Tracktest Trabant 601 TLRC
Im 2-Takt-Verfahren

80 PS und 600 Kubikzentimeter Hubraum klingen nicht gerade berauschend. Genau das Gegenteil erlebte AUTO BILD MOTORSPORT-Autor Guido Naumann im Meister-Trabant des TLRC-Cup.
So trifft man sich wieder. Im Trabant lernte ich das Autofahren. In der "Pappe" fuhr ich mit meiner ersten Liebe ins Kino. Im Trabbi erfuhr ich meine ersten Motorsporterfahrungen als Rallye-Beifahrer. Und heute, fast 20 Jahre später, sitze ich wieder in einem Trabbi. Und kitzle das Letzte aus dem kleinen Zweitakter heraus. Aber nicht aus irgendeinem, sondern aus dem Meisterauto des Trabant-Lada-Racing-Cup (TLRC) von Wolfgang Ziegler. Die heiß gefahrenen, profillosen Rennreifen kleben am griffigen Untergrund. Die Michelin-Gummis scheinen sich regelrecht in den Asphalt zu krallen. Schrill dröhnt der Motor. Seltsam, klingt irgendwie nach Rasenmäher. An der Grenze der Belastbarkeit pflügt der Renngimpel über die ultraschnelle Parabolika des Hockenheimrings.

Am Ende sind alle Autos trotz der ganzen Schrauberei auf einem Niveau

"Der soll auf schnellen Strecken das Heck beruhigen", grinst Wolfgang Ziegler. Na ja, meine Erfahrung lehrte mich anderes. Auch im Innenraum des Trabbis wurde gründlich aufgeräumt. Um auf das Idealgewicht von 585 Kilogramm zu kommen, flogen Sitze und Verkleidungsteile raus. Selbst der Tachometer fiel dem Schlankheitswahn zum Opfer. Nach der Magerkur blieben nur noch ein analoger Drehzahlmesser, die digitale Anzeigen für Abgastemperatur, der spartanische Rennschalensitz und ein Sicherheitskäfig übrig. So mutierte die einstige brave sozialistische Vorzeigelimousine zu einem aggressiven Rennboliden. Wild lärmend dreht der Zweitakter bis auf fast 7000 Touren hoch. Lautes Klagegeheul mahnt den Schritt in die nächste Stufe des Viergang-Getriebes an. Das ist Musik in Zieglers Ohren.
Guido Naumann findet: "Trabbi fahren ist wie eine Droge"

Fazit: Schön war's, nach fast 20 Jahren wieder mal in einem Trabbi zu sitzen. Und unglaublich. Früher mit 26 PS ins Kino und heute mit knatternden 80 PS um den Hockenheimring. Ein geiles Gefühl. Und bei den geringen Kosten kann man diese Rennserie Youngstern wie Rennveteranen wärmstens empfehlen.
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