Toyota Prius im Test

Toyota Prius: Test

— 29.03.2016

Ist der Prius ein Sparwunder?

Arbeitet die Technik im neuen Toyota Prius so reibungslos wie bei seinen Vorgängern? Und was verbraucht er wirklich? Wir zeigen, was der Hybrid kann.

Puh, ist das kompliziert! Nickel-Metallhydrid-Akkus,eine E-Maschine, EV-Modus, Atkinsonzyklus, Rekuperationsphase – der Toyota Prius scheint ja ein komplexes Stück Technik zu sein. Allerdings eines, das funktioniert – und hält, wie unsere Dauertests bislang bewiesen haben. Dort schnitten die Dauerläufer über 100.000 Kilometer äußerst zuverlässig ab. Bei Prius Nummer vier soll das Zusammenspiel der ausgefeilten Komponenten jetzt noch besser klappen – und zu einem Normverbrauch von nur 3,0 Liter Benzin führen.

Den angegebenen Verbrauch verfehlt der Prius deutlich

Versprechen gebrochen: Statt der angegeben drei Liter schluckt der Prius 5,2 Liter auf 100 Kilometer.

Klingt gut, doch das wollen wir genau wissen. Also muss der Knauser-Toyota auf unserer Verbrauchsrunde beweisen, wie genügsam er tatsächlich ist – im Alltag, beim Bummeln und auf der Autobahn. Zusätzlich klärt der Einzeltest, wie brauchbar der Öko-Vogel durch den Alltag tapst. Mitleid kennen wir nicht – also direkt rein mit ihm in die harte Realität der AUTO BILD-Verbrauchsbetrachtung. Hier zeigt sich eine enorme Differenz zwischen Werksangabe und tatsächlichem Verbrauch. Statt der versprochenen knapp drei Liter Benzin pro 100 Kilometer genehmigte sich der Testwagen 5,2 Liter im Durchschnitt. Das macht 58 Prozent Abweichung! Wie kommt’s? Es fängt bei profanen Dingen wie der Bereifung an. Nur bei 15-Zoll-Basisbestückung rollen die Puschen maximal leicht ab. Die beim Testwagen verbauten 17-Zoll-Räder hemmen den Vortrieb etwas, kosten in der Folge allein 0,3 Liter mehr.
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In Sachen Assistenzsysteme wird jeder Wunsch erfüllt

Volle Hütte: Bei der Ausstattung trumpft Toyota groß auf – dem Prius fehlt es praktisch an nichts.

Dazu kommt: Auf unserer Verbrauchsrunde mit Beschleunigungsmanövern an Ortsausgängen und einem schnell gefahrenen Autobahnanteil muss der Benzinmotor häufiger und schwerer ackern als im Labor bei der Normprüfung. Bedeutet am Ende: 5,2 Liter echter Mix-Verbrauch.  Wo verschluckt sich Toyota noch? Bestimmt nicht in Sachen Ausstattung. Speziell im Sicherheitsbereich machen die Japaner keine leeren Versprechungen. Eine Kollisionswarnung inklusive automatischer Bremsfunktion im Notfall, ein aktiver Spurhalter oder auch eine Verkehrsschilderkennung sind ab Werk an Bord. Gegen Aufpreis (oder ab Linie Comfort) erleichtert ein Spurwechselassistent den Umgang. Gleichzeitig benimmt sich der Toyota auch in Extremsituationen sehr wohlerzogen, bleibt beim Ausweichen beherrschbar und dank rigorosem ESP-Einsatz sauber in der Spur. Der Bremsweg von 37,1 Metern aus 100 km/h geht in Ordnung.

Bitter dagegen: Die Fuß-Feststellbremse ragt weit in den Fußraum hinein – im Crashfall sind Verletzungen am Schienbein möglich. Ab ins Alltagsgetümmel. Hier schlägt sich die vierte Generation des Hybridpioniers sehr gut. Der Wagen fährt deutlich besser als der Vorgänger. Das aufgeregte Laufgeräusch des Verbrenners dringt zwar häufig durch, bleibt aber recht leise. Ein beim Beschleunigen durchdringendes Fiepen aus der Elektro-Kommandozentrale dürfte empfindlichen Naturen jedoch den Nerv rauben.

