Vergleich Toyota RAV4/Jonway Ufo — 03.06.2009
Original oder Fälschung?
Toyota RAV4 und Jonway Ufo sind auf den ersten Blick Zwillinge - auch im Preis liegen der Japaner und der Chinese dicht beieinander. Doch der Vergleich zeigt: Gebraucht ist hier deutlich besser als neu.
AUTO BILD lädt zum Quiz – und Susanne Feuerherd ist unsere Kandidatin. Die 39-Jährige steht auf der Showbühne, dem Parkplatz vor ihrem Zeitungsladen in Hersching am Ammersee (Bayern). Neben ihr zwei gleich aussehende Autos. Ein
Toyota RAV4 4x4 Sol, fünf Jahre alt, 64.000 Kilometer auf dem Tacho. Und ein neuer Jonway Ufo. Japanisches Original und chinesische Kopie. Preisfrage: Was ist echt, was nachgemacht? Die 39-Jährige grübelt, kann sich nicht entscheiden. "Zwei schöne Frauenautos", sagt sie, überlegt weiter – und vertippt sich. Zugegeben, die Frage ist sauschwer: Die Mini-SUV sind auch auf den zweiten Blick kaum zu unterscheiden. Technisch allerdings ist einiges anders: Der getestete Japaner hat Allradantrieb und schöpft aus zwei Litern Hubraum 150 PS. Der raue, aber agile Mitsubishi-Benziner des Chinesen holt aus zwei Litern Hubraum 129 PS. Statt 4WD gibt es nur Frontantrieb. Vier angetriebene Räder sollen im Juni folgen – für 1000 Euro extra.
Toyota vorn: Der RAV4 hat 150, der Jonway Ufo 129 PS. Die Bremswerte sind bei beiden Autos schlecht.
Für 19.990 Euro steht der hier getestete Jonway Ufo 2.0 Premium bei einem der 45 deutschen Händler. Klimaanlage, Rückfahrkamera, ein altmodisches CD-Radio der seltenen Marke Wanchuang und beigefarbene Ledersitze sind in dieser Version Serie. Als Basis-Modell kostet der Ufo 15.990 Euro – genauso viel wie der hier gefahrene RAV4. Wie bei fast allen
chinesischen Neuwagen stellt sich die Frage: Ist so viel Geld nicht besser in einem Gebrauchten angelegt? Doch der 2006 als Dreitürer eingestellte RAV4 ist nur schwer zu bekommen. "Wer einen hat, behält ihn", sagt Toyota-Verkäufer Marcello Norello, "viele Kunden bedauern, dass
Toyota dieses Modell nicht mehr anbietet." In genau diese Nische will Jonway mit dem Ufo preschen. Nach Angaben von Importeur Schlössl werden monatlich zwischen "30 und 40 Ufos" verkauft, bald sollen es rund 150 sein.
Hell und freundlich: Im Innenraum wirkt der Ufo dank Leder hochwertig, ist aber schlecht verarbeitet.
Doch hinter den schicken Fassaden sind gewaltige Unterschiede zu entdecken – oder besser: zu riechen. Der Chinese stinkt innen nach Chemiefabrik. Seine Verarbeitung ist weit unter Toyota-Niveau. Wer kräftig am Aschenbecher zieht, reißt Spalten in die Fugen der billigen Plastikverkleidung. Anders als beim Original stoßen 1,80 Meter große Passagiere auf den Rücksitzen gegen den Dachhimmel. Beim Japaner ist da noch eine Handbreit Platz. Schockierend: An Auspuff und Karosserie des getesteten
China-Neuwagens blühen bereits erste Flugrost-Spuren, am vorderen linken Kotflügel hat jemand abgeplatzte Farbe mit Lackstift überpinselt. Für alle Fälle liegt im Handschuhfach eine Dose Lack. Ach ja, die Rückfahrkamera springt nur an, wenn der Gang mit Wucht eingelegt wird. "Das ist ein Vorführwagen, der geht so nicht zum Kunden", rechtfertigt sich Importeur Schlössl.
