten ab. Der Touran darf schon mal einen Rollcontainer mehr einladen, während der Vaneo gleich eine ganze Büroeinrichtung zusätzlich schluckt. Bis zu drei Kubikmeter verschwinden im Heck des Benz-Brummers – zur Not lässt sich darin auch mal ein gemütliches Wochenende zu zweit verbringen oder eine Euro-Palette chauffieren.

Auf der allerdings nur Leichtbauteile stehen sollten. Denn der extrem hoch bauende Mercedes-Benz (1,83 Meter) darf in seinem riesigen Rückraum gerade mal 430 Kilo verstauen. Zu wenig, egal ob ich die sieben Sitze oder die 3000 Liter Kofferraum nutzen will. Opel und VW verkraften jeweils über 100 Kilo mehr – womit der Vaneo sich als Mogelpackung erweist. Zumal auch die Anhängelast auf exakt eine Tonne beschränkt bleibt. Die Konkurrenz nimmt locker noch 300 Kilo mehr an den Haken, der Benz muss größere Anhänger stehen lassen.

Motor und Fahrleistungen

So weit die Theorie, in der Praxis taugt aber auch der Touran 1.6 FSI nur bedingt für den Schwerlastverkehr. Der 115 PS starke Benzin-Direkteinspritzer muss als Einziger mit 1,6 Liter Hubraum und entsprechend mageren 155 Nm Drehmoment auskommen, schleppt aber gleichzeitig die meisten Pfunde mit sich herum. Der Opel wiegt immerhin 125 Kilo weniger. Da helfen dann auch die sechs gut sortierten Gänge nicht: Der FSI hinterlässt einen trägen, temperamentlosen Eindruck – von schweren Wohnwagen am Heck würden wir jedenfalls abraten.

Der Vierventiler empfiehlt sich eher als braver Bursche zum Mitschwimmen im Verkehrsstrom. Das Tempo vorgeben gehört nicht zu seinen Stärken, er fährt der Konkurrenz in allen Disziplinen hinterher und zeigt über den gesamtem Drehzahlbereich ein sehr zurückhaltendes Wesen. Das sich bei Lautstärke und Verbrauch aber auszahlt. Selbst bei Vollgas dringt nur ein leises Säuseln ans Fahrerohr, an der Zapfsäule reichen dem Touran 8,9 Liter auf 100 Kilometer – die Konkurrenz genehmigt sich einen guten Liter mehr. Auch wenn VWs Benzin-Direkteinspritzer teures Super plus erfordert, ein gewaltiger Kosten- und Kilometervorteil.

Opel und Mercedes-Benz verbuchen für sich deutlich mehr Spaß und Spritzigkeit. Beide setzen auf 125 PS aus 1,8/1,9 Litern und überzeugen als aufgeweckte Allrounder. Beim Sprint liegen Vaneo und Zafira Kopf an Kopf, erst im Zwischenspurt und bei der Höchstgeschwindigkeit muss der Benz seinem hohen Aufbau und dem schlechten cW-Wert Tribut zollen. Unschöner Nebeneffekt: Der Mercedes-Motor müht sich hörbar lauter, wirkt angestrengter und klingt recht blechern.

Dagegen fühlen wir uns im Opel selbst bei Tacho 200 (bergab mit Rückenwind und Heimweh) nicht übermäßig belästigt und pflegen entspannte Konversation. Als Aufreger erweist sich allerdings einmal mehr die knorpelige Schaltung – wann lernt Opel das endlich? Selbst Mercedes-Benz – nicht gerade der Erfinder exakter Handschalter – liefert im Vaneo eine akzeptable Fünfgangbox.

Fahrwerk und Komfort

Überhaupt hinterlässt der schon viel gescholtene Mercedes-Benz aktuell einen deutlich besseren Eindruck als zu Beginn der Produktion. Die Materialien fühlen sich im oberen Bereich des Innenraums wertiger an, die einst hoppelige Federung liefert jetzt zumindest zufrieden stellenden Komfort. Ein Ärgernis bleiben allerdings die flachen, konturlosen Sitze und das leicht schaukelige Fahrverhalten. Das dank ESP aber nie dramatische Dimensionen erreicht.

Auch der Touran umkurvt Elche und andere Eventualitäten äußerst gelassen – trotz deutlicher Seitenneigung der Karosserie. Die elektronische Straßenwacht regelt im VW eine ganze Klasse sanfter und mitunter kaum spürbar, die elektromechanische Lenkung vermittelt dabei erstaunlich viel Gefühl fürs Geschehen.

Auf der gleichen Schmusewelle begegnet uns die Federung, die zusammen mit den sehr gut geformten Sitzen kaum noch Schläge nach innen durchlässt. Nur auf Kopfsteinpflaster rollt der Touran erstaunlich laut ab – hier lärmt der straff abgestimmte Opel weniger. Und versteckt in seinen Federn und Dämpfern dennoch ein hohes Maß an Restkomfort. Sportliche Fahrer werden die satte Straßenlage lieben – und über die völlig künstlich wirkende Lenkung lästern, Schwiegermütter vielleicht über den einen oder anderen Schlag ins Kreuz klagen – zufrieden dürften aber beide sein. Was sich beim Blick in die Preisliste noch verstärkt.

Kosten und Ausstattungen

Der Opel Zafira 1.8 16V fährt ab günstigen 20.395 Euro vor. Für den VW Touran 1.6 FSI mit sieben Sitzen müssen wir dagegen schon 21.695 Euro bezahlen, der Mercedes-Benz Vaneo 1.9 (Siebensitzer) muss uns sogar 22.829 Euro wert sein. Ziemlich hohe Forderungen. Die uns lehren, dass manche Hersteller zumindest beim Preis keine Probleme haben, neue Maßstäbe zu setzen.

Technische Daten im Überblick

Dem 115 PS starken Touran FSI fehlt in allen Drehzahlbereichen der Biss, beim Sprint fährt er Zafira und Vaneo (je 125 PS) hinterher.

Fazit und Wertung

Fazit Urlaub oder Umzug, Familie oder Ferien, Baumarkt oder Botendienst – diese drei Vans machen so schnell vor keiner Aufgabe schlapp. Mit vernünftigem Platzangebot, hohem Komfort und feiner Verarbeitung sichert sich der teure VW Touran die Siegerkrone. Sein FSI-Motor bleibt zwar träge, beweist aber enormes Sparpotenzial. Flotter, aber enger geschnitten und nicht so hochwertig fährt der Bestseller Opel Zafira auf Rang zwei. Deutlich aufgeholt hat der drittplatzierte Mercedes-Benz Vaneo. Der Van mit dem Stern bietet jetzt wesentlich mehr Pkw-Komfort und ein netteres Interieur. Sein Preis liegt für das Gebotene aber einfach eine Klasse zu hoch.

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