Die Zuladung ist alles andere als ausreichend

Schnell überladen: Nur 391 Kilogramm darf der Prius zuladen – bei fünf Erwachsenen wird das eng.

Die Lenkung gibt trotz elektrischer Unterstützung eine brauchbare Rückmeldung, die Federung arbeitet fiese Flicken wie auch derbere Wellen anständig ab. Allerdings: Die kurzen Federn lassen den Wagen bereits im unbeladenen Zustand reichlich tief liegen, voll beladen setzt der Fünftürer sich dann nochmals eine Handbreit in die Federn. Folge: An steilen Parkhausrampen setzt der Prius auf, kratzend und schabend schiebt er sich über den Beton. Und: Führen fünf stattliche 80-Kilo-Burschen mit, wäre das Auto bereits um rund 20 Pfund überladen. Gepäck müsste daheim bleiben. 391 Kilogramm Zuladung sind in dieser Klasse mau. Große Mitfahrer hätten ohnehin ihre Schwierigkeiten – im Fond müssten sie sich aufgrund fehlender Dachhöhe krummlegen. Dennoch taugt der Fünftürer auch als kleiner Lastesel (zumindest dem Volumen nach). Die Heckklappe schwenkt weit auf, eine breite Luke tut sich auf, bis zu 1633 Liter passen bei umgeklappten Rücksitzen dahinter.

Vorn spielt der Toyota ebenfalls den Praktiker. Reichlich Fächer fassen Kleinkram, und die Ablage für das Smartphone lädt dessen Akku per Induktion nach. Schade: Das Head-up-Display zeigt die Ziffern leicht verzerrt und arg klein an. Doch das sind Kleinigkeiten – denn unterm Strich attestieren wir dem Prius sehr ordentliche Leistungen. Über 500 Punkte belegen das.
Fahrzeugdaten Toyota
Modell Prius
Motor Vierzylinder plus E-Motor
Leistung Benzinmotor 72 kW (98 PS)
Hubraum 1798 cm3
Leistung Elektromotor 53 kW (72 PS)
Energiespeicher 1,31 kWh
Systemleistung kW (PS) 90 kW (122 PS)
Drehmoment 142 + 163 Nm
Vmax 180 km/h
Getriebe stufenloses Getriebe
Antrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 215/45 R 17 W
Reifentyp Toyo NanoEnergy
Radgröße 7 x 17''
Abgas CO2 76 g/km
Verbrauch* 3,3/3,3/3,3 l
Testverbrauch
Sportverbrauch** 7,2 l/100 km
Testrunde*** 5,2 l/100 km
Sparverbrauch**** 3,8 l/100 km
Tankinhalt 43 l/Super
Kältemittel R1234yf
Vorbeifahrgeräusch 67 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 725/725 kg
Kofferraumvolumen 501-1633 l
Länge/Breite/Höhe 4540/1760/1470 mm
Testwagenpreis 30.890 Euro
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km (Herstellerangabe); ** 54 km Autobahn, davon 20 km Vollgas; *** Durchschnitt der 155-km-Testrunde von AUTO BILD; **** 101 km Stadt und Land mit wenig Gas
Messwerte Toyota
Beschleunigung
0–50 km/h 3,8 s
0–100 km/h 11,3 s
0–130 km/h 19,1 s
Zwischenspurt
60–100 km/h 6,3 s
80–120 km/h 8,4 s
Leergewicht/Zuladung 1399/391 kg
Gewichtsverteilung v./h. 60/40 %
Wendekreis links/rechts 11,6/11,4 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 37,1 m
aus 100 km/h warm 37,1 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 59 dB (A)
bei 100 km/h 68 dB (A)
bei 130 km/h 73 dB (A)
Testverbrauch – CO2 5,2 l S – 122 g/km
Reichweite 825 km

Toyota Prius: Besser als der Vorgänger

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt vom Toyota Prius (Typ: IV) (Test).

Veröffentlicht:

11.03.2016

Preis:

1,00 €


Jan Horn

Jan Horn

Fazit

Besser als der Vorgänger, jedoch nicht besser als konventionelle Typen wie der VW Golf TSI oder der Opel Astra Diesel. So ordnen wir den neuen Prius ein. Schade: Den versprochenen Verbrauch verfehlt der Wagen in der Praxis deutlich. Auch das stützt unsere Einschätzung.

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