Toyota RAV4 I (1994-2000)

Gebrauchtwagen Toyota RAV4 I Gebrauchtwagen Toyota RAV4 I

Toyota RAV4 I (1994-2000)

— 16.04.2002

Der Musterknabe

Ein japanisches Auto ist zuverlässig, ein Toyota ist sehr zuverlässig. So weit das Klischee. Nun soll uns die Praxis zeigen, ob es im Fall des Toyota RAV4 auch zutrifft.

Motor und Technik

Der RAV4 ist ein Beispiel für den Mut eines Autoherstellers zu neuen Nischen: Einen Allradler mit lupenreiner Pkw-Technik, aber ordentlicher Bodenfreiheit und einer völlig eigenständigen Karosserie gab es bis zum Auftritt des RAV4 noch nicht. Toyota hat das Experiment 1994 gewagt - und großen Erfolg eingefahren. Nicht nur im Heimatland Japan, auch in den USA und in Europa fand der RAV4 der ersten Generation viele Freunde.

Er fährt mit seinem 129-PS-Zweiliter-Benziner spielerisch leicht, wirkt spritzig und handlich; fast schon ein wenig nervös. Die 1995 nachgeschobene Viertürer-Version mit längerem Radstand erscheint wegen des ruhigeren Kurvenverhaltens erwachsener, hat außerdem den besseren Federungskomfort - und vor allem einen ordentlichen Kofferraum hinter der geteilt umklappbaren Rücksitzbank. Der kurze Zweitürer hat da lediglich ein Minigepäckfach zu bieten. Seit 2000 gibt es den Nachfolge-RAV4 der zweiten Generation, jetzt mit 150-PS-Zweiliter und seit 2001 erstmals auch mit Turbodiesel (Zweiliter-Common-Rail, 116 PS).

Auch in Sachen Zuverlässigkeit hat der Toyota RAV4 der ersten Generation echte Vorbildfunktion. Der japanische Allradler bleibt nach den Erfahrungen unserer Leser so gut wie nie liegen. Nur 1,4 Prozent der RAV4-Fahrer hatten jemals Startprobleme (überalterte Batterien ausgenommen). Noch seltener waren Pannen unterwegs: Verschwindend geringe 0,5 Prozent der Leser blieben mit ihrem RAV4 auf freier Strecke liegen. Überwiegend lag es an der elektrischen Benzinpumpe, wenn ein RAV4 mal seinen Dienst versagte.

Die Vorbildfunktion des von 1994 bis 2000 in Deutschland verkauften RAV4 der ersten Generation umfasst auch die Lebensdauer wichtiger Fahrzeugteile. Zahlreiche Leserfahrzeuge mit über 200.000 Kilometer auf dem Tacho versehen mit dem ersten Motor ihren Dienst. Auch andere teure Baugruppen wie Getriebe, Allradantrieb, Servolenkungspumpe, Lichtmaschine oder Anlasser sind überdurchschnittlich langlebig. Eine echte Schwachstelle ist beim kleinen Toyota einfach nicht auszumachen.

Karosserie und Fahrwerk

So kommt es, dass banale Verschleißteile in der Reparatur-Hitliste nach oben rücken. Die vorderen Bremsscheiben beispielsweise halten im Schnitt 80.000 Kilometer; da kann man nicht klagen. Selbst die ältesten RAV4 in Deutschland, die zum Teil über sieben Jahre alt sind, fahren überwiegend noch mit der ersten Auspuffanlage herum. Auch kommen ärgerliche Undichtigkeiten so gut wie nie vor. Weder regnet es in den RAV4 hinein, noch läuft Öl aus Motoren und Getrieben heraus. Rost ist ebenfalls kein Thema. An wenigen Exemplaren gibt es leichte Korrosion am Unterboden, bevorzugt an Autos, die im Gelände eingesetzt wurden.

Bei 6,3 Prozent der Leser-RAV4 gab es schon einmal Schwierigkeiten mit der Lambdasonde vor dem Katalysator. Die Sonde meldete hier die Abgaswerte nicht korrekt an den Motorrechner und musste ausgetauscht werden. Vor dem Kauf eines gebrauchten RAV4 sollte man deshalb auf einer frischen Abgasuntersuchung bestehen.