Nichts von alledem beim RAV4. Im Gebrauchtwagentest reichte es zu vier von fünf Sternen, im Kummerkasten ist der kleine
SUV selten ein
Thema. Gelegentlich wurden die zu schwach ausgelegte Kupplung, in Einzelfällen Getriebeschäden und klappernde Armaturenbretter moniert. Im hier getesteten Modell ist davon nichts zu spüren. Allerdings braucht die Klimaanlage ewig, um auf Touren zu kommen. Die Sitze sind bequem und robust, geben in Kurven guten Halt – ganz im Gegensatz zu den harten und flachen Sitzflächen des Ufo. Weich sind beim Jonway dafür ganz andere Bauteile: Die Lenkung ist schwammig und indirekt, das Fahrwerk nicht straff genug, die Kupplung arbeitet gummiartig. Das Pedal wackelt nach unseren Tests. Im Gegensatz zur knackigen Schaltung des RAV4 sind die Schaltwege des Chinesen zu lang. Beim Verzögern wird der Ufo zum unberechenbaren Fahr-Objekt: Während einer Vollbremsung hält der Wagen nur dank starken Gegenlenkens die Spur. Der Bremsweg aus 100 km/h liegt mit warmen Bremsen bei 43,3 Metern (kalt: 42,2). Der Toyota ist da kaum besser: 42,8 (warm) und 44 Meter (kalt). Als Neuwagen schaffte er 41,9 (warm) und 41,2 Meter. Auch nicht doll. Während Toyota Wieser zwei Jahre Gebrauchtwagengarantie anbietet, sind es beim Jonway Ufo drei. Die hat er auch bitter nötig.
| Technische Daten |
|
Toyota RAV4 4x4 Sol 2.0 |
Jonway Ufo 2.0 Premium |
| Motor |
Vierzylinder, Benziner |
Vierzylinder, Benziner |
| Hubraum |
1998 cm³ |
1997 cm³ |
| kW (PS) bei U/min |
110 (150)/6000 |
95 (129)/6000 |
| Antrieb |
Allrad |
Front |
| Getriebe |
5-Gang |
5-Gang |
| Testwagenbereifung |
235/60 R 16 |
235/60 R 16 |
| Länge/Breite/Höhe |
3870/1785/1700 mm |
3850/1785/1665 mm |
| Verbrauch EU-Mix |
9,6 l Super |
7,5 l Super (Werk) |
| Abgas CO2 |
211 g/km |
220 g/km |
| Höchstgeschwindigkeit |
188 km/h |
175 km/h |
| Beschleunigung 0-100 km/h |
10,8 s |
12,8 s |
| Bremsweg 100-0 km/h |
44,0 m (kalt)/42,8 m (warm) |
43,3 m (kalt)/42,2 m (warm) |
| Preis |
15.900 Euro (gebraucht) |
19.900 Euro (neu) |
Claudius Maintz
Fazit
Wer knapp 16.000 Euro übrig hat, sollte das Geld lieber in einen Toyota RAV4 investieren. Dafür gibt es zwar keinen Neuwagen, aber ein Auto in der gewohnt soliden Toyota-Qualität. Am Ufo ist noch zu vieles unbekannt: Langzeitqualität, Crashverhalten, Alltagstauglichkeit, Wertverlust. Und in einen rostenden Neuwagen ist so viel Geld ohnehin schlecht angelegt.
Kommentare zum Artikel (8)
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Die Autobild neigt dazu die Chinesen zu Unterschätzen. Die Chinesen lernen schnell. Und die Verarbeitungsqualität einiger von mir probegesessener Modelle liegt mindestens auf Dodge-Niveau. Und die sind für Ihre Autos schön lange "bekannt"
Ich wundere mich, daß aus China solche Meldungen zu uns dringen. Sind diese News nicht der Zensur zum Opfer gefallen..?
Wertartbeit - ob deutsch oder japanisch - kostet Geld. So funktioniert die Wirtschaft der Neuerungen und Erfindungen. Welches Gericht Kopien zuläßt, wirft Entwicklungen Stöcker zwischen die Beine.
Nichts destotrotz sind AutoBild-Texte markenverliebt und parteiisch. Bild eben.
wenn ich sehe, wie diese china-smarts hergestellt werden, würde ich es mir drei mal überlegen jemals ein chinesisches auto zu kaufen. klar, dass dieser Ofo (wahrscheinlich) nicht auf diese art und weise gebaut wird. aber es erstickt jegliches vertrauen im keim.
was die "dreistigkeit" der chinesen angeht, alles was gut ist, zu kopieren, muss gesagt werden, dass es damals in china so üblich war (oder vielleicht auch noch ist), aus anerkennung an das gute produkt, dieses zu kopieren. aber ob man heutzutage noch von kopieren durch anerkennung reden kann.....
Die AB hat Recht! Die Chinesen bauen bislang nur lächerlichen, kopierten Schrott, in dem man sich wahrlich weder sehen lassen noch wohlfühlen kann. Ein riesiger Unterschied zu den Japanern, die teilweise 90 Jahre Erfahrung im Automobilbau haben. Ich hoffe, dass es noch sehr lange dauern wird, bis der chinesische Schrott international salonfähig wird.
...VW hat auch einige Zeit gebraucht, um die Fahrzeugkonzepte, Fertigungsmethoden und Technologien von Toyota zu kopieren. Was VW erfolgreich gelungen ist, wird auch den chinesischen Autobauern gelingen. Und wie auch für VW, so wird für die Chinesen der Heimatmarkt von zentraler Bedeutung sein.