Noch seltener (drei Prozent) sind ausgeschlagene Stabilisatorbuchsen am Fahrwerk. Meist sind sie eine Folge von zu harter Beanspruchung im Gelände. Fährt man mit zu hohem Tempo über Schlaglochwege, wird das zu viel für das filigrane Fahrwerk, vor allem für die Stabibuchsen. Bei der Probefahrt merkt man den Verschleiß an den harten Klappergeräuschen auf Kopfsteinpflaster oder Kanaldeckeln. Bleibt man im Gelände an Steinbrocken hängen, verbiegen sich schnell die dünnen unteren Querlenker an der Hinterachse, was spätestens beim nächsten TÜV-Termin bemängelt wird.

Mit den Toyota-Werkstätten sind die RAV4-Besitzer sehr zufrieden. Nur sechs Prozent beschweren sich über die Arbeitsleistung der Mechaniker. Der Preis für eine große Inspektion liegt nach Leserangaben bei durchschnittlich 330 Euro. Die Zufriedenheit mit ihrem Toyota drücken die RAV4-Besitzer durch ihr Kaufverhalten aus: Satte 46 Prozent derer, die neben dem RAV4 noch einen Zweitwagen besitzen, fahren einen weiteren Toyota, meist einen Corolla oder Starlet. Beim nächsten Autokauf würden 58 Prozent wieder ihren RAV4 nehmen. 31 Prozent haben die Absicht, den Nachfolge-RAV4 zu kaufen. Bleiben ganze elf Prozent übrig, die sich nach etwas anderem umsehen. Die Mehrheit davon bleibt jedoch der Marke Toyota treu: Sie steigt auf und bevorzugt den LandCruiser 90. Eine Minderheit sucht ein größeres SUV und will als nächstes den Nissan X-Trail.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 1994 Modelleinführung des zweitürigen Toyota RAV4 mit kurzem Radstand, 2,0-Liter-4-Zyl.-Benziner, 129 PS, wahlweise Schaltgetriebe oder Automatik; permanenter Allradantrieb, 3,72 m Außenlänge 1995 Einführung des viertürigen RAV4 mit langem Radstand, 4,15 m Außenlänge 1996 Nun 128 PS, schadstoffarm Euro 2 1997 Facelift: Klarglasscheinwerfer und neue Heckleuchten, als schadstoffarm D3 anerkannt 1998 offene Version auf Basis des Zweitürers mit kurzem Radstand 2000 Ablösung durch den RAV4 II

Schwachstellen • Die Bremsscheiben halten beim RAV4 im Schnitt rund 80.000 km. Ganz normal also in dieser Klasse, aber beim superunproblematischen RAV4 noch die häufigste Reparaturursache • Das Fahrwerk hält häufigen Geländeeinsatz nicht aus. Vor allem Hinterachsquerlenker verbiegen • Lambdasonden versagen bei einigen Exemplaren vorzeitig. Am besten ist es, das Fahrzeug hat beim Kauf eine frische AU-Plakette • Zuverlässigkeit wird bei Toyota groß geschrieben. Der RAV4 macht da keine Ausnahme. Nur 1,4 % der Leser hatten Startschwierigkeiten, ganze 0,5 % blieben unterwegs mit einer Panne liegen. Das sind absolute Spitzenwerte.

Reparaturkosten Preise inklusive Mehrwertsteuer am Beispiel eines Toyota RAV4 Viertürer, 94 kW/128 PS, Baujahr 1999. Der Auspuff ist insgesamt dreiteilig. Getriebe und Motor gibt es bislang nicht im Austausch, sondern nur als Neuteile

Fazit und Technik

Fazit Der RAV4 der ersten Serie ist ein wahrer Musterknabe und damit ein typischer Toyota: langlebig, unproblematisch und absolut zuverlässig. Nur wer ihn im Gelände zu hart rannimmt, verbiegt Teile des filigranen Fahrwerks. Also vor dem Kauf auf Kratzspuren an Auspuff und Radaufhängungen achten.

Technik Allradantrieb: permanent mit manuell sperrbarem Zentraldifferenzial (bei Schaltversion) oder permanent mit zentraler Ölbadlamellenkupplung (bei Automatikversion); keine Geländeuntersetzung; keine Traktionshilfen; Aufbau: selbsttragende Karosserie; Anhängelast 1500 kg; Verbrauch: EU-Norm 9,5 l; im Test 10,5 l Super/100 km (Tankinhalt 58 l); Höchstgeschwindigkeit: 179 km/h (Werksangabe 170 km/h)

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